Lebhafte Frage nach der Ursache , Verwechselung von Ursache und Wirkung , Beruhigung in einer falschen Theorie sind von großer nicht zu entwickelnder Schädlichkeit . Wenn mancher sich nicht verpflichtet fühlte , das Unwahre zu wiederholen , weil er ' s einmal gesagt hat , so wären es ganz andre Leute geworden . Das Falsche hat den Vorteil , daß man immer darüber schwätzen kann , das Wahre muß gleich genutzt werden , sonst ist es nicht da . Wer nicht einsieht , wie das Wahre praktisch erleichtert , mag gern daran mäkeln und häkeln , damit er nur sein irriges mühseliges Treiben einigermaßen beschönigen könne . Die Deutschen , und sie nicht allein , besitzen die Gabe , die Wissenschaften unzugänglich zu machen . Der Engländer ist Meister , das Entdeckte gleich zu nutzen , bis es wieder zu neuer Entdeckung und frischer Tat führt . Man frage nun , warum sie uns überall voraus sind . Der denkende Mensch hat die wunderliche Eigenschaft , daß er an die Stelle , wo das unaufgelöste Problem liegt , gerne ein Phantasiebild hinfabelt , das er nicht loswerden kann , wenn das Problem auch aufgelöst und die Wahrheit am Tage ist . Es gehört eine eigene Geisteswendung dazu , um das gestaltlose Wirkliche in seiner eigensten Art zu fassen und es von Hirngespinsten zu unterscheiden , die sich denn doch auch mit einer gewissen Wirklichkeit lebhaft aufdringen . Bei Betrachtung der Natur im großen wie im kleinen hab ' ich unausgesetzt die Frage gestellt : Ist es der Gegenstand oder bist du es , der sich hier ausspricht ? Und in diesem Sinne betrachtete ich auch Vorgänger und Mitarbeiter . Ein jeder Mensch sieht die fertige und geregelte , gebildete , vollkommene Welt doch nur als ein Element an , woraus er sich eine besondere ihm angemessene Welt zu erschaffen bemüht ist . Tüchtige Menschen ergreifen sie ohne Bedenken und suchen damit , wie es gehen will , zu gebaren ; andere zaudern an ihr herum ; einige zweifeln sogar an ihrem Dasein . Wer sich von dieser Grundwahrheit recht durchdrungen fühlte , würde mit niemanden streiten , sondern nur die Vorstellungsart eines andern wie seine eigene als ein Phänomen betrachten . Denn wir erfahren fast täglich , daß der eine mit Bequemlichkeit denken mag , was dem andern zu denken unmöglich ist , und zwar nicht etwa in Dingen , die auf Wohl und Wehe nur irgendeinen Einfluß hätten , sondern in Dingen , die für uns völlig gleichgültig sind . Man weiß eigentlich das , was man weiß , nur für sich selbst . Spreche ich mit einem andern von dem , was ich zu wissen glaube , unmittelbar glaubt er ' s besser zu wissen , und ich muß mit meinem Wissen immer wieder in mich selbst zurückkehren . Das Wahre fördert ; aus dem Irrtum entwickelt sich nichts , er verwickelt uns nur . Der Mensch findet sich mitten unter Wirkungen und kann sich nicht enthalten , nach den Ursachen zu fragen ; als ein bequemes Wesen greift er nach der nächsten als der besten und beruhigt sich dabei ; besonders ist dies die Art des allgemeinen Menschenverstandes . Sieht man ein Übel , so wirkt man unmittelbar darauf , d.h. man kuriert unmittelbar aufs Symptom los . Die Vernunft hat nur über das Lebendige Herrschaft ; die entstandene Welt , mit der sich die Geognosie abgibt , ist tot . Daher kann es keine Geologie geben , denn die Vernunft hat hier nichts zu tun . Wenn ich ein zerstreutes Gerippe finde , so kann ich es zusammenlesen und aufstellen ; denn hier spricht die ewige Vernunft durch ein Analogon zu mir , und wenn es das Riesenfaultier wäre . Was nicht mehr entsteht , können wir uns als entstehend nicht denken ; das Entstandene begreifen wir nicht . Der allgemeine neuere Vulkanismus ist eigentlich ein kühner Versuch , die gegenwärtige unbegreifliche Welt an eine vergangene unbekannte zu knüpfen . Gleiche oder wenigstens ähnliche Wirkungen werden auf verschiedene Weise durch Naturkräfte hervorgebracht . Nichts ist widerwärtiger als die Majorität : denn sie besteht aus wenigen kräftigen Vorgängern , aus Schelmen die sich akkommodieren , aus Schwachen die sich assimilieren , und der Masse , die nachtrollt , ohne nur im mindesten zu wissen , was sie will . Die Mathematik ist , wie die Dialektik , ein Organ des inneren höheren Sinnes , in der Ausübung ist sie eine Kunst wie die Beredsamkeit . Für beide hat nichts Wert als die Form ; der Gehalt ist ihnen gleichgültig . Ob die Mathematik Pfennige oder Guineen berechne , die Rhetorik Wahres oder Falsches verteidige , ist beiden vollkommen gleich . Hier aber kommt es nun auf die Natur des Menschen an , der ein solches Geschäft betreibt , eine solche Kunst ausübt . Ein durchgreifender Advokat in einer gerechten Sache , ein durchdringender Mathematiker vor dem Sternenhimmel erscheinen beide gleich gottähnlich . Was ist an der Mathematik exakt als die Exaktheit ? Und diese , ist sie nicht eine Folge des innern Wahrheitsgefühls ? Die Mathematik vermag kein Vorurteil wegzuheben , sie kann den Eigensinn nicht lindern , den Parteigeist nicht beschwichtigen , nichts von allem Sittlichen vermag sie . Der Mathematiker ist nur insofern vollkommen , als er ein vollkommener Mensch ist , als er das Schöne des Wahren in sich empfindet ; dann erst wird er gründlich , durchsichtig , umsichtig , rein , klar , anmutig , ja elegant wirken . Das alles gehört dazu , um La Grange ähnlich zu werden . Nicht die Sprache an und für sich ist richtig , tüchtig , zierlich , sondern der Geist ist es , der sich darin verkörpert ; und so kommt es nicht auf einen jeden an , ob er seinen Rechnungen , Reden oder Gedichten die wünschenswerten Eigenschaften verleihen will ; es ist die Frage , ob ihm die Natur hiezu die geistigen und sittlichen Eigenschaften verliehen hat . Die geistigen : das