so rette ich dich aus jeder Todesgefahr , in die du mutwilligerweise dich begibst . In meinem Puppenkasten habe ich ein Gespräch belauscht , das dich betrifft . Der Papst will dich zum Prior des hiesigen Kapuzinerklosters und zu seinem Beichtiger erheben . Fliehe schnell , schnell fort von Rom , denn Dolche lauern auf dich . Ich kenne den Bravo , der dich ins Himmelreich spedieren soll . Du bist dem Dominikaner , der jetzt des Papstes Beichtiger ist , und seinem Anhange im Wege . - Morgen darfst du nicht mehr hier sein . « - Diese neue Begebenheit konnte ich gar gut mit den Äußerungen des unbekannten Abbates zusammenräumen ; so betroffen war ich , daß ich kaum bemerkte , wie der possierliche Belcampo mich ein Mal über das andere an das Herz drückte und endlich mit seinen gewöhnlichen seltsamen Grimassen und Sprüngen Abschied nahm . - Mitternacht mochte vorüber sein , als ich die äußere Pforte des Klosters öffnen und einen Wagen dumpf über das Pflaster des Hofes hereinrollen hörte . Bald darauf kam es den Gang herauf ; man klopfte an meine Zelle , ich öffnete und erblickte den Pater Guardian , dem ein tief vermummter Mann mit einer Fackel folgte . » Bruder Medardus , « sprach der Guardian , » ein Sterbender verlangt in der Todesnot Euern geistlichen Zuspruch und die letzte Ölung . Tut , was Eures Amtes ist , und folgt diesem Mann , der Euch dort hinführen wird , wo man Eurer bedarf . « - Mich überlief ein kalter Schauer , die Ahnung , daß man mich zum Tode führen wolle , regte sich in mir auf ; doch durfte ich mich nicht weigern und folgte daher dem Vermummten , der den Schlag des Wagens öffnete und mich nötigte einzusteigen . Im Wagen fand ich zwei Männer , die mich in ihre Mitte nahmen . Ich frug , wo man mich hinführen wolle , - wer gerade von mir Zuspruch und letzte Ölung verlange . - Keine Antwort ! In tiefem Schweigen ging es fort durch mehrere Straßen . Ich glaubte an dem Klange wahrzunehmen , daß wir schon außerhalb Rom waren , doch bald vernahm ich deutlich , daß wir durch ein Tor und dann wieder durch gepflasterte Straßen fuhren . Endlich hielt der Wagen , und schnell wurden mir die Hände gebunden , und eine dicke Kappe fiel über mein Gesicht . » Euch soll nichts Böses widerfahren , « sprach eine rauhe Stimme , » nur schweigen müßt Ihr über alles , was Ihr sehen und hören werdet , sonst ist Euer augenblicklicher Tod gewiß . « - Man hob mich aus dem Wagen , Schlösser klirrten , und ein Tor dröhnte auf in schweren ungefügigen Angeln . Man führte mich durch lange Gänge und endlich Treppen hinab - tiefer und tiefer . Der Schall der Tritte überzeugte mich , daß wir uns in Gewölben befanden , deren Bestimmung der durchdringende Totengeruch verriet . Endlich stand man still - die Hände wurden mir losgebunden , die Kappe mir vom Kopfe gezogen . Ich befand mich in einem geräumigen , von einer Ampel schwach beleuchteten Gewölbe , ein schwarz vermummter Mann , wahrscheinlich derselbe , der mich hergeführt hatte , stand neben mir , rings umher saßen auf niedrigen Bänken Dominikanermönche . Der grauenhafte Traum , den ich einst in dem Kerker träumte , kam mir in den Sinn , ich hielt meinen qualvollen Tod für gewiß , doch blieb ich gefaßt und betete inbrünstig im stillen , nicht um Rettung , sondern um ein seliges Ende . Nach einigen Minuten düstern ahnungsvollen Schweigens trat einer der Mönche auf mich zu und sprach mit dumpfer Stimme : » Wir haben einen Eurer Ordensbrüder gerichtet , Medardus , das Urteil soll vollstreckt werden . Von Euch , einem heiligen Manne , erwartet er Absolution und Zuspruch im Tode ! - Geht und tut , was Eures Amts ist . « Der Vermummte , welcher neben mir stand , faßte mich unter den Arm und führte mich weiter fort durch einen engen Gang in ein kleines Gewölbe . Hier lag in einem Winkel auf dem Strohlager ein bleiches , abgezehrtes , mit Lumpen behängtes Geripp . Der Vermummte setzte die Lampe , die er mitgebracht , auf dem steinernen Tisch in die Mitte des Gewölbes und entfernte sich . Ich nahte mich dem Gefangenen , er drehte sich mühsam nach mir um ; ich erstarrte , als ich die ehrwürdigen Züge des frommen Cyrillus erkannte . Ein himmlisches verklärtes Lächeln überflog sein Gesicht . » So haben mich , « fing er mit matter Stimme an , » die entsetzlichen Diener der Hölle , welche hier hausen , doch nicht getäuscht . Durch sie erfuhr ich , daß du , mein lieber Bruder Medardus , dich in Rom befändest , und als ich mich so sehnte nach dir , weil ich großes Unrecht an dir verübt habe , da versprachen sie mir , sie wollten dich zu mir führen in der Todesstunde . Die ist nun wohl gekommen , und sie haben Wort gehalten . « Ich kniete nieder bei dem frommen ehrwürdigen Greis , ich beschwor ihn , mir nur vor allen Dingen zu sagen , wie es möglich gewesen sei , ihn einzukerkern , ihn zum Tode zu verdammen . » Mein lieber Bruder Medardus , « sprach Cyrill , » erst nachdem ich reuig bekannt , wie sündlich ich aus Irrtum an dir gehandelt , erst wenn du mich mit Gott versöhnt , darf ich von meinem Elende , von meinem irdischen Untergange zu dir reden ! - Du weißt , daß ich und mit mir unser Kloster dich für den verruchtesten Sünder gehalten ; die ungeheuersten Frevel hattest du ( so glaubten wir ) auf dein Haupt geladen , und ausgestoßen hatten wir dich aus aller Gemeinschaft . Und doch war es nur ein verhängnisvoller Augenblick , in dem der Teufel dir die Schlinge über