mag noch so blühend sein , als es Fleiß und Einsicht machen können . Niemals wird die schöne Gewohnheit einer bezweckten Tätigkeit hinreichen , und wir kehren auf jedem Punkte , der eine Rundung der Ansicht erlaubt , in unser eignes armes Herz zurück , und bringen höchstens etwas Zerstreuung oder Stoff zu neuen Plänen mit , wenn wir zur Arbeit zurückkehren . Wenn ich nun Ihre Reise bedenke , und alle die schönen Vorteile derselben betrachtet habe , was habe ich am Ende gewonnen , was wird aus meinen Kindern werden , wenn ich mit ihnen allein bin ? was , wenn Sie wiederkommen ? « Joseph hatte eine solche Minute erwartet , und sagte ihm gerührt : » Ich ehre diese Empfindung in Ihnen , Ihre Güte hat mich Ihnen so nahe gebracht als Ihren Kindern ; für Annonicaten weiß ich nichts , als daß es gut sein wird , sie bald zu verehlichen , um ihren unbestimmten Empfindungen die allgemeine Richtung des Weibes zu geben . « » Und für Marien ? « fuhr Wellner fort . » Für Marien « , sagte Joseph , » kann ich nicht wählen , denn ich liebe sie . « Dies Geständnis hatte ihm viel Mühe gekostet , weil er nur zu sehr fühlte , wieviel er Wellnern schon zu danken habe . Wellner fand dies nicht , er fühlte die Schuld , wäre je eine da gewesen , längst getilgt , und versprach ihm Marien mit Freuden , als Lohn seiner Treue , wenn sie ihn liebe . Dies glaubte Joseph beinahe schon , oder wenigstens , daß sie ihn heftig lieben werde . Hierin irrte er sich , denn sie liebte ihn sehr ; nur war sie keiner lebhaften Äußerung fähig ; auch reizte sie nichts zum Geständnis , da ihr Herz wie ihr Leben voll stillen Glücks und voll Ruhe war . Da nur noch wenige Monate bis zur Abreise Josephs übrig waren , so wurde die Verbindung und seine Aufnahme in die Handelsfirma bis zu seiner Rückreise festgesetzt ; doch entschlossen sie sich , ihm Marien näherzubringen , und zugleich für Annonciatens Versorgung zu denken . So hatten die beiden Freunde gesprochen , und verließen sich beide zufrieden , voll Hoffnung auf eine schöne Zukunft . Als Wellner nach seiner Stube ging , und im Begriffe war , zu Bette zu gehen , hörte er seine Töchter , die über ihm wohnten , noch wach sein und im Gespräche . Er war noch ganz von den Worten , die er in Liebe zu ihnen mit Joseph gewechselt hatte , durchdrungen , und setzte sich an das offne Fenster , um ihnen zuzuhören . Die Mädchen , von der schönen Nacht ans Fenster gelockt , sprachen vertraulich mit einander , und von Dingen , die ihn sehr rührten . » Wie ist dir ? « sagte Marie zu Annonciaten , » wenn du so in den stillen Himmel siehst und den Mondschein - « » Liebe Marie , wie mir dann ist , wenn ich dir das so recht beschreiben könnte , oder irgend einem Menschen , so wäre ich recht glücklich ; ich denke oft daran , und ich würde dich nicht immer bitten , mit mir ans Fenster zu treten , wenn mir meine Empfindung dann klar und deutlich wäre , denn überall kann ich wohl einsam sein , wo mir etwas deutlich ist - o ! dann kann ich immerfort so in mir allein denken , ja wohl ordentliche Gespräche mit meinen Gedanken halten ; aber wenn der Mond in die Stube scheint , kann ich nicht ruhen , und muß ans Fenster hin . Es ist mir , als rufe er mich , ich müsse ihn wieder ansehen , die ganze schöne Nacht spräche mit mir , und frage mich scharf aus ; die Antwort aber liegt mir tief im Herzen begraben , und es ist mir oft , als müsse mir das Herz brechen , damit ich es nur sagen könnte . « » Das ist seltsam , da bist du wieder ganz anders als ich , in mir ist es nicht so . « » Wie ist dir dann , was möchtest du tun , was möchtest du haben ? Jetzt , da du siehst , daß es draußen ganz anders in der Welt ist , was möchtest du , das auch dich verändere ? damit du wieder ruhig würdest , und mit der Welt zusammenstimmtest ; denn wenn du schläfst , ist es dir doch nur wohl , weil du nichts von der Nacht weißt . « » Ich verstehe dich nicht , du bist wohl wieder melancholisch , - wenn ich schlafe , ob ich da nichts wisse ; nun das weiß ich nicht . Manchmal träume ich auch , und wenn ich hier bei dir stehe , und du sprichst nicht , oder ich bin schläfrig , so wünsche ich , Joseph wäre bei mir , und spräche vertraulich mit mir , wie er nun bald abreise und wir Briefe mit einander wechseln wollen . Auf diese Briefe freue ich mich sehr , denn ich habe noch an niemand geschrieben ; es ist mir wie ein neuer Sinn , der mir aufgehen soll , und ich denke schon oft ganze Briefe an ihn aus . « » Du bist glücklich , du liebst Josephen wohl . « » Ich denke meistens an ihn , liebe ihn lieber als den Vater , und kann denken , daß ich gern mein ganzes Leben mit ihm sein möchte : wenn dies Liebe ist , so hast du recht . « » Ich habe recht , das ist Liebe , das ist deine Liebe . « » Meine Liebe ? giebt es denn mehr als eine Liebe . « » Es giebt vielleicht nur eine , aber jeder Mensch hat wohl doch eine andre . Mir ist nicht so wie dir , wenn ich hier stehe ; es ist mir , als