, sondern eine Menge uns ganz unbekannter Künste und Kunstwerkzeuge erfunden haben werden , u.s.w. Nun , meine Freundin , sind wir auf der Höhe , von welcher aus wir uns , dünkt mich , überzeugen können , daß die Aufgabe , die du mir zu lösen gegeben hast , unauflösbar ist . Es gibt kein andres höchstes Gut ( wenn man es so nennen will ) für den Menschen , als , » das zu seyn und zu werden , was er nach dem Zweck der Natur seyn soll und werden kann : « aber eben dieß ist der Punkt , den er nie erreichen wird , wiewohl er sich ihm ewig annähern soll . Wo über jeder Stufe noch eine höhere ist , gibt es kein Höchstes - als täuschungsweise ; wie dem , der einen hohen Berg ersteigen will , diese oder jene Spitze die höchste scheint , bis er sie erklettert hat , und nun erst sieht , daß neue Gipfel sich über ihm in die Wolken thürmen . Alles , was für einen Menschen in seinem dermaligen Leben ( dem einzigen , das er kennt ) gut ist , ist zur rechten Zeit , am rechten Ort , im rechten Maß , und recht gebraucht , für den Augenblick das Höchste ; für den unsterblichen Menschen gibt es kein Höchstes als das Unendliche . Weiter , schöne Laiska , habe ich ' s bis jetzt nicht bringen können , und ich zweifle nicht , daß viel daran fehlt , daß meine Antwort deinen Sophisten und Phrontisten genug thun sollte . Was mich selbst betrifft , ich habe nie nach hohen Dingen , geschweige nach dem Höchsten , getrachtet ; und dafür haben mir die Götter immer reichlich mehr gegeben , als ich zu begehren gewagt hätte . Von allen ihren Gaben die reichste ist , daß sie mich mit dir zu gleicher Zeit geboren werden ließen , mich mit dir zusammen brachten , und in der Stunde , da du mir deine Freundschaft schenktest , mich auf mein ganzes Leben zu einem der glücklichsten Sterblichen weihten . Müßt ' ich nicht Adrasteien190 zu erzürnen fürchten , wenn ich meine Wünsche noch höher zu treiben versuchen wollte ? Anmerkungen zum ersten Band . Wieland hat zur Charakteristik Aristipps ein doppeltes Motto aus Horaz gewählt , das erste aus einem Brief an Scäva ( Epp . I. 17 , 23. ) : Gleich gut stand Aristippen , wie jegliche Farbe , das Glück an ; Höher hinauf gern strebt ' er , und dem , was begegnete , fügsam . Voß . Das zweite aus einem Brief an Mäcenas ( Epp . I. 1 , 18. ) , welches Wieland selbst so übersetzte : - Und statt mich selbst den Dingen Zu unterwerfen , seh ' ich wie ich ' s mache , Sie unter mich zu kriegen . Ein Auszug aus Wielands Anmerkungen ( S. 59-50 ) dazu wird hier gewiß zweckmäßig als Einleitung dienen . Die Philosophie , als die Kunst zu leben , heißt es , wurde bei den Griechen gleich andern schönen Künsten behandelt ; sie hatte ihre Meister und Schulen wie die Bildnerei und Malerei . Sokrates machte zwar selbst keine Secte - eben weil er Sokrates war : aber alle nach ihm entstandenen philosophischen Schulen und Secten wurden von irgend einem der Seinigen gestiftet oder veranlaßt . Plato , der berühmteste unter seinen Anhängern , stiftete die Akademie , Aristoteles , der größte Kopf unter Platons Schülern , das Lyceum . Aristipp machte sich zwar sein eigenes System , aber kann so wenig als Sokrates für das Haupt einer Schule gehalten werden , wiewohl man ihn dazu gemacht hat.A1 Antisthenes wurde der Vater einer Secte , die mit dem wenig rühmlichen Namen der Hündischen ( Cyniker ) sich gleichwohl in einiges Ansehen zu setzen wußte , und unter den Philosophen das war , was die Franciscaner unter den Mönchen . Hundert Jahre nach Sokrates Tode wurden Zeno und Epikur , indem jener die Weltbürgerschaft des Antisthenes , dieser den Egoismus des Aristippos zu rectificiren suchte , die Stifter zweier neuen Schulen , welche in kurzem über alle übrigen hervorragten , aber in allen ihren Begriffen und Grundsätzen Antipoden waren - der Epikurischen und der Stoischen . Von dem eigentlichen System des Aristippus wissen wir nur sehr wenig Zuverlässiges ; denn seine Schriften sind verloren gegangen , und von den sogenannten Cyrenäern , seinen angeblichen Nachfolgern , läßt sich kein sicherer Schluß auf ihn selbst machen . In dem , was Diogenes Laërtius von ihm zusammengestoppelt hat , sind die Anekdoten und Bonsmots das Beste , wiewohl darunter einige von verdächtigem Schlage vorkommen . Aber , wenn wir auch nichts von ihm wüßten , als was uns Horaz sagt : so würde dieß , mit etlichen Zügen , die sich im Cicero , Plutarch und Athenäus finden , schon hinlänglich seyn , uns von der Denkart dieses Philosophen , der so wenig dazu gemacht war , gute Nachahmer zu haben , einen ziemlich reinen Begriff geben . Der Grund seiner ganzen Philosophie scheint folgendes Raisonnement gewesen zu seyn . Der Mensch weiß nichts gewisser als daß er ist , denn dieß fühlt er ; und eben dieß Gefühl sagt ihm alle Augenblicke , was er ist , nämlich ein Wesen , dessen Existenz eine Kette von angenehmen oder unangenehmen Empfindungen ist , die ihm entweder von außenher kommen , oder die es sich selbst macht . Aus jenen erkennt er zwar , daß eine unendliche Menge von Dingen außer ihm sind ; aber was diese Dinge für sich selbst sind , weiß er nicht ; und da es ihn im Grunde nichts angeht , so soll er sich auch nichts darum kümmern . Aber was er gewiß weiß , weil er ' s fühlt , ist : daß ihm diese Dinge geradezu Lust oder Unlust machen , theils Gelegenheit geben , daß er sich selbst ihrentwegen plagt . Das letztere zu vermeiden