, Sie hinüber zu tragen . “ Die Frage kam sehr schüchtern heraus und Jane streifte mit einem halb mitleidigen , halb verächtlichen Blick die zwar hohe , aber äußerst schlanke und zarte Gestalt mit ihrer gebückten Haltung ! „ Ich danke ! “ entgegnete sie mit unverhehlter Ironie . „ Die Last möchte doch zu schwer für Sie sein . “ Der Spott hatte eine ganz eigenthümliche Wirkung auf den bisher so schüchternen Fremden . Eine Purpurgluth schoß plötzlich in dem bleichen Antlitz auf , mit einem Ruck hatte er sich emporgerichtet , die junge Dame auf seine Arme gehoben und stand bereits mit ihr mitten im Wasser . Das alles ging so blitzschnell , daß Jane , überrascht und bestürzt , gar keine Zeit fand , sich zu sträuben , jetzt aber machte sie eine rasche Bewegung , entschlossen , lieber in das fußtiefe Wasser zu gleiten , als eine Freiheit zu dulden , die man sich gegen ihren Willen genommen – da begegnete sie auf einmal seinen Augen . War es die stumme , beinahe flehende Bitte darin , oder lag noch irgend etwas Anderes , Seltsames in diesem Blick – Jane senkte langsam den ihrigen , das beklemmende Gefühl von vorhin kam mit verdoppelter Macht zurück , und regungslos verharrte sie in ihrer Stellung , während er mit einer Kraft , die Niemand diesen Armen zugetraut hätte , sie vollends hinübertrug . „ Ich bitte um Verzeihung ! “ sagte er leise , während er seine Last scheu und ehrfurchtsvoll drüben am Gartenthor niedersetzte . „ Ich danke ! “ erwiderte Jane kurz und kalt , stieß selbst die Gittertür auf und trat ein . Sie hatten nur wenige Schritte in den Garten hineingethan , als eine große , fast hünenhafte Gestalt dicht vor ihnen auftauchte . „ Herr Professor , um Gotteswillen , Sie sind wirklich ausgewesen in diesem Wetter ! Und noch dazu ohne Regenschirm ! Sie werden sich den Schnupfen holen , das Fieber , den Tod – und der Plaid ! Herr Professor , wo ist denn Ihr Plaid geblieben ? “ Mühsam und beinahe unwillig wehrte der Professor den Besorgten von sich ab , der mit einem großen Regenschirm bewaffnet , in etwas aufdringlicher Weise ihn zu schützen bemüht war . „ Aber Friedrich ! Siehst Du denn gar nicht ? “ Er wies auf Jane , die Jener in seinem übergroßen Eifer noch nicht bemerkt hatte , diese neue Thatsache aber , die Erscheinung einer jungen Dame an der Seite seines Herrn , schien gänzlich über die Fassungskraft Friedrichs zu gehen , er ließ den Regenschirm sinken und starrte die Beiden mit offenem Munde an , in einer so grenzenlosen Verwunderung , daß man deutlich sah , dergleichen war ihm noch niemals vorgekommen . Der Professor machte rasch seinem stummen Entsetzen ein Ende . „ Es ist die junge Dame , welche beim Doctor Stephan erwartet wird , “ sagte er . „ Geh jetzt und sage dem Doctor – “ Weiter kam er nicht mit seinem Auftrage , denn Friedrich hatte kaum die ersten Worte vernommen , als er einen unarticulirten Laut ausstieß , plötzlich Kehrt machte und in mächtigen Sätzen davonschoß . Jane blieb stehen und sah den Professor an , ihre Miene verrieth deutlich , was sie von ihren deutschen Landsleuten zu denken begann , und daß sie nach der Begegnung mit den ersten beiden Exemplaren derselben sich einigen Zweifel an deren Zurechnungsfähigkeit überhaupt erlaubte . Der Herr sowohl als der Diener waren in ihren Augen gleich lächerlich . Im Hause hatte inzwischen der Alarmruf Friedrich ’ s einen förmlichen Aufruhr veranlaßt . Thüren wurden aufgerissen und zugeschlagen , Treppen krachten unter schweren und leichten Tritten , man schien in stürmischer Eile noch einige Empfangsfeierlichkeiten zu improvisiren , oder doch die bereits vorbereiteten in Ordnung zu bringen , und als sich Jane endlich in Begleitung des Professors dem Haupteingange näherte , wartete ihrer denn auch eine Ueberraschung . Reiche Blumenguirlanden umgaben Thür und Pfeiler , ein riesiges „ Willkommen “ prangte über der ersteren , Blumen waren auf Flur und Treppe gestreut , und am Fuß derselben stand der große Friedrich , ein ebenso großes Bouquet in den Händen , das er mit einem stolzen Lächeln auf seinem breiten Gesichte in ziemlich ungeschickter Weise der jungen Dame dicht vor die Nase hielt . Ein solcher Empfang war jedoch augenscheinlich nicht im Geschmack von Miß Forest . Man hatte in ihrem Vaterhause wahrscheinlich dergleichen „ überflüssige Sentimentalitäten “ ebenso sehr gemieden , wie man dort die „ unpassende Vertraulichkeit “ der Dienstboten in Schranken hielt . Jane ’ s Augenbrauen zogen sich zusammen , sie sah den ihr entgegentretenden Diener von oben bis unten an , und als er , eingeschüchtert durch diesen sehr ungnädigen Blick , zur Seite wich , rauschte sie mit einer vornehmen Handbewegung , in der sehr wenig von Dank und sehr viel von kalter Zurückweisung lag , all ihm vorüber , die Treppe hinauf und trat , ohne die ihretwegen getroffenen festlichen Anstalten auch nur eines einzigen Blickes zu würdigen , in den Flur , wo jetzt eben Doctor Stephan und seine Frau erschienen . Der Professor stand noch immer wie gebannt unten und blickte ihr nach , durch die noch eine Minute offen bleibende Thür . Er sah , wie die junge Dame , durch die doch gewiß eigenthümliche erste Begegnung mit ihren Verwandten , zu denen sie unerwartet , durchnäßt , durch ’ s Gartenpförtchen und in Begleitung eines völlig Fremden kam , auch nicht einen Augenblick aus der Fassung gebracht , auf ihren Oheim zuschritt , ihm mit kühler Artigkeit die Hand reichte , mit genau demselben Ausdruck der Tante die Wange zum Kusse bot , sich dann emporrichtete und Beiden gegenüberstand , so entschieden , so hoheitsvoll und selbstbewußt , als wolle sie gleich im ersten Moment der Begrüßung gegen jede etwaige Bevormundung oder Unterordnung ihrerseits protestiert . Die Thür fiel zu und wie aus einem Traum erwachend fuhr