, der Blick suchte scheu den Boden und die Lippen zitterten leise , dann plötzlich sanken die Blutwellen wieder , so schnell und stürmisch , wie sie aufgestiegen waren , und das Gesicht wurde erschreckend bleich . Der Graf , dem dieser jähe Farbenwechsel nicht entgangen war , schaute ihn betroffen an . „ Du bist krank ! “ sagte er unruhig . „ Dein ganzes Aussehen verräth es ! Solchen Anstrengungen und Bußübungen , wie die Deinigen , muß schließlich selbst eine eisenfeste Gesundheit unterliegen . Wozu das Alles ? Du bist jung , Du hast noch keine Schuld auf Deinem Gewissen , mache ein Ende mit dieser ewigen Pönitenz , werde endlich einmal wie Deine anderen Mitbrüder . Schone Dich , Bruno , ich bitte Dich darum ! “ Er hatte die beiden Hände des jungen Priesters ergriffen und zog ihn leise zu sich , während sein Auge mit unverhüllter Besorgniß auf dessen blassen Zügen ruhte . Es lag eine seltsame Weichheit in Ton und Blick , eine Zärtlichkeit , deren man dies Gesicht und diese Stimme kaum fähig gehalten hätte ; es geschah sicher nicht oft , daß Graf Rhaneck bat , aber der Eindruck dieser Bitte war anders , als er erwartete . Benedict machte eine Bewegung , als wolle er die Hand zurückziehen , und ließ sie dann , wie sich plötzlich besinnend , in der des Grafen , in seiner ganzen Haltung war etwas wie unwillkürliches Zurückweichen , wie instinctmäßige Abwehr , und in dem Blick , den er jetzt langsam emporhob , lag noch Schlimmeres , ein vielleicht unbewußter , aber tiefer und nur mühsam bezwungener Widerwille , als er ehrfurchtsvoll , aber eisig antwortete : „ Sie sind sehr gütig , Herr Graf . “ Rhaneck ließ seine Hand fallen und trat zurück ; er schien die Abweisung zu verstehen , aber jener verächtliche Ausdruck , der seinen stolzen Lippen so sehr zu Gebote stand , als er vorhin von dem „ Bauer “ gesprochen , erschien diesmal nicht , wo er doch fast beleidigt wurde ; wohl zuckte eine tiefe Bitterkeit durch sein Gesicht , aber sie hatte mehr vom Schmerz , als vom Zorn an sich . „ Du willst in mir immer und ewig nur den Gönner sehen , nie den väterlichen Freund ! “ sagte er rasch und heftig . „ Ich habe es nun bereits aufgegeben , bei Dir je eine Regung des Vertrauens der Offenheit zu finden . Immer diese unübersteigliche Kluft zwischen uns ! und Du mußt Dir doch selbst sagen , daß Deine Stellung mir und der Welt gegenüber jetzt eine andere geworden ist . “ Benedict ’ s Wangen begannen sich wieder leise zu färben , aber diesmal war es unverkennbar die Röthe der Beschämung . „ Verzeihung , Herr Graf ! Ich fühle tief mein Unrecht gegen den Mann , dem ich Alles danke , aber – “ „ Aber Du kannst es nicht ändern ! Laß gut sein , ich mag keine erzwungene Zuneigung , noch weniger eine erheuchelte . Wir werden uns jetzt wohl öfter sehen , da ich den Sommer über in Rhaneck zu bleiben denke . Für heute lebe wohl ! “ Er wandte sich nach dem anstoßenden Gemach , aber auf der Schwelle zögerte er einen Moment , wie um eine nochmalige Annäherung Benedict ’ s zu erwarten , doch dieser verharrte unbeweglich auf seinem Platze , und mit einer raschen , unmuthigen Bewegung trat der Graf in das Cabinet seines Bruders . „ Ist die Unterredung schon zu Ende ? “ fragte dieser befremdet aufblickend . Rhaneck warf sich finster in einen Sessel . „ Bruno ist wieder einmal unzugänglicher als je ! Diese eisige Zurückhaltung und Verschlossenheit ist nicht zu überwinden ! “ Der Prälat lächelte etwas hohnvoll und ein leiser Hohn lag auch in seiner Stimme . „ Pater Benedict hat wohl wieder Deine Zärtlichkeit mit seiner unterwürfigen Kälte zurückgewiesen ? Ich dachte es mir ! Sonst wäre der Liebling nicht so schnell entlassen worden . Du thätest besser , sie Deinem eigenen Sohne zuzuwenden . “ Rhaneck fuhr auf . „ Meinem Sohne ! Und Bruno – ? “ „ Ich meine den künftigen Majoratsherrn , Ottfried Grafen zu Rhaneck ! “ Die Stimme des Prälaten klang scharf und schneidend . „ Ihm allein bist Du diese Regungen von Zärtlichkeit schuldig , die Pater Benedict weder verstehen kann noch darf . “ Der Graf stützte den Kopf in die Hand . „ Laß das ruhen ! “ sagte er gepreßt . „ Du weißt , in dem Punkte gehen unsere Ansichten auseinander . “ „ Ja , nur allzusehr ! Du wirst dieser Schwäche doch niemals Herr werden , das habe ich längst eingesehen . Du hast Recht , es ist am besten , der alte Streit bleibt ruhen . Laß uns davon abbrechen ! “ – Pater Benedict hatte inzwischen , als er sich verabschiedet sah , die Gemächer des Abtes verlassen und öffnete jetzt die Thür zu dem Kreuzgange , der die Prälatur mit den übrigen Räumen des Klosters verband . In dem schattig kühlen Raume gingen zwei Männer , im Gespräch begriffen , langsam auf und nieder . Der eine , gleichfalls ein Benedictinermönch , der Prior des Klosters , mit klugen , aber unangenehmen Zügen und stechenden schwarzen Augen , die einen eigenthümlich lauernden Ausdruck hatten , schien das Wort zu führen , während sein Begleiter mit einer Art unterwürfiger Freundlichkeit zuhörte . Es war ein Mann , schon hoch bei Jahren , er stand bereits auf der Schwelle des Greisenalters , die Kleidung eines Weltgeistlichen , die er trug , war sehr einfach , um nicht zu sagen dürftig , und doch schien sie mit ganz besonderer Sorgfalt in Stand gesetzt zu sein . Spärliches weißes Haar kam unter dem schwarzen Käppchen zum Vorschein , welches das fast kahle Haupt bedeckte . Das blasse eingefallene Gesicht verrieth zwar keine hervorragende Intelligenz , aber es hatte einen freundlich bescheidenen