Ehren ! ‹ rief er lachend . – Und wirklich , die Versöhnung der beiden langjährigen Nachbarn war denn noch die Krone meines Werkes . Freilich , als dabei der Schulmeister so etwas wie einen Triumphton anstimmen wollte , fuhr der Bauer auf : › Red ' t nicht so viel , Schulmeister ! Es könnt mir leid werden ! ‹ Und seitdem genossen wir weislich unseren Sieg im stillen . Schon am ersten Morgen hatte ich beschlossen , der Verfolgung des Dämon Amor durch rasche Flucht ein Ziel zu setzen . Nun schrieb ich meiner Schwester , die seit kurzem Witwe war , und schlug ihr vor , mit mir hieher zu ziehen ; und als ihre Zustimmung nach einigen Tagen erfolgte , so war das Fundament dieses wackeren Hauses damit gelegt . Noch acht Tage blieb ich in dem Dorfe und streifte mit meinem neuen Schüler , der nun plötzlich in reiner Lebensluft atmete , plaudernd und arbeitend durch Berg und Wald . Ich wurde mit jedem Tag gesunder , die freie Luft , das derbe praktische Leben um mich her taten mir wohl . Hier war einmal eine Welt ohne jene betörende Liebe ; die Mädchen heirateten , je nachdem , eine ganze , halbe oder viertel Hufe ; die respektiven Besitzer gingen mit in den Kauf – scheußliche Kerle , sag ich dir , mitunter . Mein Bauer war auch mit einem solchen Schwiegersohn versehen ; der Mensch war überdies ein Trunkenbold . Am letzten Abend meiner dortigen Sommerfrische kam die Frau , die übrigens nichts mit ihrem Bruder Paul gemein hat , zu dem Hause ihres Vaters , wo ich mit diesem auf den großen Steinen vor der Torfahrt saß . Sie hatte eines ihrer Kinder auf dem Arm , bei dessen Entstehung auch nicht die Grazien geholfen , dem sie aber doch mit mütterlichem Behagen das Näschen mit der Schürze schneuzte . – Die Frau stellte sich grade vor den Alten hin . › Vater ‹ , sagte sie , › ' s ist nicht mehr zum Aushalten ! ‹ Der Alte blieb ruhig sitzen , tat einen Zug aus seiner Pfeife und fragte : › Wo steckt ' s denn schon wieder einmal ? ‹ › Wo es steckt ? ‹ rief das Weib ; › der Kerl ist alle Tage dick und voll ! ‹ › Sonst nichts ? ‹ meinte der Alte . › Das haben wir schon allzeit gewußt . ‹ › Macht keinen Spaß , Vater ; das paßt sich nicht dazu ! ‹ › Ei was ‹ , rief der Bauer , indem er aufstand und ins Haus ging . › Du mußt ihn eben schleißen ; ich hab ' s dir vorhergesagt ; ' s hat alles sein End in der Welt ! ‹ Ich fiel über diese Worte in einen Abgrund der Betrachtung . Wem denn , als mir selber , lag die Verpflichtung näher , meine eigene werte Person zu schleißen ? – Freilich , wenn es vollbracht war , ich konnte keine Hufe dabei gewinnen ; wenigstens keine irdische zu zehntausend Talern Steuerwert . Aber dennoch ! – Und am Ende , war denn das Körperchen wirklich so übel ? Hatte es mir nicht schon einen wesentlichen Dienst geleistet ? Ich dachte an die Prügel des armen Paul . Hätte mein Vater mich nicht unzweifelhaft zum Schiffsmaat geprügelt , wenn ich mit solchen Gliedmaßen auf die Welt gekommen wäre ? Als ich aus der Tiefe dieser Schlußfolgerungen auftauchte , sah ich das Weib schon wieder ruhig plaudernd bei einer Nachbarin stehen , und auch der Alte saß wieder , seine Pfeife schmauchend , neben mir . › Was simulieret Ihr denn , Herr Brunken ? ‹ sagte er , als ich mit der Hand mir die Gedanken aus den Augen wischte . › Ich simuliere ‹ , erwiderte ich , › Vater Werner , man soll sein Leben aus dem Holze schnitzen , das man hat . ‹ › Da habt Ihr wacker recht ‹ , sagte der Alte und nickte dazu ein paarmal derb mit seinem harten Kopfe . – Und siehst du , Arnold « , so schloß Freund Brunken seine Erzählung , » diese gute Lehre , die ich zuletzt noch auf den Weg bekam , habe ich festgehalten ; ich würde mich jetzt ohne Gefahr sogar den schönen Augen deines Mühmchens aussetzen können . « » Vielleicht um so mehr « , versetzte ich , » wenn du erfährst , daß sie inzwischen deinen Freund , den Assessor , geheiratet hat . « Er stutzte doch einen Augenblick . » Ich lasse ihr Glück wünschen « , sagte er dann , » möge sie es nie vermissen ! Denn , nichts für ungut , dein Herr Vetter gehört denn doch zu jener Sorte – nun , wir kennen sie sattsam ; verderben wir uns die gute Stunde nicht ! « Ich lachte . » Gehen wir lieber einmal in meine Werkstatt , die du noch nicht gesehen hast « , fuhr er fort , » dort kann ich dir auch die Illustration zu meiner Geschichte zeigen . « Und so schlenderten wir durch den blühenden Garten nach dem Hause zurück und betraten bald im oberen Stockwerk ein geräumiges Zimmer mit der ganzen Ausstattung eines rüstigen Malerlebens . Als Brunken die grünen Fenstervorhänge zurückgezogen hatte , entwickelte sich eine reiche Bilderschau ; aber er faßte meinen Arm . » Das nachher « , sagte er und führte mich vor ein kleines Bild , das seitwärts auf einer Staffelei lehnte . Es war fast dasselbe wie jene bittere Karikatur seines eigenen Lebens , an der ich ihn einst so eifrig hatte arbeiten sehen ; derselbe sonnige Park und im Vordergrunde , aus dem blühenden Rosengebüsch emporsteigend , die Statue der Venus ; nur die Stellung der Figuren war eine andere . Das junge Paar , das sich früher mit übermütigem Lachen in dem Laubgange entfernt hatte , sah man jetzt in harmloser