. Der Junker mußte es schon wissen , daß ich zu seiner Schwester stand ; gleichwohl – hieß nun sein Stolz ihn , mich gering zu schätzen , oder glaubte er mit seiner ersten Drohung mich genug geschrecket – , was ich besorget , traf nicht ein ; Katharina und ich waren am ersten wie an den andern Tagen von ihm ungestöret . Einmal zwar trat er ein und schalt mit Katharinen wegen ihrer Trauerkleidung , warf aber dann die Thür hinter sich , und wir hörten ihn bald auf dem Hofe ein Reiterstücklein pfeifen . Ein ander Mal noch hatte er den von der Risch an seiner Seite . Da Katharina eine heftige Bewegung machte , bat ich sie , auf ihrem Platz zu bleiben , und malete ruhig weiter . Seit dem Begräbnißtage , wo ich einen fremden Gruß mit ihm getauschet , hatte der Junker Kurt sich auf dem Hofe nicht gezeigt ; nun trat er näher und beschauete das Bild und redete gar schöne Worte , meinete aber auch , weshalb das Fräulein sich so sehr vermummet und nicht vielmehr ihr seidig Haar in freien Locken auf den Nacken habe wallen lassen ; wie es ein Engelländischer Poet so trefflich ausgedrücket , » rückwärts den Winden leichte Küsse werfend . « Katharina aber , die bisher geschwiegen , wies auf Herrn Gerhardus ' Bild und sagte : » Ihr wisset wohl nicht mehr , daß das mein Vater war ! « Was Junker Kurt hierauf entgegnete , ist mir nicht mehr erinnerlich ; meine Person aber schien ihm ganz nicht gegenwärtig oder doch nur gleich einer Maschine , wodurch ein Bild sich auf die Leinewand malete . Von letzterem begann er über meinen Kopf hin dieß und jenes noch zu reden ; da aber Katharina nicht mehr Antwort gab , so nahm er alsbald seinen Urlaub , der Dame angenehme Kurzweil wünschend . Bei diesem Wort jedennoch sah ich aus seinen Augen einen raschen Blick gleich einer Messerspitze nach mir zücken . – – Wir hatten nun weitere Störniß nicht zu leiden , und mit der Jahreszeit rückte auch die Arbeit vor . Schon stand auf den Waldkoppeln draußen der Roggen in silbergrauem Blust , und unten im Garten brachen schon die Rosen auf ; wir beide aber – ich mag es heut wohl niederschreiben – , wir hätten itzund die Zeit gern stille stehen lassen ; an meine Botenreise wagten ; auch nur mit einem Wörtlein , weder sie noch ich zu rühren . Was wir gesprochen , wüßte ich kaum zu sagen ; nur daß ich von meinem Leben in der Fremde ihr erzählte und wie ich immer heim gedacht ; auch daß ihr güldner Pfennig mich in Krankheit einst vor Noth bewahrt , wie sie in ihrem Kinderherzen es damals fürgesorget , und wie ich später dann gestrebt und mich geängstet , bis ich das Kleinod aus dem Leihhaus mir zurückgewonnen hatte . Dann lächelte sie glücklich ; und dabei blühete aus dem dunkeln Grund des Bildes immer süßer das holde Antlitz auf ; mir schien ' s , als sei es kaum mein eigenes Werk . – Mitunter war ' s , als schaue mich etwas heiß aus ihren Augen an ; doch wollte ich es dann fassen , so floh es scheu zurück ; und dennoch floß es durch den Pinsel heimlich auf die Leinewand , so daß mir selber kaum bewußt ein sinnberückend Bild entstand , wie nie zuvor und nie nachher ein solches aus meiner Hand gegangen ist . – – Und endlich war ' s doch an der Zeit und festgesetzet , am andern Morgen sollte ich meine Reise antreten . Als Katharina mir den Brief an ihre Base eingehändigt , saß sie noch einmal mir genüber . Es wurde heute mit Worten nicht gespielet ; wir sprachen ernst und sorgenvoll mitsammen ; indessen setzete ich noch hie und da den Pinsel an , mitunter meine Blicke auf die schweigende Gesellschaft an den Wänden werfend , deren ich in Katharinens Gegenwart sonst kaum gedacht hatte . Da , unter dem Malen , fiel mein Auge auch auf jenes alte Frauenbildniß , das mir zur Seite hing und aus den weißen Schleiertüchern die stechend grauen Augen auf mich gerichtet hielt . Mich fröstelte , ich hätte nahezu den Stuhl verrücket . Aber Katharinens süße Stimme drang mir in das Ohr : » Ihr seid ja fast erbleichet ; was flog Euch übers Herz , Johannes ? « Ich zeigte mit dem Pinsel auf das Bild . » Kennet Ihr die , Katharina ? Diese Augen haben hier all die Tage auf uns hingesehen . « » Die da ? – Vor der hab ich schon als Kind eine Furcht gehabt , und gar bei Tage bin ich oft wie blind hier durchgelaufen . Es ist die Gemahlin eines früheren Gerhardus ; vor weit über hundert Jahren hat sie hier gehauset . « » Sie gleicht nicht Euerer schönen Mutter « , entgegnete ich ; » dies Antlitz hat wohl vermocht , einer jeden Bitte nein zu sagen . « Katharina sah gar ernst zu mir herüber . » So heißt ' s auch « , sagte sie ; » sie soll ihr einzig Kind verfluchet haben ; am andern Morgen aber hat man das blasse Fräulein aus einem Gartenteich gezogen , der nachmals zugedämmet ist . Hinter den Hecken , dem Walde zu , soll es gewesen sein . « » Ich weiß , Katharina ; es wachsen heut noch Schachtelhalm und Binsen aus dem Boden . « » Wisset Ihr denn auch , Johannes , daß eine unseres Geschlechtes sich noch immer zeigen soll , sobald dem Hause Unheil droht ? Man sieht sie erst hier an den Fenstern gleiten , dann draußen in dem Gartensumpf verschwinden . « Ohnwillens wandten meine Augen sich wieder auf die unbeweglichen des Bildes . » Und weshalb « , fragte ich , » verfluchete sie ihr Kind ? « » Weshalb