Arm höflich zurück und antwortete mit einer gemessenen Verbeugung : » Bedaure , Euer Liebden . Bin schon versagt . « Sich an einen andern wendend , den Raugrafen , lud der Lauenburger ihn mit noch lustigeren und dringlicheren Worten : » Du darfst es mir nicht abschlagen , Kamerad ! Du bist mir noch Revanche schuldig ! « Der Raugraf aber , ein kurz angebundener Herr , wandte ihm ohne weiteres den Rücken . Sooft er seine Versuche wiederholte , so oft wurde er , und immer kürzer und derber abgewiesen . Vor seinen Schritten und Gebärden bildete sich eine Leere und entfüllte sich der Raum . Jetzt stand er allein in der Mitte des von allen verlassenen Gemaches . Ihm wurde deutlich , daß er fortan von seinesgleichen streng werde gemieden werden . Sein Gesicht verzerrte sich . Wütend ballte der Gebrandmarkte die Faust und drohte , sie erhebend , dem Schicksal oder dem Könige . Was er murmelte , verstand der Page nicht , aber der Ausdruck des vornehmen Kopfes war ein so teuflischer , daß der Lauscher einer Ohnmacht nahe war . IV IV In der Dämmerstunde desselben ereignisvollen Tages wurde dem Könige ein mit einem richtig befundenen Salvokondukt versehener friedländischer Hauptmann gemeldet . Es mochte sich um die Bestattung der in dem letzten Zusammenstoße Gefallenen oder sonst um ein Abkommen handeln , wie sie zwischen sich gegenüberliegenden Heeren getroffen werden . Page Leubelfing führte den Hauptmann in das eben leere Empfangszimmer , ihn hier zu verziehen bittend ; er werde ihn ansagen . Der Wallensteiner aber , ein hagerer Mann mit einem gelben verschlossenen Gesichte , hielt ihn zurück : er ruhe gern einen Augenblick nach seinem raschen Ritte . Nachlässig warf er sich auf einen Stuhl und verwickelte den Pagen , der vor ihm stehen geblieben war , in ein gleichgültiges Gespräch . » Mir ist « , sagte er leichthin , » die Stimme wäre mir bekannt . Ich bitte um den Namen des Herrn . « Leubelfing , der gewiß war , diese kalte und diktatorische Gebärde nie in seinem Leben mit Augen gesehen zu haben , erwiderte unbefangen : » Ich bin des Königs Page , Leubelfing von Nüremberg , Gnaden zu dienen . « » Eine kunstfertige Stadt « , bemerkte der andere gleichgültig . » Tue mir der junge Herr den Gefallen , diesen Handschuh – es ist ein linker – zu probieren . Man hat mir in meiner Jugend bei den Jesuiten , wo ich erzogen wurde , die demütige und dienstfertige Gewohnheit eingeprägt , die sich jetzt für meine Hauptmannschaft nicht mehr recht schicken will , verlorene und am Wege liegende Gegenstände aufzuheben . Das ist mir nun so geblieben . « Er zog einen ledernen Reithandschuh aus der Tasche , wie sie damals allgemein getragen wurden . Nur war dieser von einer ausnahmsweisen Eleganz und von einer auffallenden Schlankheit , so daß ihn wohl neun Zehntel der wallensteinischen oder schwedischen Soldatenhände hineinfahrend mit dem ersten Ruck aus allen seinen Nähten gesprengt hätten . » Ich hob ihn draußen von der untersten Stufe der Freitreppe . « Leubelfing , durch den kurzen Ton und die befehlende Rede des Hauptmanns etwas gestoßen , aber ohne jedes Mißtrauen , ergriff in gefälliger Höflichkeit den Handschuh und zog sich denselben über die schlanken Finger . Er saß wie angegossen . Der Hauptmann lächelte zweideutig . » Er ist der Eurige « , sagte er . » Nein , Hauptmann « , erwiderte der Page befremdet , » ich trage kein so feines Leder . « » So gebt mir ihn zurück ! « und der Hauptmann nahm den Handschuh wieder an sich . Dann erhob er sich langsam von seinem Stuhl und verneigte sich , denn der König war eingetreten . Dieser tat einige Schritte mit wachsendem Erstaunen und seine starkgewölbten strahlenden Augen vergrößerten sich . Dann richtete er an den Gast die zögernden Worte : » Ihr hier , Herr Herzog ? « Er hatte den Friedländer nie von Angesicht gesehen , aber oft dessen überallhin verbreitete Bildnisse betrachtet , und der Kopf war so eigentümlich , daß man ihn mit keinem andern verwechseln konnte . Wallenstein bejahte mit einer zweiten Verneigung . Der König erwiderte sie mit ernster Höflichkeit : » Ich grüße die Hoheit , und stehe zu Diensten . Was wollet Ihr von mir , Herzog ? « Er winkte den Pagen mit einer Gebärde weg . Leubelfing flüchtete sich in seine anliegende Kammer , welche , ärmlich ausgerüstet , ein schmaler Riemen , zwischen dem Empfangszimmer und dem Schlafgemach des Königs , dem ruhigsten des Hauses , lag . Er war erschreckt , nicht durch die Gegenwart des gefürchteten Feldherrn sondern durch das Unheimliche dieses späten Besuches . Ein dunkles Gefühl zwang ihn , denselben mit seinem Schicksale in Zusammenhang zu bringen . Mehr von Angst als von Neugierde getrieben , öffnete er leise einen tiefen Schrank , aus welchem er – wenn es gesagt werden muß – durch eine Wandspalte den König schon einmal – nur einmal – belauscht hatte , um ihn ungestört und nach Herzenslust zu betrachten . Daß sein Auge und abwechselnd sein Ohr jetzt die Spalte nicht mehr verließ , dafür sorgte der seltsame Inhalt des belauschten Gespräches . Die sich gegenüber Sitzenden schwiegen eine Weile , sich betrachtend , ohne sich zu fixieren . Sie wußten , daß , nachdem die das Schicksal Deutschlands bestimmende Schachpartie mit vieldeutigen Zügen und verdeckten Plänen begonnen und sich auf allen Feldern verwickelt hatte , vor der entscheidenden , eine neue Lage der Dinge schaffenden Schlacht das unterhandelnde Wort nicht am Platze und ein Obereinkommen unmöglich sei . Diesem Gefühle gab der Friedländer Ausdruck . » Majestät « , sagte er , » ich komme in einer persönlichen Angelegenheit . « Gustav lächelte kühl und verbindlich . Der Friedländer aber begann : » Ich pflege im Bette zu lesen , wann mich der Schlaf meidet . Gestern oder heute früh fand ich in