mochte , vor ihr erwacht , sie auf nackten Sohlen beschlichen , ihr das schmucke Spielzeug entwendet und mit ihm das Lager und den Schlummer wiedergefunden haben . Das Kind hielt den Kristall an das kleine Herz gepreßt und vorsichtig löste Frau Stemma Fingerchen um Fingerchen . Jetzt holte sie , verlockt von der frühern Gewohnheit , die lange im Verschluß gelegenen Kristalle hervor . Nachdem sie dieselben eine Weile in den Händen gehalten und mit den Fläschchen , sie unablässig wechselnd , nach ihrer alten Weise gespielt hatte , legte sie das eine unter ihren mit Gemsleder beschuhten Fuß und zertrat es auf der steinernen Fliese mit einem kräftigen Drucke zu Scherben . Die ausströmende Flüssigkeit verbreitete einen angenehmen Mandelgeruch . Im Begriffe den zweiten Kristall unter die Sohle zu legen , besah sie noch seinen goldenen Deckel und erkannte , daß sie sich zwischen den Fläschchen geirrt hatte . Sie glaubte das inschriftlose zuerst zermalmt zu haben und hielt es noch in der Hand . Kopfschüttelnd legte sie das Schlänglein unter die Ferse , doch das festere Glas widerstand hartnäckig . Sie ergriff es wieder und schon hob sie den Arm , um es an der Wand zu zerschmettern , da hielt sie inne aus Furcht , mit dem klirrenden Wurfe den Schlummer Mädchens zu stören . Oder mit einem anderen Gedanken barg sie es sorgfältig in dem weiten Busen ihres Gewandes . Frau Stemma wurden die Lider schwer und sie ließ sich betäubt in einen Sessel fallen . Da sah sie ein Ding hinter ihrem Stuhle hervorkommen , das langsam dem Lager ihres schlummernden Kindes zustrebte . Es floß wie ein dünner Nebel , durch welchen die Gegenstände der Kammer sichtbar blieben , während das blühende Mädchen in fester Bildung und mit kräftig atmendem Leibe dalag . Die Erscheinung war die eines Jünglings dem Gewande nach eines Klerikers , mit vorhangenden Locken Das ungewisse Wesen rutschte auf den Knieen oder watete , dem Steinboden zutrotz , in einem Flusse . Stemma betrachtete es ohne Grauen und ließ es gewähren , bis es die Hälfte des Weges zurückgelegt hatte . Dann sagte sie freundlich : » Du , Peregrin ! Du bist lange weggeblieben . Ich dachte , du hättest Ruhe gefunden . « Ohne den Kopf zu wenden und sich wieder um einen Ruck vorwärts bringend , antwortete der Müde : » Ich danke dir , daß du mich leidest . Es ist ohnehin das letzte Mal . Ich werde zunichte Aber noch zieht es mich zu meinem trauten Kindchen « » Seid ihr Tote denn nicht gestorben ? « fragte die Richterin . » Wir sterben sachte , sachte « , antwortete der Kleriker . » Wie denkst du ? Die « – er stotterte – » die Seele wird damit nicht früher fertig als der Leib vermodert ist . Inzwischen habe ich mir diesen ärmlichen Mantel geliehen . « Der Schatten schüttelte seine Gestalt wie einen rinnenden Regen . » Ei , was war der irdische Leib für ein heftiges und lustiges Feuer ! In diesem dünnen Rocklein friert mich und ich lasse es gerne fallen . « » Hernach ? « fragte Stemma . » Hernach ? Hernach , nach der Schrift – « Stemma runzelte die Stirn . » Zurück von dem Kinde ! « gebot sie dem Schatten , der Palma fast erreicht hatte . » Harte ! « stöhnte dieser und wendete das bekümmerte Haupt . Dann aber , von dem warmen Atem Stemmas angezogen , schleppte er sich rascher gegen ihre Kniee , auf welche er die Ellbogen stützte , ohne daß sie nur die leiseste Berührung empfunden hätte . Dennoch belebte sich der Schatten , die schöne Stirn wölbte sich und ein sanftes Blau quoll in dem gehobenen Auge . » Woher kommst du , Peregrin ? « sagte die Richterin . » Vom trägen Schilf und von der unbewegten Flut . Wir kauern am Ufer . Denke dir , Liebchen , neben welchem Nachbar ich zeither sitze , neben dem – « er suchte . » Neben dem Comes Wulf ? « fragte die Richterin neugierig . » Gerade . Kein kurzweiliger Gesell . Er lehnt an seinen Spieß und brummt etwas , immer dasselbe , und kann nicht darüber wegkommen . Ob du ihm ein Leid antatest oder nicht . Ich bin mäuschenstille « – Peregrin kicherte , tat dann aber einen schweren Seufzer . Darauf schnüffelte er , als rieche er den verschütteten Safe , und suchte mit starrem Blicke unter Stemmas Gewand , wo das andere Fläschchen lag , so daß diese schnell den Busen mit der Hand bedeckte . Da fühlte sie eine unbändige Lust , das kraftlose Wesen zu ihren Füßen zu überwältigen . » Peregrin « , sagte sie , » du machst dir etwas vor , du hast dir etwas zusammengefabelt . Palma geht dich nichts an , du hast kein Teil an ihr . « Der Kleriker lächelte . » Du bildest dir etwas Närrisches ein « , spottete die Richterin . » Stemma , ich lasse mir mein Kindchen nicht ausreden . « » Torheit ! Wie wäre solches möglich ? Was weißt du , Traum ? « » Ich weiß « – der flüchtig Beseelte schien eine Süßigkeit zu empfinden , in sein kurzes und grausames Los zurückzukehren – » wie mich dein Vater überfiel , da ich von meinem Lehrer dem Abte weg über das Gebirge zog . Der Judex litt an einer Wunde und hatte von meiner Wissenschaft vernommen . Da hob er mich auf und brachte mich dir mit . Du warest noch sehr jung und o wie schön ! mit grausamen schwarzen Augen ! Dabei herzlich unwissend . Ich lehrte dich Buchstaben und Verse bilden , doch diese da mochtest du nicht . Lieber regiertest du in den Dörfern , schiedest Händel und machtest die Ärztin bei deinen Eigenen . Ich zeigte dir die Kräfte der Kräuter , lehrte dich allerlei brauen und du