mancher belasteten Menschenseele ein wenig Sonnenschein recht noth . “ Jetzt erschien in der That ein schelmisches Lächeln auf den Kippen des jungen Mannes . „ Wahrhaftig ? Ist er bis jetzt vorübergegangen ? “ fragte er . „ Nun , dann kann ich Ihnen wohl versichern , daß ich von ganzem Herzen wünsche , er möge so schnell wie möglich hier einkehren . “ Er bog sich bei diesen Worten nieder , um in ihr Gesicht zu sehen . Mit einer heftigen Bewegung fuhr sie in die Höhe , wobei eine ihrer langen Flechten sich löste und am Fensterkreuz hängen blieb . „ Sieh da , Ihr schönes Haar ! “ sagte Werner , indem er sie befreite . Magdalenens Gesicht aber war plötzlich mit einer flammenden Nöthe übergossen . Sie warf dem jungen Mann einen zornsprühenden Blick zu und war mit zwei Sprüngen zur Thür hinaus . Werner sah ihr erstaunt nach . Die Seejungfer aber kam aus ihrem Winkel hervor und sagte schüchtern und verlegen , indem sie ihm den Kirchenschlüssel hinhielt : „ Nehmen Sie ’ s nur ja nicht übel , Herr Werner , daß das Lenchen so fortgelaufen ist . Aber so was , wie von schönen Haaren , das darf man dem Mädchen nicht sagen … Sie weiß wohl , daß sie von Kindesbeinen an der arme , häßliche Tater gewesen ist , und aus einem Raben kann sein Lebtag keine Taube werden – das weiß sie auch … Die Nachbarsleute können die hellen Haare meiner seligen Schwester nicht vergessen – ich freilich auch nicht – und da hat ’ s das Lenchen gar manchmal anzuhören gekriegt , daß sie so aus der Art geschlagen ist . Sie kann ihre pechschwarzen Haare nicht ausstehen , und wenn ihr manchmal so ein Zopf vornüber fällt , da erschrickt sie ordentlich … Sie guckt das ganze Jahr in keinen Spiegel , und wir haben auch keinen im ganzen Hause . Je nu , warum denn auch ? Setze ich am Sonntag meine Kirchenhaube schief auf , so rückt sie ’ s Lenchen wieder gerade . “ Werner lächelte und nahm schweigend den Schlüssel in Empfang . Die Seejungfer begleitete ihn an die Treppe und knixte , bis er drunten im dunklen Gang verschwunden war . Gleich darauf trat Magdalene wieder in die Stube . Ihr Gesicht glühte und ihre Züge waren in heftiger Bewegung . Die Seejungfer sah sie ängstlich von der Seite an , wie sie sich schweigend an ’ s Fenster setzte und ihre Arbeit wieder aufnehmen wollte ; aber die sonst so feste Hand zitterte , und nach allen Seiten flogen Fingerhut , Scheere und Arbeit vom Tisch herunter . Als sie sich danach bückte und etwas von „ ungeschickt “ und dergleichen murmelte , sagte die Muhme : „ Laß jetzt gut sein , Lenchen ; Du bringst im Augenblick doch nichts zurecht … Wie kannst Du nur aber auch gleich so wild werden ! … Er hat Dir ja doch eigentlich nichts gethan . “ „ Ausgespottet hat er mich ! “ rief jetzt das Mädchen mit ausbrechender Heftigkeit , und in ihren glühenden Augen funkelten Thränen . „ Verhöhnt hat er mich ! … O , diese Herzlosen , da stehen sie auf ihren Geldsäcken und sehen vornehm und spöttisch auf die herab , die , wie sie wähnen , im Staube ihr elendes Dasein hinschleppen ! … Weil ich mit diesen meinen Händen mir mühsam den Unterhalt gewinnen muß , darum bin ich schlechter , als der , den das Glück in eine goldene Wiege legte , der seine feinen Finger bedachtsam ansieht und meint , sie seien nur da , um seinen hochgeborenen Körper zu vervollständigen … Weint und lacht das reiche , in Spitzen gewickelte Kind etwa anders , als das im groben Kissen ? … Und sieht das brechende Auge des reichen Sterbenden in einen anderen Himmel , als das des Bettlers ? … Ich kann bewundernd zur Geistesgröße aufblicken , kann mich demuthsvoll vor der Tugend beugen , kann das Talent verehren – aber niemals werde ich dem Mammon huldigen , der seinen Fuß grob und schwerfällig Allem und Jedem auf den Nacken setzen will und da schonungslos und kalt hintritt , wo der wärmste und weichste Punkt im Herzen des Armen sitzt ! … Und darum wehre ich mich auch bis zum letzten Athemzug , wenn solch ein Gewaltiger daherkömmt und meint , mich beleidigen zu können . “ Nach diesem leidenschaftlichen Ausbruch schwieg Magdalene einen Moment . Die Seejungfer , gewöhnt , Alles , was das junge Mädchen in solcher Aufregung sprach , unverstanden an ihren Ohren vorüberbrausen zu lassen – es war aber auch für diese Ohren eigentlich nicht gesagt – hatte ihre Arbeit wieder aufgenommen und benutzte nun diesen stillen Augenblick , indem sie sagte : „ Ja , siehst Du , Lenchen , so geht ’ s , wenn man vornehmen Leuten allzu dreist antwortet . Hättest fein artig Deinen Knix machen sollen und weiter nichts – so war ’ s zu meiner Zeit , und darum ist mir auch Keiner zu nahe gekommen . “ „ Muhme , “ rief das junge Mädchen wie außer sich , „ wenn Ihr mich ein wenig lieb habt , so sagt mir nicht solche Dinge ! Bedenkt Ihr denn nicht , daß Ihr mich damit schwer kränkt ? … Inwiefern habe ich den Mann herausgefordert ? … Ich habe ihm geantwortet , wie ich antworten mußte ! … Was hat er hier in unserer armen Wohnung zu suchen ? … Ist noch je einer der Herren selbst gekommen , den Schlüssel von Euch zu holen ? … Das ist so Einer , der sich das Elend ansieht , um es nachher beschreiben zu können . Man muß nur in dies Gesicht blicken . So mag seine Tante , die alte Räthin Bauer , in ihrer Jugend ausgesehen haben – das sind Züge von Erz und Eis , an denen mag wohl