, aber ein wenig sonderbar . Er war früher öfter bei mir , als er in der Stadt die Schule besuchte – seine Lehrer lobten ihn gar sehr – den sollten Sie einmal Klavier spielen hören , Schulmeisterin ! ... Der könnte sich in A. die Schönste und Reichste aussuchen – er kriegte sie ; darauf können Sie sich verlassen ; aber nie hat er vom Heiraten hören wollen ... Warum er nun gerade die Margarete nimmt , begreife ich eigentlich nicht so recht . « » Da ist also die Sache im reinen ? « fragte die Schulmeisterin . » Seine Mutter wenigstens , mit der ich heute in der Kirche sprach , leugnete nicht viel « , entgegnete die Muhme . Marie hörte dies Gespräch wie im Traume . Ihr Herz war zum Ersticken gepreßt . Sie schlich hinaus ins Gärtchen , um sich recht satt zu weinen . Hier fand sie wenigstens in der sterbenden Natur ein Echo für ihren Schmerz ... Auf der Gegend lag spätherbstlicher Duft . Die Luft war so still , daß man das Rollen weit entfernter Wagen und die taktmäßigen Schläge der Holzhauer droben in den Wäldern deutlich hören konnte . Bisweilen fiel ein vereinsamtes , gelbes Blatt , langsam sich drehend , zu Maries Füßen , oder ein kleiner Emmerling hüpfte geräuschvoll durch das knisternde Laub auf den Beeten . Das junge Mädchen hatte sich an die Kirchhofsmauer gelehnt . Ihre Hand lag auf derselben und zupfte mechanisch an dem Gras , das dürr und trocken aus den Steinspalten hervorsah , während ihr Auge über den Kirchhof glitt ... Dort , das kleine Kirchenfenster war genau hinter dem Platz , wo Joseph heute morgen gesessen , von wo aus er mit einem so unerklärlich wunderbaren Ausdruck nach ihr hinübergeschaut hatte . Mit schmerzlicher Freude haftete ihr Blick an jener Stelle – war sie doch einen Augenblick unaussprechlich glücklich da drüben gewesen ! Freilich nur einen Augenblick ; denn ihr Verstand sagte ihr gleich nachher , daß sie sich geirrt haben müsse und daß es sündhaft sei , nachzugrübeln und das Wahrgenommene günstig für sich zu deuten , da ja bereits eine andere gegründete Rechte auf den geliebten Mann hatte ... Joseph liebte die Musik ; er sang selbst so hübsch – war es da wohl ein Wunder , wenn er so gespannt und aufmerksam der Kirchenmusik folgte ? Hätte eine andere an ihrem Platze gestanden , er würde gewiß ebenso hinübergesehen haben . Auf diese Weise bemühte sie sich , wenn auch unter unaussprechlichem Leid , jeden Hoffnungskeim zu ersticken und alles , was sie während der kurzen Zeit ihres glückseligen Traumes in ihrem Herzen gehegt und bewahrt hatte , unbarmherzig zu vernichten . Sie hatte wie träumend die Augen geschlossen . Aber wie erschrak sie , als eine warme Hand sich auf die ihrige legte ! Mit einem lauten Schrei fuhr sie in die Höhe und traute ihren Sinnen kaum – Joseph stand vor ihr , nur durch die dünne , niedere Mauer von ihr getrennt . » Seid nicht böse – ich wollte Euch gewiß nicht erschrecken « , sagte er mit einer so bittenden , weichen Stimme , wie sie Marie bei seinen trotzigen , kühnen Zügen nimmermehr vermutet hätte . Als sie schwieg – aus dem einfachen Grunde , weil ihre Zunge wie gelähmt war – , trat er dicht an die Mauer und beugte sich tief , um in ihr gesenktes Gesicht blicken zu können . » Gönnt mir doch wenigstens ein Wort « , bat er beklommen . » Wenn Ihr so eiskalt und ernsthaft dasteht – wo soll ich den Mut hernehmen zu sprechen ? ... Seht , ich kann es nicht mehr zählen , wie oft ich schon über den Kirchhof gegangen bin , nur mit dem Gedanken , Euch einmal sprechen zu können ... Ihr lebt so zurückgezogen , daß man Euch nie begegnet , und ich muß deshalb auch denken , daß Ihr mich gar nicht kennt . « Marie gewann allmählich ihre Fassung wieder . Ihr Vorsatz , sich so zu beherrschen , daß Joseph ihre unglückliche Neigung nie ahnen solle , trat mit einemmal fest vor ihre Seele – sie stand vor Margaretes Bräutigam , dieser Gedanke stählte sie . » Ich kenne Euch wohl ; Euer Bruder hat des Schulzen Katharine zur Frau « , entgegnete sie ruhig . » Sprecht nur . Wenn ich mir auch nicht denken kann , was Ihr wollt , so will ich Euch doch herzlich gern auf Eure Fragen Bescheid geben . « Ihr Ernst schien den jungen Mann ein wenig außer Fassung zu bringen . Er errötete und strich langsam mit der Hand über sein glänzendes Haar . Endlich , nach einem peinlichen Schweigen , begann er : » Ihr habt heute früh so wunderschön gesungen – mir geht Gesang über alles . Wie Eure Stimme aber , so habe ich noch keine gehört – das mußte ich Euch sagen . « » Wenn Euch die Musik gefallen hat « , antwortete Marie , » so ist das gar nicht mein Verdienst – der Psalm ist so schön – Ihr singt ja auch ? « » Habt Ihr mich gehört ? « » Ja , bei der Katharine ihrer Hochzeit . « » Ihr waret ja nicht dabei . « » Freilich nicht – aber Eure Stimme klang laut genug – ich hab ' deutlich gehört , daß Ihr gut singt . « » Woher wißt Ihr denn , daß ich ' s war ? « » Der Mond schien ja so hell ... « » Ach – und da habt Ihr hinübergesehen ? « unterbrach sie Joseph mit strahlenden Blicken . Wie ungeschickt ! – Sie hatte sich verraten . Noch konnte sie jedoch einlenken . » Nun , das ist doch eben kein Wunder . Wenn ich ans Fenster trat , mußte ich Euch ja sehen – Ihr saßet ja gerade gegenüber . « Sie sprach diese Worte so