getrunken , und sonst noch viel schlechte Streiche gemacht , die ein ordentlicher Mensch gar nicht nacherzählen kann . Der hat einmal einen Ball gegeben , da ist ’ s wild und wüst zugegangen , und wie in der Nacht die Glocke Zwölfe gebrummt hat , da steht draußen vor der Saaltür ein ganz schwarzer Herr – keine Menschenseele hat gewußt , wie er hereingekommen ist – und läßt den General hinausrufen . Auf einmal ist ein fürchterlicher Spectakel ; die Fenster sind von selbst aufgeflogen , es hat gestampft und getrabt , als ob wilde Pferde über Dielen und Treppen liefen , und der General hat jämmerlich geschrieen ; und wie die Anderen hinausgekommen sind , da waren die Beiden weg und sind auch nie wiedergekommen . Der kohlschwarze Herr war , mit Erlaubniß zu sagen , der Teufel , und hat den General geholt … Die Geschichte hab ’ ich in aller Unschuld dem Sauer erzählt ; da wird doch der Mensch ganz grob , wirft seinen Stiefel , den er gerade wichst , auf die Erde und sagt , ich solle nur gleich in den Spittel ziehen ; dort glaubten sie noch solches Zeug . “ Die Hofrätin unterdrückte mit Mühe ein Lächeln , denn Dorte war sehr leicht beleidigt . „ Wie bist Du denn aber auch auf ein so entsetzliches Thema gekommen , Dorte ? “ fragte sie . „ Ja , ich meinte , “ entgegnete die alte Köchin , indem sie mit dem Zipfel ihrer blauen Leinenschürze kühlend über ihr erhitztes Gesicht strich , „ der Lärm heute Nacht sei doch gerade so gewesen , als ob der Böse eines arme Seele hole . “ „ Welcher Lärm ? “ fragte die Hofrätin verwundert . Lilli bog das Gesicht über ihre Tasse ; die Wetterwolke war im Begriff , sich über ihrem Haupt zu entladen . Den Verweis der Tante fürchtete sie nicht , gern hätte sie ihn hingenommen , denn sie war schuldig ; allein der Gedanke war ihr überaus peinlich , daß ihre mütterliche Freundin um ihretwillen Verdruß haben werde . „ Daß Gott erbarm , Frau Hofrätin , “ rief Dorte und schlug die Hände über den Kopf zusammen , „ haben Sie denn den Heidenrumor nicht gehört ? Drüben ist ’ s ja d ’ runter und d ’ rüber gegangen , Sauer meint , die Liebste habe vielleicht ausreißen wollen und sie hätten sie dabei erwischt … Du lieber Gott , in der armen Person ihren Schuhen möchte ich auch nicht stecken ! Mit dem da drüben ist nicht gut Kirschen essen . “ „ Ist er denn wirklich ein solcher Bösewicht ? “ fragte Lilli aufatmend , und innerlich lachend über die verschiedenartige Auffassung der nächtlichen Scene . „ Na , den sollten Sie einmal hören , wenn er seine Leute auszankt ; ich hör ’ s bis in meine Küche . Aber am Zanken hat der auch noch lange nicht genug , Blut muß er sehen ; Sie können mir ’ s glauben , der hat nur deswegen im vorigen Jahr den Krieg mitgemacht – Sauer meint ’ s auch . “ „ Nun , da mag er doch wohl andere Gründe gehabthaben , “ sagte die Hofrätin . „ Er ist ja selbst bei Oeversee verwundet worden und soll in einem sehr elenden Zustand wieder hierhergekommen sein … Uebrigens , Dorte , “ fügte sie streng hinzu , „ der heutige Zank zwischen Dir und Sauer ist eine gerechte Strafe für euch Beide gewesen . Wie oft soll ich denn wiederholen , daß ihr euch durchaus nicht um das kümmern sollt , was drüben vorgeht ? “ Dorte meinte niedergeschlagen , man könne doch nicht immer Baumwolle in die Ohren stecken , und entfernte sich . [ 449 ] Später ging die Hofrätin in die Stadt , um einen Krankenbesuch zu machen . Lilli benutzte diese Gelegenheit und durchstreifte Haus und Garten ; sie suchte auch den Pavillon wieder auf . Ein Glück , daß Tante Bärbchen ihren Morgenspaziergang auf den Kiesweg drüben beschränkt hatte , denn die Pavillontür stand noch weit offen , und offene Türen und Fenster während der Nacht waren der Hofrätin ein Gräuel . Lilli öffnete die Jalousieen der zwei Fenster , die nach Tante Bärbchens Garten gingen . Das helle Licht fiel auf die trauten Wände und Gerätschaften ; Alles stand noch unverrückt an seinem Platze , nichts schien berührt worden zu sein während der dreijährigen Abwesenheit des jungen Mädchens . Während ihres letzten Aufenthaltes bei Tante Bärbchen hatte Lilli noch sehr fleißig mit ihren Puppen gespielt . Am Tage vor ihrer damaligen Rückreise nach der Heimat waren sämmtliche Bewohner der großen Puppenstube festlich geschmückt worden , denn es handelte sich um eine Abschiedsfête . Da saßen sie noch mit steif ausgestreckten Armen , mühsam in eine sitzende Stellung gezwängt , um den großen , runden Tisch – eine kurzweilige Gesellschaft . Ein großer Hanswurst kauerte trübselig und aus dem kaffeetrinkenden Damenkreise verbannt in einer Ecke des Pavillons , und das dicke Wickelkind in der Wiege wartete noch ebenso hülfsbedürftig , wie damals , auf pflegende Hände . Das junge Mädchen fühlte sich plötzlich der Gegenwart entrückt . Sie kauerte vor dem Puppenzimmer auf dem Boden nieder und vergegenwärtigte sich lächelnd , was Alles sie diese kleinen , hohlköpfigen Wesen hatte denken und erleben lassen . Sie hatte in der Zwischenzeit lernen , entsetzlich viel lernen müssen , um ihren Geist auszubilden , aber ihr Empfinden war dasselbe geblieben . Und da standen auch noch alle die alten Möbel , die sie so lieb hatte . Sie stammten aus jener Zeit , wo die Mitglieder der zwei Familien sich hier einträchtig versammelt hatten . An den Wänden hingen Oelbilder , sämmtlich von Erich Dorn , Tante Bärbchens Großvater , gemalt . Sie verrieten ein sehr mittelmäßiges Talent und in ihren Motiven das umdüsterte Gemüt des Malers . Er hatte sich vorzugsweise in der Darstellung dunkler , grauenhafter Momente aus der