, in der einlullenden Waldstille gleichsam zu versinken . Er hatte einen ganz besonderen Lieblingsaufenthalt im Hirschwinkel für sich entdeckt ; das war das kleine Häuschen , das sich auf der nordwestlichen Ecke der Gartenmauer erhob . Von achteckiger Form , gestattete es durch zwei Fenster und ebensoviel Glastüren einen Ausblick nach allen Himmelsrichtungen . Die Innenwände waren mit verblichenen Frucht- und Blumenstücken auf grauem Grunde bemalt ; ein kleines , weiches Ecksofa hinter einem runden Tischchen , einige Rohrstühle und ein Bücherbrett über dem Sofa bildeten die Einrichtung , und hinter den oberen Scheiben der Fenster und Glastüren hingen Bogenvorhänge von Purpurkattun , welche das Stübchen mit einem magischen Schein füllten . Vor der einen Glastür , nach der Westseite zu , zog sich ein schmaler Austritt mit hölzernem Geländer hin , und – das war es hauptsächlich , was dem neuen Besitzer diesen Aufenthalt so reizvoll machte – von da führte eine kleine Treppe direkt in das freie Feld außerhalb des Gartens hinab . Nur ein schmaler Rasenstreifen lief hier draußen die Mauer entlang ; darüber her wehten schon die nickenden Halme des nächsten Kornfeldes . Herr Markus saß am Morgen des vierten Tages nach seiner Ankunft in dem Gartenhäuschen auf der Mauer und schrieb . Er hatte mit einer Anzahl auserlesener Werke aus der » Bücherstube « , allerhand Schreibgerät und einigen Zigarrenkistchen die kleine Stube noch behaglicher eingerichtet ... Nun hatte er sich eine Zigarre angebrannt , und die blauen Wölkchen vertrieben die Kamillen- und Lavendeldüfte , welche die Morgenluft aus dem Kräutergarten der Frau Oberforstmeisterin hereinwehte . – Er saß im Ecksofa , der Balkontür gegenüber . Sobald er aufblickte , übersah er durch die Glasscheiben den Weg , der , vor dem Gutshause hinlaufend , in fast schnurgerader Linie die Felder durchschnitt und erst weit drüben von dem beginnenden Waldschatten aufgenommen wurde . Nur einmal zweigte sich eine schmale Pfadlinie rechts ab , um hinter einem kleinen Fichtengehölz weg nach dem Vorwerk zu laufen . Auf diesem Fußweg daherkommend , trat plötzlich ein weibliches Wesen in seinen Gesichtskreis – es war die Magd vom Vorwerk . Er erkannte sie sofort an Gang und Haltung , wenn auch heute außer dem großen weißen Kopftuch – von Frau Griebel zornmütig » Scheuleder « genannt – noch ein breitrandiger Strohhut ihr Gesicht beschattete . Sie ging langsam mit gesenktem Kopf ; in der Linken trug sie einen Rechen und ließ im Vorüberwandeln die grünen Kornähren durch die Finger der rechten Hand laufen . Wie auf Goldgrund hob sich das Mädchen aus der sonnenhellen , einsamen Landschaft ... Sie war offenbar im Begriff , auf der entfernt gelegenen Wiese , wo sie vor einigen Tagen gemäht hatte , das Heu zu wenden . Er sah sie näher und näher kommen – sie hatte sichtlich keine Ahnung , daß in dem Gartenhäuschen , an welchem sie wohl oft vorüber mußte , ein Beobachter jeder ihrer Bewegungen unverwandten Blickes folgte ... Herr Markus hatte nicht mehr an das Mädchen gedacht , das ihm die verlangte Hilfe auf der Brücke nur mit Widerwillen gewährt ; jetzt aber fiel ihm die knappe und schroffe Art und Weise , mit welcher sie ihn abgefertigt hatte , wieder ein – er mußte lachen , und es reizte ihn , mit der Spröden noch einmal anzubinden . Er erhob sich und trat an die Tür , während sie , der Mauerecke nahe , plötzlich halt machte und einen Brief aus der Tasche zog . Es schien , als spähe sie nach irgendeinem dienstbaren Geist des Gutes aus ; aber vor dem Hause und an den Fenstern desselben rührte und regte sich nichts . Sie betrat deshalb kurz entschlossen den Rasenstreifen , der die westliche Gartenmauer entlang lief , jedenfalls um zu den Hintergebäuden zu gelängen , wo die Mägde in den Ställen zu finden waren . In diesem Augenblick kam Herr Markus auf den Balkon heraus ; er stieg rasch das Treppchen hinab und vertrat ihr auf diese Weise den Weg . Sie schrak zusammen , als habe sich die Erde vor ihr aufgetan , und ließ vor Bestürzung den Rechen fallen . » Der Brief ist doch wohl für jemand auf dem Gute bestimmt – gib ihn mir , ich will ihn bestellen ! « sagte er lächelnd , indem er die Hand nach dem schmalen Umschlag ausstreckte . Stumm reichte sie ihm den Brief hin . » Was der Tausend – er ist ja für mich ! « rief er mit einem Blick auf die Aufschrift . » Von wem ? « Sie bückte sich und nahm den Rechen auf . » Von deinem Herrn doch nicht ? « forschte er weiter , da die Antwort nicht sofort erfolgte . » Ja , vom Amtmann , « bestätigte sie jetzt in der fast ängstlich knappen Redeweise , die er bereits an ihr kannte . Er wiegte lächelnd den Kopf . » Sieh , sieh , was der alte Herr für eine zierliche Damenhand schreibt ! « » Das ist nicht seine Schrift – er leidet an Augenschwäche – « » Ach so , da hat er diktiert , und eine seiner Damen – wie ich vermute , das Fräulein Erzieherin – hat nachgeschrieben . « Er hielt die Aufschrift prüfend von sich ab . » Schöne , schlanke Züge , auf schneeweißem Papier , wie es sich für eine Dame gehört , die mit Küchengerät und Staubtuch rein gar nichts zu schaffen hat . « – Sie warf den Kopf auf , und er hoffte schon auf eine schneidige Antwort ; aber umsonst , sie senkte das Kinn wieder auf die Brust und schwieg . » Du bist wohl für deine junge Dame sehr eingenommen ? « fragte er , seine brennende Zigarre wieder zum Munde führend . » Ich glaube nicht ! « versetzte sie und trat ein wenig zurück , als wolle sie den blauen Duftringeln ausweichen , die ihren Kopf plötzlich umschleierten . Lächerlich ! Das Mädchen da , das