er ist Dein Freund . “ „ Wolltest fürderhin freundlicher sein zu ihm , “ bat ich und setzte mich zu ihr auf das gepolsterte Bänklein . Sie neigte gewährend das Haupt , aber ihr Mund blieb stumm , und die Augen blieben gesenket . „ Der weiße Falk , Friederike , er gefällt Dir ? “ begann ich ; ich wollt ' ihr den Vogel schenken , an dem sie eine Freude hatte ; ich sehnete mich nach einem Lächeln von ihr , seit ich wußte , daß sie lächeln konnte . Sie schlug überrascht die Augen auf . „ Ich hatt ' einen solchen daheim , “ sagte sie leise . Dann stand sie eilig auf . „ Es ist Mitternacht vorüber , und Du gehst früh in den Wald . “ Mir lag das Herz auf der Zunge ; ich hätt ' so gern ihr schmales Händlein erfasset und ihr gesagt : „ Warum bist Du so kalt , und warum spielet nicht ein einzig Mal ein Lachen um Deinen Mund , wenn Du bei mir bist ? Und ich weiß doch nun , wie hold Deine Lippen lächeln , Deine Augen strahlen können , wie ruhig Du zu erzählen vermagst ! Sage mir , was Dir fehlet ! Ich will Alles , Alles schaffen ; nur sieh ' mich einmal gütig an ! “ – Aber ich blieb stumm ; ich verstund eben nicht zu sprechen . O , daß ich nicht geschwiegen hätte , vielleicht wär ' doch noch Alles gut geworden ! Ihr Lachen aber verfolgete mich im Traum und im Wachen , und immer meinte ich , das silberne Getön zu hören und die süßen Worte „ Rupf ' an , mein Vöglein , rupf ' an , Du trotziger Gesell ! “ Ich mocht ' den Vogel nicht mehr leiden seit jenem Tage . Johannes , die Feder sträubt sich , das niederzuschreiben , was nun gekommen ; ich will es rasch zu Ende bringen . Prinz Christian kehrete täglich im rothen Hause an – wunderst Du Dich ? Es war ja ohnedem auch kein Tag vergangen , an dem wir uns nicht gesehen . Mitunter fund ich sie beisammen , im Schein der Abendsonne mir entgegenschreitend , oder er saß ihr genüber im Gemach , wenn draußen Regenwolken über den Wald schauerten , und sah , wie sie spann , aber lachen hört ' ich sie nie wieder , wie an jenem Abend . Sie war auch wieder bleich , noch bleicher fast , denn zuvor , und stiller , aber ein unruhig Wesen war über sie gekommen ; nur secundenlang weilte ein purpurn Roth auf ihren Wangen . Einmal aber , da ich erst spät nach Hause kehrte , dieweilen mich eine halbe Mondennacht auf dem Anstande gehalten , und mich nun leise in mein Gemach stahl , ihren Schlummer nicht zu stören , trat sie bald darauf zu mir ein , rascher als ich es sonsten gewöhnt war von ihr , und da ich ihr „ guten Abend ! “ bot , merkete ich , daß sie geweint hatte und daß sie es gleichfalls zu verbergen trachtete . Ich sagte daher nichts davon , und fragete nur so nebenher , ob Prinz Christian hier gewesen ? Da veränderte sich ihr Gesicht , und ein glänzend Roth flog darüber . „ Er ist erst eben heimgeritten “ antwortete sie , „ es sollt ' mich Wunder nehmen , so Du ihn nicht getroffen auf dem Wege . “ „ Ich bin aus den Reindorfer Buchen gekommen , “ gab ich zurücke . „ Ich meine , Du lässest Deinen Freund oftmalen vergeblich harren , “ sprach sie dann , und ihre Stimme klang verschleiert , als ob das Herz ihr stürmisch poche . „ Ei , trifft er doch meine Frau Liebste , so meine Stelle vertritt , “ scherzte ich und schlang meinen Arm um sie ; „ oder meinst Du nicht , Friederike , daß ihm solche Vertretung gar angenehm ist ? “ Aber ihr Gesicht blieb weiß ; sie wand sich aus meinen Armen und schritt hinaus , und ich wußt ' mir nicht zu erklären , was ihr räthselhaft Wesen bedeuten solle . Ein paar Male auch fand ich sie eingeschlossen in ihrem Stüblein , und da ich mich wunderte und sie neckte , sie habe wohl Angst vor Räubern und Dieben , und ob ich ihr solle eine gute Büchse zum Troste reichen , lachte sie auf und sagte seltsam betonend : „ Ei freilich , meine thörichte Angst , was sollt ' hier auch sein , das sich der Mühe verlohnte zu stehlen ? “ Ich nahm dies als ein Zeichen fröhlicher Laune ; wie hätt ich auch ahnden können , was für ein Sinn sich hinter diesen Worten barg ? Ich plumper Gesell , dem nur eine ehrliche Sprache verständlich war . – Und da – ja , genau weiß ich nicht mehr zu berichten , wie es war an diesem grauenvollen Tage – ich mußt ' frühe fort ; denn Serenissimus hatt ' etliche vornehme Gäste invitiret auf eine Schweinshatz , und ich mußt ' sorgen , die Garne und Lappen zu stellen und die Leute zu ordnen , doppelt sorgsam heut , dieweilen auch die hochfürstlichen Damen die Jagd mit ihrer Gegenwart zu beehren gedachten ; ich vermißte auch während der Hatz Prinz Christian nicht , der sonsten niemalen gefehlet ; ich that Alles rein aus Gewohnheit ab , da meine Gedanken bei Friederiken waren , hatte gemeint in der Nacht ein leises Weinen von ihr zu hören , konnte mir aber nicht klar werden , ob es im Traum oder Wachen gewesen . Wurde auch ein Keiler , nachdem er etliche Hunde darnieder geschlagen , im Garn gefangen , und ihm von dem fremden Prinzen der Fang gegeben , und fuhren die Herrschaften bald nachher zum Jagdschmaus auf das Schloß Elchsburg . Mich aber hatte plötzlich eine Angst erfaßt ,