unsere Gelder auf der Sparkasse angreifen müssen . Ob Mama sie Dir im November wieder wird geben können , ob überhaupt ? – Wir wollen alles thun , daß es möglich werde , aber bitte , behilf Dich vorläufig ! Wenn wir eine Freistelle für Ottilie in Halle erlangen können , geht es vielleicht . – Mir ist der Kopf so schwer . – Schreibe ein paar freundliche Worte an Mama , die sie trösten , sie beruhigen ! Wegen des Zuschusses sage ihr , daß Du ihn nicht so notwendig brauchst – auch wenn ’ s nicht wahr ist , ich weiß ja , daß Du darauf wartest … aber – ach , es ist schrecklich ! Ich grüße Dich herzlich . In Trauer Deine Schwester Hede . “ Der junge Mann löschte plötzlich die Lampe aus ; totenstill und dunkel ward es im Zimmer , nichts als ein unheimliches Sausen , ein schrilles Pfeifen draußen im Wald . Das war der Herbststurm , der sich aufgemacht hatte , und nun klatschten die Regenstrahlen gegen die Fenster , ein Wetter , wie es der wilde Jäger mit sich bringt , wenn er durch die Lüfte jagt . Und Heinz Kerkow lachte plötzlich auf , kurz , höhnisch . Kannst dir gratulieren , Aenne , daß du den Kerl mit den leeren Taschen los bist ! Heute mittag hing ’ s an einem Haare , und er hätte dir den Schwur der Liebe von den Lippen geküßt – – . Aenne , reizende kleine Aenne , du wirst ihn bald vergessen haben und er – heiratet eine andere , was bleibt ihm denn sonst übrig ! Man will doch nicht verhungern , man kann doch seine Familie nicht verkommen lassen ! Ja , wenn man arbeiten könnte mit den zwei starken Armen , wie ein Knecht wollte ich leben , um zu sparen für dich , Aenne , und die anderen ; das wäre doch noch etwas , aber so ! Die alte Frau stürbe , zöge ich den bunten Rock aus ; und wenn auch nicht – bis ich sie ernähren kann als verabschiedeter Offizier , bis dahin wäre sie verhungert , und die Schwester mit , und du , kleine sonnige Aenne , wärst alt , grau und verbittert geworden . Also vorwärts ! Leb ’ wohl , Aenne , vielleicht dereinst erfährst du noch ’ mal , daß ich dich sehr , sehr lieb gehabt habe ! Und jetzt lachte er nicht mehr . Er hatte den Kopf mit dem Kraushaar auf seinen Arm gelegt und – gottlob , daß es dunkel war und daß der Sturm so heulte . Heinz von Kerkow wollte doch selbst nicht hören und sehen , daß er weinte , bitterlich weinte um die Misere seines Lebens , um seine verlorene Liebe . [ 037 ] Am andern Morgen , als die Frau Oberhofmeisterin von der Andacht aus den Zimmern der Herzogin zurückkehrte , fand sie ein Briefchen von ihrem Neffen auf dem Schreibtische liegen . Der kurze Inhalt war . „ Wann kann ich Dich sprechen ? “ Die Tante ließ antworten : „ Sofort ! “ Er kam auch wirklich bald . Frau von Gruber , die im Erker saß und sich damit beschäftigte , eine Liste durchzusehen , welche die Namen der um Weihnacht zu berücksichtigenden städtischen Anstalten enthielt , sah ganz entsetzt den blassen , ernsthaften Mann an , in den sich über Nacht der übermütige junge Offizier verwandelt hatte . „ Aber , Junge , wie siehst du aus ? “ stammelte sie . Er machte eine abwehrende Bewegung mit seiner Rechten und setzte sich ihr gegenüber . Der falbe Tagesschein ließ die Veränderndem in seinem Gesicht noch schärfer hervortreten . Unwillkürlich nahm die alte Dame seine Hand , die ungeduldig auf dem Tischchen trommelte , zärtlich in die ihre . „ Heinz , du weißt ja , ich habe selbst nicht viel , aber wenn ich augenblicklich dir aushelfen kann – bitte , sag ’ s mir . Du möchtest vielleicht etwas nach Hause schicken oder gar selbst hinreisen ? – Wie ? “ „ Du triffst den Nagel immer aus den Kopf , Tante ! Ich nehme dein Anerbieten an . “ erwiderte er . Es war , als ob jeder Klang aus seiner Stimme gewichen sei . „ Nicht nur wegen zu Hause , “ fuhr er fort , „ aber weißt du , es ist auch nicht angenehm , wenn man ohne einen Dreier in der Tasche auf Freiersfüßen [ 038 ] gehen soll . Sag ’ mal – wieviel hat sie nun denn eigentlich geerbt ? Aber – laß das nur , es kommt auf ein bißchen mehr oder weniger nicht an , meinen Kaufpreis mag ich auch gar nicht wissen , ich könnte am Ende , arrogant wie ich bin , herausfinden , daß ich mehr wert bin als ihre lumpigen paar Tausend ! “ Frau von Gruber war jäh aufgestanden . „ Heinz , “ stieß sie zürnend hervor , „ ich habe dich immer als einen zartfühlenden , delikaten Menschen gekannt , aber – – “ „ Lieber Himmel , Tante , ereifere dich doch nicht ! Ich bin mit dem besten Willen nicht imstande , Hokuspokus dir gegenüber zu machen um diese Sache , die doch ganz und gar nach deinem Herzen ist , sogar ein Lieblingswunsch von dir – das weißt du wohl besser als ich . Nun könnte ich ja uns beiden allerhand vorlügen , um die Geschichte ansehnlicher zu machen , aber , siehst du , es geht nicht , noch nicht , ich muß mich erst daran gewöhnen , diese Komödie zu spielen – – sieh nur nicht so entsetzt aus ! Du weißt ja , Tante , daß die Heirat nach Geld jetzt eine Existenzfrage geworden ist – und zwar nicht um meinetwillen . Weiß Gott , stünde ich allein , morgen wäre ich weit fort von hier , irgendwo in der Welt