von seiner hochseligen Mutter « gebornen » lieben kleinen Prinzen « aufs schmählichste dethronisieren wollte , rasch aber übersah er die Lächerlichkeit solcher Idee , wies also lieber , um doch wenigstens etwas zu tun , auf das eben sichtbar werdende grüne Kuppeldach des Charlottenburger Schlosses hin und bog im nächsten Augenblick in die große , mit alten Linden bepflanzte Dorfgasse von Tempelhof ein . Gleich das zweite Haus war ein Gasthaus . Er gab dem Groom die Zügel und sprang ab , um den Damen beim Aussteigen behilflich zu sein . Aber nur Frau von Carayon und Victoire nahmen die Hilfe dankbar an , während Tante Marguerite verbindlich ablehnte , » weil sie gefunden habe , daß man sich auf seinen eigenen Händen immer am besten verlassen könne « . Der schöne Tag hatte viele Gäste hinausgelockt , und der von einem Staketenzaun eingefaßte Vorplatz war denn auch an allen seinen Tischen besetzt . Das gab eine kleine Verlegenheit . Als man aber eben schlüssig geworden war , in dem Hintergarten , unter einem halboffenen Kegelbahnhäuschen , den Kaffee zu nehmen , ward einer der Ecktische frei , so daß man in Front des Hauses , mit dem Blick auf die Dorfstraße , verbleiben konnte . Das geschah denn auch , und es traf sich , daß es der hübscheste Tisch war . Aus seiner Mitte wuchs ein Ahorn auf , und wenn es auch , ein paar Spitzen abgerechnet , ihm vorläufig noch an allem Laubschmucke fehlte , so saßen doch schon die Vögel in seinen Zweigen und zwitscherten . Und nicht das bloß sah man : Equipagen hielten in der Mitte der Dorfstraße , die Stadtkutscher plauderten , und Bauern und Knechte , die mit Pflug und Egge vom Felde hereinkamen , zogen an der Wagenreihe vorüber . Zuletzt kam eine Herde , die der Schäferspitz von rechts und links her zusammenhielt , und dazwischen hörte man die Betglocke , die läutete . Denn es war eben die sechste Stunde . Die Carayons , so verwöhnte Stadtkinder sie waren , oder vielleicht auch weil sie ' s waren , enthusiasmierten sich über all und jedes und jubelten , als Schach einen Abendspaziergang in die Tempelhofer Kirche zur Sprache brachte . Sonnenuntergang sei die schönste Stunde . Tante Marguerite freilich , die sich » vor dem unvernünftigen Viehe « fürchtete , wäre lieber am Kaffeetische zurückgeblieben , als ihr aber der zu weiterer Beruhigung herbeigerufene Wirt aufs eindringlichste versichert hatte , » daß sie sich um den Bullen nicht zu fürchten brauche « , nahm sie Victoirens Arm und trat mit dieser auf die Dorfstraße hinaus , während Schach und Frau von Carayon folgten . Alles , was noch an dem Staketenzaune saß , sah ihnen nach . » Es ist nichts so fein gesponnen « , sagte Frau von Carayon und lachte . Schach sah sie fragend an . » Ja , lieber Freund , ich weiß alles . Und niemand Geringeres als Tante Marguerite hat uns heute mittag davon erzählt . « » Wovon ? « » Von der Serenade . Die Carolath ist eine Dame von Welt , und vor allem eine Fürstin . Und Sie wissen doch , was Ihnen nachgesagt wird , › daß Sie der garstigsten princesse vor der schönsten bourgeoise den Vorzug geben würden ‹ . Jeder garstigen Prinzeß , sag ich . Aber zum Überfluß ist die Carolath auch noch schön . Un teint de lis et de rose . Sie werden mich eifersüchtig machen . « Schach küßte der schönen Frau die Hand . » Tante Marguerite hat Ihnen richtig berichtet , und Sie sollen nun alles hören . Auch das Kleinste . Denn wenn es mir , wie zugestanden , eine Freude gewährt , einen solchen Abend unter meinen Erlebnissen zu haben , so gewährt es mir doch eine noch größere Freude , mit meiner schönen Freundin darüber plaudern zu können . Ihre Pläsanterien , die so kritisch und doch zugleich so voll guten Herzens sind , machen mir erst alles lieb und wert . Lächeln Sie nicht . Ach , daß ich Ihnen alles sagen könnte . Teure Josephine , Sie sind mir das Ideal einer Frau : klug und doch ohne Gelehrsamkeit und Dünkel , espritvoll und doch ohne Mokanterie . Die Huldigungen , die mein Herz darbringt , gelten nach wie vor nur Ihnen , Ihnen , der Liebenswürdigsten und Besten . Und das ist Ihr höchster Reiz , meine teure Freundin , daß Sie nicht einmal wissen , wie gut Sie sind und welch stille Macht Sie über mich üben . « Er hatte fast mit Bewegung gesprochen , und das Auge der schönen Frau leuchtete , während ihre Hand in der seinen zitterte . Rasch aber nahm sie den scherzhaften Ton wieder auf und sagte : » Wie gut Sie zu sprechen verstehen . Wissen Sie wohl , so gut spricht man nur aus der Verschuldung heraus . « » Oder aus dem Herzen . Aber lassen wir ' s bei der Verschuldung , die nach Sühne verlangt . Und zunächst nach Beichte . Deshalb kam ich gestern . Ich hatte vergessen , daß Ihr Empfangsabend war , und erschrak fast , als ich Bülow sah und diesen aufgedunsenen Roturier , den Sander . Wie kommt er nur in Ihre Gesellschaft ? « » Er ist der Schatten Bülows . « » Ein sonderbarer Schatten , der dreimal schwerer wiegt als der Gegenstand , der ihn wirft . Ein wahres Mammut . Nur seine Frau soll ihn noch übertreffen , weshalb ich neulich spöttisch erzählen hörte , › Sander , wenn er seine Brunnenpromenade vorhabe , gehe nur dreimal um seine Frau herum ‹ . Und dieser Mann Bülows Schatten ! Wenn Sie lieber sagten , sein Sancho Pansa ... « » So nehmen Sie Bülow selbst als Don Quixote ? « » Ja , meine Gnädigste ... Sie wissen , daß es mir im allgemeinen widersteht , zu medisieren , aber dies