fühlte mein kniffliches altes Ich vergehen und löste mich in eine unendliche , von keiner bewußten Einheit zusammengehaltene Empfindlichkeit für das heftige selbstische Leben ringsherum auf . Weise wie ein alter Inder in die Einzelheit verloren , dem Ursein gewonnen , sah ich mit tausend Augen und verfing mich mit tausend Sinnen , die Gott besaß - und während all dieser Augenblicke wurde ich elend von Langeweile geplagt . Der Müßiggang lag mir in allen Gliedern . Die Folge war , daß ich schlecht schlief . Wir landeten tagsüber nur , wenn es galt , Mahlzeit zu nehmen , oder wenn wir vom Boot aus einen Vogel , der sich nur sehr selten einmal auffällig dem Visier bot und dann starr und farbenprächtig wie ein uralter Giftschwamm zwischen dem Laub saß , geschossen hatten . Des bloßen wohltuenden Lärmes halber durften wir unsere Munition nicht vergeuden , denn vor uns lag noch die ganze ungewisse Expedition , vielleicht manches Zusammentreffen mit Mensch und Tier , deren gefälligen Benehmens wir nicht sicher waren . Darum sparten wir unsere Jagdlust und unser Pulver und verzichteten auf einen Grund , ans Land zu gehen und uns Bewegung zu machen . So wie die Sonne aber nicht mehr aufs Wasser selber schien , sondern die Waldspitzen in schrägem und scharfem Schnitt mit Kupferflammen entfachte , fingen wir an , die Ufer nach einem Lagerplatz abzusuchen . Der Instinkt der Indianer gab den Ausschlag . In diesen zehn Minuten , da die Sonne uns geradezu auf und davon lief , ging im Wald eine Veränderung vor sich . Hätten wir nicht selbst auf den flinken Einbruch der Nacht gewartet , die ozeangleiche Bewegung , die jetzt auf allen Seiten entstand , hätte uns allein als Signal dienen müssen . Im Laube rauschte es , das Rascheln pflanzte sich fort , siedendes Leben ergoß sich vom Tag zur Nacht , ein Heer von Schlangen schien auf dem Marsche ; mißtönende Vogelstimmen schrien wie weinende Hunde durcheinander , verehrten und befehdeten sich mit köterigen Lauten . Mit einem Male zeigte es sich , daß ein eminentes Leben da war , daß die trügerische Stille eine wimmelnde Fülle tierischer Wesen geborgen haben mußte . Affennationen begannen zu hadern und zu keifen , brachen in die Haine eines fremden Stammes ein , zerknackten mutwillig die dürren Zweige . Vögel erhoben sich schlupfend zu einem kleinen Fluge über den Laubozean , um sich einmal kräftig von den Anstrengungen der Diskretion , die tagsüber in ihrem Beginnen wartete , zu erholen ; war es Hohn , eine Manier der Genugtuung , als sie jetzt in einen fürchterlichen Skandal zusammenstimmten : eins war sicher , aus dem ganzen Phantom von prächtigen intensiven Farben , aus dieser ganzen aufreizenden Explosion einer Malerpalette drang kein einziger sympathischer Laut . Unten am Boden aber zogen die Echsen und Reptile los , ein widerliches Schleichen von tausend Leibern , die von warmen Sitzungen in Sonnenflecken sich zu vertrackten Löchern durchbohrten , behelligte das Ohr und wirkte bis in die Zähne : eine Vorstellung von kalten Muskelwesen , die an rissigem Holze entlang emporkrochen , bot sich an . - Da sank die Sonne , und schon hatte auch das Manöver geendet . Hin und wieder plumpste ein Katzenleib dumpf auf den Boden ; hinter dem Feuerkranz , der uns gegen das Land und den Djungle hin abschloß , fauchte es ärgerlich . Ein Puma krakeelte in langen Arien . Sonst war es still , wieder still , nicht ganz so still wie am Tage , aber doch still . Das Glucksen und Schluchzen des Wassers war deutlicher hörbar . Und zwischen dem Spalt überm Flusse stand der Himmel in weißer atmender Glut ; eine Sternschnuppe fiel , sauste in der Nähe nieder , links da brach sie ein , man hält den Atem an - wird sie im tintenschwarzen Wasser verzischen ? Am Morgen , eine Viertelstunde vor Sonnenaufgang etwa , wird uns das gleiche Theater wecken ; der ganze Wald schlägt dann Reveille . Bis dahin können wir ungestört schlafen . Zur Feuerwacht aber wechseln immer je drei ab während der zwölfstündigen Finsternis . Der , an dem gerade die Reihe ist , kann allerlei Beobachtungen machen . Er kann auf die Töne des Urwalds lauschen ; es wird sich herausstellen , daß gewisse Geräusche immer wieder nach denselben Intervallen auftauchen . Ein bestimmter Rhythmus beherrscht alle Äußerungen dieses wilden Lebens . Ein Raunen hebt sich , schwillt ab . Eine große Brust atmet , ein geräumiges Schnarchen rollt vage in das blaue Fieber des Sternenraumes hinaus . Pan liegt am Rücken , er verschnauft und träumt lebhaft . Wer ist dieser Pan ? Ist er ein Wilder , ein Indianer , ein griechischer Literat aus einem sokratischen Kaffeehause und mit einem Nasenfehler ? Es fällt mir auf , daß von den sechs Schläfern zu meinen Füßen ein vereinzeltes Schnarchen ertönt . Ich muß doch nachsehen - es ist der Holländer . Er liegt schwer am Rücken . Ich sehe zu den Indianern hinüber , diese krümmen sich auf den Bauch , auf ihre Lenden und Schulterknochen . Zorre , der Fünfziger , liegt auf der Seite . Er allein atmet unrein , die Luft bricht sich an seinen alten Knorpeln , seine Organe sind nicht mehr glatt und geschmeidig . Die andern mit ihren schmächtigen und zähen Gestalten liegen da wie große Kinder , und so wie sie sich ausgerenkt und verdreht an die wohltuende Lagerstatt drücken , sehen selbst ihre männlichen Formen noch kindhaft aus . Ihre Beine sind von der erlesensten Magerheit , dünn , unbehaart , kupfern ; nicht weit unter der Kniekehle haftet eine wunderschöne Muskelschnecke . Eine Prima-Ballerine her , sie möge Fußpflege lernen ! Um wieviel gebrechlicher mögen diese Gelenke sein als das Schock Laternenpfähle von der Wiener Hofoper ! Und doch tragen ihre Besitzer , wenn ' s sein muß , kleine Berge . Wenn nun alle Knöchelchen und Wirbel so zierlich sind , dann muß freilich