und weißen und grün und weißen Bogen , mit den feierlichen Aufdrucken von Zahlen , imposanten Schuldtiteln , faksimilierten Unterschriften - Staatspapiere waren es - Preußische Konsols . - Seither hatte Sophie sie gezählt - es waren einundachtzigtausend Mark , in Stücken von fünf- , zwei- und eintausend Mark . Wahrscheinlich , nein gewiß , ein Teil seines eigenen , vor der Frau verheimlichten Vermögens ... Was hatte Sophie alles gedacht seit dieser Entdeckung ! Welche Möglichkeiten erwogen ! Die Mappe zu seinem Bankier bringen ? Sophie kannte nicht den Namen der Firma , deren er sich in der letzten Zeit bedient hatte . Sie erinnerte sich : er sprach zuweilen davon , daß er seinen Bankier gewechselt habe . Wie nun in dem ungeheuren Berlin die große Bank oder die Bankierfirma herausfinden , die gerade eine Zahlung von 81 000 Mark vom Geheimrat Rositz zu erwarten gehabt hatte ? Aber vielleicht hatte niemand eine Zahlung erwartet . Vielleicht hatte er nur irgendwo ein Depot erhoben , um es an irgendeiner anderen Stelle neu verwahren zu lassen . Fällige Zahlungen läßt man doch überweisen . Wie unbegreiflich und rätselvoll erscheinen Handlungen , wenn ihr Ablauf und Fortgang unterbrochen wird . Sophie sah ein , sie würde niemals erfahren , wohin er diese Mappe hatte tragen wollen , und auch nicht , wo er den Inhalt entnommen . In welche Hände sollte Sophie nun den Nachlaß legen ? Wie erklären , daß er in ihrer Verwahrung sich befand ? Wie überhaupt beweisen , daß diese Papiere des Verstorbenen Eigentum gewesen seien ? Und wie weiter , daß der Inhalt der Mappe unberührt sei ? Sophie erglühte und zitterte , als habe sie Unredlichkeiten begangen . - - Wie nah sie dem Toten gestanden , so nah , daß er ihr unverschlossen ein Vermögen zum Aufbewahren gab - das mußte sie nun erzählen - einem Anwalt , oder einer Bankierfirma , oder seiner Frau ... Welchen unaussprechlich peinlichen oder vielleicht erniedrigenden Erörterungen setzte sie sich aus ! Sie mußte von dem ernsten , weihevollen und adligen Bund sprechen , der ihre Seele mit der seinen verbunden hatte . - All dies der Entweihung , der Mißdeutung preisgeben . Und inmitten dieser furchtsamen und ratlosen Gedanken befiel sie die Erinnerung : er bot ihr Geld für Allert an ; ganz gewiß hatte er dabei gerade dieses Geld gemeint - er drang es ihr förmlich auf - er wäre glücklich gewesen , ihren Sohn fördern zu dürfen ! Sie brach in Tränen aus . Und ein bitteres Lächeln über die grausamen Ironien des Lebens ging ihr dabei um den Mund . » Hätte ich ja gesagt ! « Dann war dieses Geld fortab einem Zweck zugewandt , der ihn freute und ihrem Sohn Segen brachte . Während jetzt ? - - Wie rasch würde die Frau es vertun , in deren Hände es fiel . - - Ob er wohl auf dem Krankenbett an die Mappe und ihren Inhalt dachte ? Oder ob das jähe Elend , das ihn rasch befiel und schnell ganz hinwarf , ihm alle Gedanken genommen hatte ? Wenn die Sterbenden immer wüßten , daß sie an der letzten Schwelle stehen ! Mit aller Kraft würden sie sich noch einmal umwenden , und ihre deutende Hand würde noch zeigen : so soll mein Nachlaß geordnet werden ! Und sie wußte es in heiliger Gewißheit : diese Mappe mit dem wertvollen Inhalt würde er für sie bestimmt haben . - - Solange man ihm noch nicht die Ehren der Begräbnisfeier erwiesen , eilte ja nichts , Sophie fühlte , alles durfte ruhen . Aber nun war es vorbei . Die schonende Stille , die Gnadenfrist für das verwundete Gemüt war zu Ende : es hieß , sich wieder dem Leben aussetzen und seinen Rauheiten . Auch in seinem Hause würde neue Lebendigkeit einsetzen - jener grausame Betrieb mußte dort nun beginnen , der selbst dort , wo Liebe wohnt , unvermeidlich ist . - Und bei ihm und den Seinen hatte keine Liebe gewohnt . Mit harten und gleichgültigen Händen würde in seinem persönlichsten Nachlaß gewühlt werden - in seinen Schränken , seinem Schreibtisch . - Und jetzt erst , jetzt fielen Sophie ihre Briefe an ihn ein . Wenn er auf Reisen war , schrieben sie sich ; aber auch hier in Berlin flog manchmal ein Blättchen hin und her , wenn sie verhindert waren , sich zu sehen . Sophie dachte nach , bemühte sich , das in Ruhe zu tun . - Draußen fiel der Schnee voll Gelassenheit und sehr dicht vom Himmel - das gab solche wunderbare Lautlosigkeit - spann ein - wies nach innen . Sie konnte ohne Erröten an ihre Briefe denken ; nichts war darin als die Würde und Tiefe eines seltenen seelischen Verstehens . Und wahrscheinlich erriet nie ein Mensch , von welcher Frau sie kamen . Ein S. zeichnete sie - vielleicht kam hier und da ein Name vor - aus der großen , so unendlich verzweigten Welt , darin sie gelebt hatten - aber eben weil diese Welt so groß , so konventionell , so unübersehbar und hinter all ihren Formen und Verknüpfungen so undurchdringlich war - eben deshalb würde seine Frau , wenn sie auch die Briefe fand , doch die Schreiberin nie finden . Trotz dieses Gefühls , nur wie ein Wesen ohne Greifbarkeit und Körper zu bleiben , war es ihr doch schrecklich , daß neugierige und verständnislose Augen ihre einst an ihn gerichteten Worte lesen würden . Und in diesem Schmerz erschien ihr der Fall mit der Mappe viel leichter . Eine Erkenntnis kam ihr plötzlich und wurde sogleich in Tat umgesetzt . Sie schrieb ein Telegramm an ihren Sohn Raspe , der in Magdeburg stand . » Komm , « rief sie , » es ist dringend , komm ! « Am andern Mittag trat er bei ihr ein . Und die Frau fühlte sich wie ein beschütztes Kind und ganz beruhigt in den Armen dieses