lachte . Dann waren sie vorüber , nur das Schellengeläute , hell und geschwätzig , war noch lange vernehmbar . Fastrade schlug den Heimweg ein , das klingende Leben , das da an ihr vorübergefahren war mit seinem Lachen , mit dem Wehen von Schleiern , mit dem Zigarrenduft und Schellengeläute , das hatte ihr ganz warm gemacht . Gut , daß alles noch da war , zu Hause hätte sie das fast vergessen können . Als sie daheim wieder in dem Zimmer ihres Vaters saß und zuhörte , wie Ruhke mit fetter , knarrender Stimme von Ölkuchen und Kälbern sprach , und der Baron den Kopf auf die Brust sinken ließ und schlummerte , während der Lampenschein auf die große blanke Glatze fiel , da klang das helle Lachen der Schlittenschellen mitten im verschneiten Walde ihr in das Ohr und erinnerte sie dran , daß da draußen jenseits der stillen Stuben mit den grün verhangenen Lampen das Leben lustig die Straßen entlang fuhr . Fünftes Kapitel Einige Tage später , als Fastrade von ihrem Spaziergange in der Abenddämmerung heimkam , sagte die Baronesse zu ihr : » Liebes Kind , dein Vater hat nach dir gefragt , du weißt , er will jetzt , daß du bei allen Geschäften , die das Gut betreffen , dabei bist . « - » Ja , ja , « meinte Fastrade , » wenn ich nur etwas davon verstünde . Bisher bin ich bei diesen Geschäften doch nur eine dekorative Figur . Was gibt es denn ? « » Der junge Egloff ist da , « berichtete die Baronesse , » es ist da etwas mit der Waldgrenze nicht in Ordnung , glaube ich . « Fastrade seufzte : » Ach Gott , an die Waldgrenze habe ich noch nie gedacht . Gut , ich gehe . « Sie strich sich mit den Handflächen über das von den Abendnebeln feuchte Haar , und » wie ich ausschaue ! « meinte sie . Im Zimmer ihres Vater fand sie Dietz von Egloff , sie kannte ihn schon lange , sie waren ja Nachbarskinder und Jugendgespielen gewesen , und auf den ersten Blick schien es ihr , als habe er sich nicht viel verändert . Die Gestalt war noch jugendlich schlank und biegsam , das in der Mitte gescheitelte blonde Haar gab der Stirn , gab dem ganzen schmalen Gesichte den jugendlichen Ausdruck , und die Augen waren noch immer so seltsam dunkel . Als er aufstand und Fastrade die Hand drückte , lächelte der schöne Mund noch das ein wenig schiefgezogene spöttische Lächeln , das sie am Knaben gekannt hatte . Sonst war er sehr förmlich , verbeugte sich tief und sagte im gleichgültigsten Tone der Höflichkeit : » Es freut mich , mein gnädiges Fräulein , daß Sie wieder in unserer Gegend sind . « » Ja , ach ja , mich auch « , erwiderte Fastrade und errötete . Sie fühlte sich befangen und fügte daher etwas hinzu , was ihr mißfiel , als sie es aussprach : » Also hier handelt es sich um Geschäfte ? « » Ja , « sagte der Baron , » setze dich , mein Kind , Egloff kommt wegen der Waldgrenze . Egloff , erklären Sie es ihr . « Egloff lächelte wieder , wurde aber dann ernst und berichtete in ruhigem Geschäftston , indem er seine Fingerspitzen vorsichtig aneinander legte : » Es handelt sich also um folgendes . Ich habe einen größeren Waldverkauf gemacht und schlage jetzt an der Padurenschen Grenze . « » Das habe ich gesehen « , entfuhr es Fastrade in einem Tone der Entrüstung . » Sie haben es gesehen ? « fragte Egloff und schaute Fastrade aufmerksam an . Dabei fiel es ihr auf , daß sein Gesicht doch nicht mehr ganz das lustige Gesicht ihres früheren Spielkameraden war , es war sehr bleich , war schärfer und gespannter , die helle , ungezogene Heiterkeit von früher war fort . » Gewiß , ich habe es gesehen , « erwiderte Fastrade , » es sieht aus wie ein Schlachtfeld . « Egloff zuckte die Achseln : » Ja , schön sieht das nicht aus , « meinte er nachdenklich , » und es ist auch keine schöne Sache , ein Schlachtfeld , sagen Sie , also eine Schlacht , in der wir über den Wald gesiegt haben . Aber wenn wir dann endlich so über den ganzen Wald gesiegt haben , dann sind wir doch die Geschlagenen . « Der Baron schaute auf , sah Egloff unzufrieden an und sagte dozierend : » Die Wälder sind in unseren Familien recht eigentlich das , was die Generationen verbindet , wir genießen , was unsere Vorfahren gehegt und gepflanzt , und wir hegen und pflanzen für die kommenden Generationen . « Der Schluß der Rede klang müde und nicht mehr so eindringlich , der Baron ließ seinen Kopf wieder auf die Brust sinken . Egloff hatte andächtig zugehört , wie es die Gewohnheit aller jungen Leute der Gegend war , wenn der alte Baron sprach , dann sagte er , und Fastrade hörte aus seinen Worten wieder den ungezogenen Ton des Knaben heraus : » Nun , ich bin jetzt eben in der Lage , das genießen zu müssen , was meine Vorfahren pflanzten , aber , « wandte er sich an Fastrade , » Sie haben sich in der kurzen Zeit Ihr Gut schon genau angesehen . « » Vorigen Abend war ich in den Wald hinausgegangen , « antwortete Fastrade , » und als ich auf dem Föhrenhügel stand , fehlte mir gegenüber die schöne Wand alter Tannen . « » Ja , hm , die ist fort « , meinte Egloff , zog die Augenbrauen zusammen und sah auf seine Nägel nieder , als sei ihm das ernstlich unangenehm , dann schaute er auf und lächelte : » Dann waren Sie es wohl , die am Abend so schwarz am Waldrande stand , als wir im