. Am arbeitsreichsten aber waren die Tage , wo Yang hung zu den Jahrmärkten zog , die allmonatlich in den großen Vorhöfen mancher Tempel Pekings abgehalten werden . Bisher hatte Tschun bei diesen Gelegenheiten im Laden zurückbleiben müssen , aber nun sollte er den Meister zum ersten Male begleiten . Bei frühestem Morgengrauen wurden die Waren sorgfältig eingepackt . Yang hungs kostbarste Stücke waren dabei , denn er rechnete auf reiche mongolische Kundschaft , die die Tempelmärkte gern besucht . - Dann brach man im zweirädrigen blauen Maultierkarren auf . Yang hung saß drinnen mit seinen Kasten , Ballen und Bündeln . Die zerbrechlichsten Gegenstände hielt er ängstlich fest , wenn die mit eisernen Nägeln beschlagenen Räder gegen große Steine anprallten oder in besonders tiefe Löcher und unheimlich grünliche Pfützen der chaotischen Straßen gerieten und der Karren dann abwechselnd in die Höhe oder tief herabgeschleudert wurde . Tschun saß draußen auf der Deichsel neben dem Kutscher ; er ließ vergnügt die Füße baumeln und freute sich , endlich mal ins Freie zu kommen und den ihn peinigenden Frauen und Kindern in Yang hungs großem Haushalt zu entgehen . In den Straßen , die noch voll bläulicher Schatten lagen , begann eben des Tages Leben sich zu regen . Die Rufe der ersten Hausierer ertönten , und bei diesem Klang erschienen an den Haustüren die noch halb verschlafenen Gesichter von Frühaufstehern , die bei den Vorüberziehenden einkaufen wollten . Andere dagegen warfen aus den Türen allerhand Unrat in die Straßen , diese ewig geduldigen offenen Kloaken Pekings . In die Häuser selbst und ihre verschiedenen Höfe konnte Tschun dabei jedoch nie blicken , denn hinter der in der äußeren Mauer angebrachten Tür erhob sich inwendig immer ein Stück freistehender Quermauer , gleich einem großen Wandschirm , bestimmt , den bösen Geistern den Eintritt zu wehren . Außer den Kaufenden und Verkaufenden waren aber auch schon jene da , die vom Zufall leben , die Scharen von Bettlern aller Art. Aus den ärmsten aller Quartiere , wo für die kleinste Kupfermünze nächtlicher Unterschlupf gewährt wird , waren sie hervorgekrochen , unheimliche Gestalten , die unter verfilzten Haaren aus stieren Augen glotzten . Beulen und Wunden bedeckten sie und bekleidet schienen sie hauptsächlich mit Schmutz , der die Reste einstmaliger Lumpen an ihnen festhielt . So kauerten sie und krochen sie in den Straßen und wühlten in den Unrathaufen , ob sich da etwas fände , das , von Reicheren weggeworfen , ihnen noch zur Nahrung dienen könne . Die mit besonders eklen Leiden Behafteten aber stellten sich gern vor öffentlichen Garküchen und anderen Läden auf , hoffend , daß die Besitzer , um ihren Kunden diesen Anblick zu ersparen , sich mit einer Kupfermünze von solcher Nachbarschaft loskaufen würden . Doch auch Erfreulicheres erblickte Tschun bei dieser Morgenfahrt . Er fuhr unter hohen , bunt bemalten Gedenkbogen , die die Straßen überspannen und treuen Witwen oder verdienstvollen Staatsmännern , denen im Leben wahrscheinlich unrecht geschah , zu posthumer Ehr ' und Andenken errichtet werden . Er sah hinter braunem Gemäuer die hochragenden grünen Kacheldächer großer Paläste in der Frühsonne schimmern , er sah Teiche , aus deren stiller Fläche die jungen zusammengerollten Lotosblätter sich erhoben ; er kreuzte weiter leere Plätze , die verloren inmitten der überfüllten Stadt lagen , wo unter alten Bäumen Schafe weideten und verfallende Pagoden dem Nichtmehrsein entgegenträumten . Und endlich hielten sie vor dem Eingangstor des Tempels . Da war ein Gewühl von Maultierwagen und knarrenden Schubkarren , von großen Händlern und kleinen Hausierern , die ihre Waren ausluden und in das Tor hereindrängten . Alle schrien und schimpften dabei durcheinander in völliger Unempfindlichkeit gegen Lärm . Yang hung und Tschun hatten Mühe durchzukommen , und man mußte die Augen weit offen halten , denn in der sich schiebenden , quetschenden Menschenmenge hatten die Taschendiebe leichtes Spiel . Drinnen im weiten Vorhof standen uralte Bäume , und zwei riesige steinerne Ungeheuer bewachten den Eingang zum eigentlichen Tempel . Die für die Jahrmarktstage ausgeräumten Mönchszellen und die vor ihnen durch die weitausladenden Dächer gebildeten Veranden dienten als Verkaufsbuden . Jeder Händler hatte da seinen eigenen gemieteten Platz . Nun galt es , die Waren auszupacken und verlockend zur Schau zu stellen . Denn schon strömten Jahrmarktsbesucher in Scharen herein . Der ganze weite Vorhof war bald angefüllt mit einem Gewoge blau gekleideter Menschheit . Eßwarenhändler schoben sich hindurch , von Käufern und Verkäufern Gewinn erhoffend , und Männer , die an Bambusstäben kleine Käfige trugen , in denen gefangene Zikaden zirpten . Und noch andere Tiere wurden zum Verkauf angeboten : chinesische Hunde mit schwarzem , bis zur Erde herabhängendem Haar und seidenweiche , braune mit plattgedrückten schwarzen Nasen und hervorquellenden Glotzaugen . Auch ein Wunderdoktor schrie dicht neben Yang hung seine Arzneien aus und war bald von Patienten umlagert . Tschun aber blickte mit Geringschätzung auf ihn und seine Arzneien , denn so viel hatte er doch von seinen Besuchen bei den Nonnen im Petang gelernt , daß heißes Wasser , über Kupfermünzen aus der Regierungszeit des Kaisers Tao Kwang gegossen , keine wirksame Arznei gegen Augenentzündung bildet und Pflaster aus Hundehaaren keine Wunden zu heilen vermögen . Seltsam aber war , daß der Wunderdoktor seine Mittel anpries , indem er ausdrücklich hervorhob , sie seien nicht etwa wie die der fremden Teufel-Doktoren aus den Augen chinesischer Kinder bereitet , die dazu von jenen gestohlen und umgebracht würden . Tschun wurde ganz ärgerlich , als er aus all dem Lärmen diese Worte heraushörte , deren alte Beschuldigung immer wieder in Zeiten besonderen Fremdenhasses laut wird . Wie konnte man nur so dumm sein , so etwas zu glauben ! dachte Tschun entrüstet , und wie durfte man solche Dinge behaupten und weiterverbreiten ? Er wäre am liebsten hingelaufen , den Mann ob seiner einfältigen Lüge zur Rede zu stellen . Aber der Wunderdoktor war längst schon von einer Menschenwelle davongetragen , und nun standen Mongolen vor Yang hungs kleiner Warenausstellung . Auch eine Frau war dabei in