sagen , drehte er sich um und ging durch die Wiese davon . Marimpfel hob sich im Sattel und rief dem Bauer lachend nach : » Gotts Gruß , Mareiner ! Ich komm bald ! « Dann ritt er davon . Der Taubenseer ging an seinem Rechen vorüber , unter schattenden Bäumen hindurch und kam zu einem grauen Balkenhaus , über das ein großes Moosdach herging , wie eines Mannes Hut ein kleines Kind bedeckt . Neben der Haustür saß , von Sonne umspielt , in einem grob gezimmerten Holzsessel eine alte , weißhaarige Frau mit gichtisch verkrümmten Händen , zermürbt von der schweren Arbeit eines langen , mühsamen Lebens . » Kindl ? « sagte sie zu dem vierzigjährigen Manne . » Was hast ? « Der Bauer biß die Zähne übereinander und schien sich auf eine Antwort zu besinnen . Dann sagte er : » Mutter ! Der Marimpfel ist dagewesen . « » Und ist nit herein zu mir ? « Mareiner schüttelte den Kopf und trat ins Haus . Ohne sich zu regen , murmelte die alte Frau vor sich hin : » Ist dagewesen . Und ist nit herein zu mir . Ein Weg , schier kaum ein halbes Vaterunser lang . Und steht am Zäunl . Und geht nit herein zu mir . « Sie hob das zerfallene Gesicht , und ihre trockenen , fast schon erloschenen Augen suchten irrend im Blau des Himmels . » Heilige Mutter ! Was sagst du jetzt ? « Geduldig blickte die alte Frau in dieses schöne , reine Blau empor und wartete auf Antwort . Vor sechzig Jahren , als vierzehnjähriges Dirnlein , hatte sie die Gottesmutter zur Patronin ihres Lebens erwählt , war Marienträgerin gewesen bei jedem Bittgang in und außerhalb der Kirche , hatte sich , eine Dreißigjährige , zum Ehestand segnen lassen an einem Marientag und hatte jedem der drei Buben , die sie geboren , bei der Taufe einen Festtag der Mutter Maria als segensreichen Namen in das Leben mitgegeben . Mareiner hieß Mariä Reinigung , Malimmes hieß Mariä Lichtmeß , Marimpfel hieß Mariä Himmelfahrt . Auf dem Moosdach gurrten die Tauben , kleine Vögel sangen in den Kronen der Bäume , es krähte der Hahn , und die Hühner gackerten , es rauschte der nahe Wildbach , die Bäume flüsterten , am Waldsaum grunzten die wühlenden Schweine - alles redete , was Natur und Leben hieß . Nur dieser schöne , blaue Himmel schwieg . Und als die Augen der alten Frau den Schmerz des Lichtes fühlten und wieder heruntersanken zur Erde , sah diese Mutter ihr vierzigjähriges Kindl Mareiner mit Hacke und Spaten scheu hinüberspringen zum Walde . Unter dem Kittel trug der Bauer einen schweren Ledersack , in den das Spargut seines Schweißes eingeschnürt war : dreiundachtzig und ein halb Pfund Pfennig in rheinischem Gold , in Silber und schwarzem Blech . Weil Mareiner einen Bruder hatte , der Hofmann war , vergrub er diesen Sack im Dickicht des Waldes zwischen den Wurzeln einer alten Fichte , die er unauffällig mit dem Messer merkte , als er den Boden geebnet und wieder mit Moos bedeckt hatte . Kein Fuchs hätte da einen Wandel der Dinge wahrgenommen . Während Mareiner beruhigt sein unsichtbares Werk betrachtete , erfreute sich Marimpfel auf seinem trabenden Gaul immer wieder des gleichen Rechnungsschlusses : » Von sechzig ein Drittel ist zwanzig ! « Was konnte man im Leben nicht alles haben für zwanzig Pfund Pfennig ! Der adlige Chorherr Jettenrösch bezahlte seiner Hübschlerin und Pfennigfrau für alle Lieb und Freud eines langen Jahres nur fünfzehn Pfund . Freilich war , wie die Leute munkelten , Herr Jettenrösch bei dem frummen Fräulein Rusaley nicht der einzige Zahler . Marimpfel lachte . Von den Herren , die klug sind , kann man lernen . Gute Kameraden und Gnoten müssen teilen können ohne Neid bei Trank und Schüssel , bei Mühsal und Pfennigsack . Warum nicht auch bei der süßesten von allen Freuden ? Wie mehr sich teilen in des Lebens Kosten , um so billiger wird des Lebens Rausch . Und Marimpfel wußte nun eine , die ihm gefiel . Warum sollte man die nicht zum Pfennigweibl machen können ? Jungferntrutz ist wie Maienschnee . Um ein freudenreiches Leben ist alles feil . Und wie gut ihr das stehen muß , wenn sie das schwere Schwarzhaar im grünen Schleier hat ! Und reitet ein hoher Fürst durch Berchtesgaden , so muß ihm die schöne Hübschlerin des Marimpfel das rote Stricklein spannen und die lustige Ehr erweisen . Große Herren haben kleine Lustbarkeiten gern . Und wissen , wie man danken muß . Während Marimpfel diese goldenen Zukunftspläne schmiedete und durch die einseitige Häusergasse der Ramsau ritt , schien ein stummer Lebensschreck vor ihm herzutraben . Wo Leute oder Kinder vor den Türen waren , verschwanden sie flink im Haus . Und ein Hund , der mit schwerem Holzknebel am Hals auf der Straße in der Sonne gelegen hatte , wurde durch einen schrillen Pfiff in das Gehöft gerufen , zu dem er gehörte . Hinter dem Haus des Leutgeb lenkte Marimpfel von der Straße weg und ritt zu einem hohen Hag hinauf , der ein auf grünem Hügel liegendes Gehöft umschloß . Der Reiter stieß mit dem Fuß an das versperrte Hagtor . » Auf ! In des Herrn Nam ! « Holzschuhe klapperten . Ein junger Knecht öffnete das Tor , machte scheue Augen und sagte rasch : » Der Richtmann ist nit daheim . « » Wo ist er ? « » Im Holz . Bis zur Mahlstund kommt er . « » Solang kann ich nit warten . Spring ins Holz hinaus und hol den Richtmann ! Ich tu derweil einen Trank beim Leutgeb . « Der Spießknecht ritt zur Straße hinunter . Zwischen den Stauden und Bäumen , die den Weg in der Richtung gegen Berchtesgaden geleiteten , sah er ein Leuchten bunter Farben und blanker Waffen . Wer kam da ? Keiner von