Küsse und gab mir allerlei süße Namen und liebkoste mich zärtlich . Der Kienspan , den sie aufgesteckt hatte , war abgebrannt , und sein letzter , glimmender Stumpf bog sich und sprang verlöschend ab , so daß wir im Dunkeln saßen . Da stieg ein seltsam heißes Gefühl in mir auf ; ich spürte , daß meine Wangen wie mit Blut übergossen wurden , und fiebernd preßte ich meinen Mund auf den des Mädchens . Sie drückte mich fest an sich , ihre Brust hob sich stürmisch ; plötzlich seufzte sie tief auf , schob mich von sich und sagte mit fremder , rauher Stimme : » Geh jetzt , Bub , geh jetzt ! « Wieder , wie damals in der Kapelle der Mutter Gottes , als mich der Bauer zurechtgewiesen , packte mich ein Gefühl , als hätte mich jemand aus einem schönen Himmel gerissen , eine große Übelkeit bemächtigte sich meiner , und ich lief ohne ein Wort hinaus aus der Kammer und vor das Haus . Da saß die alte Irschermutter auf der Hausbank , hielt ihren Krückenstock zwischen den Händen und stieß damit von Zeit zu Zeit auf den Boden . Ich rief sie an ; da wandte sie langsam den Kopf und sagte : » Da bist du ja , du Dunnersbursch ! Wo steckst denn alleweil ? « Ich tat , als überhörte ich ihre Frage , wies auf die schwarzen Wetterwolken am Himmel und sagte : » Kommt ins Bett , Mutter ! Ein Wetter steigt auf ! « Dann lief ich in meine Kammer und legte mich zu Bett , ohne eine Spur von Schlaf zu fühlen . In meinem Kopf sauste und hämmerte es , und in den Gliedern empfand ich eine seltsame Schwere . Meine Gedanken weilten bei der Kathrein , und ich versuchte , mir ihr Gebaren zu erklären , daß sie mich plötzlich so rauh von sich gewiesen hatte . Da begann es zu blitzen und zu krachen , und ein furchtbares Gewitter tobte daher . Der Sturm heulte und pfiff ums Haus vom Wald herüber , und Regen und Hagel schlug an die Fenster . Ich hörte draußen die Irscherin den Riegel der Haustür stoßen und sah sie beim Aufleuchten eines Blitzes an den Fenstern meiner Kammer vorübergehen . Gleich darauf öffnete sich die Tür , und das Kathreinl kam herein und sagte : » Mathiasle , laß mich zu dir kommen ; es tut grauslich draußen , und ich fürcht mich . « Ein bläulicher Blitz flammte auf , und ich sah das Mädchen im dünnen Nachtgewand und mit offenen Haaren vor mir . Ein leichtes Tuch hatte sie um die Schultern gelegt und hielt es mit beiden Händen vorn über der Brust zusammen . » Setz dich zu mir her « , bat ich und rückte zur Seite , während das Haus erbebte von dem Donnerschlag . » Heiligs Kreuz « , rief sie und bekreuzte sich ; » jetzt hat ' s eingschlagen ! « Und sie lehnte sich fröstelnd an mich . » Die Mutter ist noch fort « , sagte sie dann ; » sie ist so eigen ; wenn es draußen am ärgsten tut , dann geht sie ums Haus und schwingt die Sichel und läßt kein verständiges Wort mit sich reden ... « Wir fuhren beide zusammen : ein grelles , blaues Leuchten ging durch die Kammer und zugleich tat es einen Krach , daß wir uns umschlangen . Bebend kroch das Kathreinl zu mir ins Bett und drückte ihren Kopf fest an meine Schulter , daß sie nichts mehr sah , während sie flüsterte : » Gfehlt is ' s ! Das wird ' s End ! « Ich bettete sie aufs Kissen , schob meinen Arm unter dasselbe und legte mich ganz nahe neben sie . Da schlang sie ihre Hände um meinen Hals , und wir hielten uns ganz still . Das Wetter entfernte sich , und der Sturm ließ nach ; nur der Regen fiel noch und sammelte sich in der Dachrinne und plätscherte vor dem Fenster in das Faß nieder , das die Irschermutter aufgestellt hatte , um in dem Regenwasser die Wäsche zu waschen . Das Kathreinl war an meinem Hals eingeschlafen und ihre Hände lösten sich langsam und fielen herab . Ich zog leise meinen Arm unter ihrem Haupt weg , nahm ihre Hände in die meinen und schlief am End gleichfalls ein . Brummend schlug die Uhr eben vier , als ich erwachte und mich einen Augenblick besinnen mußte , ehe ich Traum und Wirklichkeit voneinander scheiden konnte ; denn ich hatte im Schlaf das Kathreinl weit fortgeführt in ein hohes Haus und hatte dort Hochzeit gemacht mit ihr . Da war die Irschermutter gekommen und hatte die Sichel geschwungen und geflucht , und im selben Augenblick stürzte das ganze Haus über uns zusammen . Nun sah ich das Mädchen schlafend neben mir , und ich besann mich auf den Abend und die Nacht . Ein ruhiges Glücksempfinden überkam mich , und ich betrachtete mit großer Lust das feine Gesicht , die halboffenen Lippen und die langsam auf- und niedergehende Brust . Endlich rührte sie sich ; ihr Kopf wühlte sich unruhig ins Kissen , ihre Hände fuhren etlichemal im Gesicht und auf der Brust herum , sie tat einen Seufzer und öffnete die Augen . Da sie mich erblickte , schloß sie dieselben wieder , rieb sich mit beiden Fäusten den Schlaf daraus und öffnete sie weit , indem sie sich aufrichtete . » Kathreinl ! « sagte ich und küßte sie . Aber sie war ganz traurig und meinte : » Ach weh ! Jetzt hab ich wohl kein Glück mehr ! Ach , Mathiasl ! Jetzt ist ' s Jungfernkrönl weg und dahin ! « Und sie weinte leise . Da sagte ich : » Sei still und klag nicht ! Mir deucht , es liegt noch in deiner Kammer drüben ! Bei mir ist ' s