, in einem fliederfarbenen Himmel , bauten sich große , bunte Wolken auf Langgestreckt , stachen sie wie goldene Klingen in den Himmel , oder sie rundeten sich wie rosenfarbene Nacktheiten , an denen goldene Schleier hingen . Karola stieß einen kleinen Schrei aus , dann stand sie still , ließ die Arme niederhängen , wie wir unter einer Dusche stehen . Das rotangeleuchtete Gesicht hob sie zu Werner auf : » Stehen Sie still « , rief sie ihm zu . » Fühlen Sie , wie ' s an einem niederfließt ? Ich spür ' ordentlich , wie die Wellen kommen , rosa und goldene Wellen . « Sie schaute in die Sonne . Ihre Augen wurden wieder ganz schmal , leuchtende Striche zwischen den schwarzen Wimpern . » Sie sind auch ganz rosa , Pastor , ein rosa Gesicht , einen rosa Bart. « Sie lachten sich an , öffneten den Mund , als könnten sie das Licht trinken . Die Sonne sank . Sie war nur noch eine rote Halbkugel . » Sie geht - sie geht ! « rief Karola . Mit ausgebreiteten Armen lief sie den Weg entlang , der Sonne nach . Die Sonne war untergegangen . Alle Lichter erloschen auf der Ebene . Oben verblaßten die Wolken . Ein blaues Dämmern kroch sachte über den Schnee . Karola war stehen geblieben . » Alles weg « , sagte sie bedauernd . Der Himmel wurde glasig und farblos . Ein weißes Stück Mond hing in ihm . » Wie so ' n bißchen Licht einen aufregt « , bemerkte Karola entschuldigend . » Ich bin müde . Geben Sie mir Ihren Arm , Pastor . Gott ! bin ich gelaufen ! « Sie hing sich an Werners Arm . So gingen sie langsam durch die zunehmende Dämmerung über die Ebene . Karola sprach jetzt ruhig , ein wenig traurig vor sich hin : » Ich glaube , weil die Lampe bei uns immer verhängt wird , scheint die Dämmerung mir traurig . Eben war es so , als ob Jakob die Haustür verschließt . Ich lege den grünen Schirm über die Lampe , und der Abend beginnt . « » Aber Sie , gnädige Frau « , sagte Werner , » Sie sind ja nicht traurig . Sie sind ja geduldig und fröhlich . « Karola zuckte die Achseln . » Das haben Sie schon zuweilen gesagt , Pastor , Sie wollen an mir wohl eine Tugend loben . Geduldig , mein Gott ! Ich mag es aber nicht besonders , wenn Sie mich bemitleiden . « » Nein - Sie darf man nicht bemitleiden « , versetzte Werner schnell . » Mich nicht ? « Sie hob ein wenig den Kopf und sah Werner mit dem scharfen Blitzen ihrer Augen an . » Warum ? « » Weil - « , Werner dachte einen Augenblick nach . Dann zeigte er auf die beiden Schatten , die der Mond , groß und blau , vor ihnen auf den Schnee legte : » Sehen Sie Ihren Schatten ? « » Nun und ? « » An diesem Schatten seh ich , daß Sie nicht heimlich an etwas Schwerem tragen . « Karola lachte . » Pastor , was ist das mit dem Schatten , sagen Sie ? « » Eine Geschichte . « » So erzählen Sie . « » Ich war früher in einem kleinen Pastorat nah an der Grenze . Ich hatte mich auf der Jagd verirrt . Es war spät geworden . Der Mond schien , so wie heute . Sie wissen , es wird dort viel geschmuggelt . Nun , auf einer Lichtung an einem kleinen Fluß sah ich einen Zug langsam hingehen . Juden waren es wohl . Lange Röcke , lange Bärte , große Hüte . Es schienen sehr starke , große Leute zu sein . Sie gingen langsam , ein wenig gebückt , ein wenig mühsam vielleicht . Sonst war aber nichts Besonderes an ihnen zu sehen . Aber neben ihnen , auf dem Boden , gingen ihre Schatten her - riesige , dunkle Schatten , und diese Schatten waren seltsam unförmig . Die Schatten hatten Buckel und Ausbuchtungen und Beulen . Die Schatten trugen an etwas schwer , sie verrieten es , wie schwer beladen diese Leute waren . « » Ich versteh ' nicht recht « , sagte Karola und schaute aufmerksam auf ihren Schatten nieder . » Nun « , erklärte Werner , » Leute , die heimlich schwer an etwas tragen , die bemitleide ich . Aber Ihr Schatten , sehen Sie , wie schlank und leicht er über den Schnee gleitet . Fast leichtsinnig . Heimliche Lasten entstellen immer . « » Ganz leicht « , wiederholte Karola . » Und Ihrer ? « » Ich weiß nicht . « Werner richtete sich gerade auf , um seinen Schatten schlanker zu machen . » Vielleicht doch ein wenig unförmig ? « » Nein « , rief Karola eifrig . » Sehen Sie , wie leicht er geht . Nun ja , Sie sind stark , Sie können leicht viel tragen . « Sie schweigen eine Weile und folgten mit den Blicken den Schatten , die vor ihnen hergingen . » Und Karl Pichwits Schatten « , sagte Karola darin , » wie mag der sein ? « » Der ? Ich weiß nicht . « » Ich glaube , der ist auch ein wenig verzeichnet « , meinte Karola nachdenklich . Das letzte Stück Weges wurde nichts mehr gesprochen . Still gingen sie durch die glashelle Mondnacht . Karola war müde und stützte sich schwer auf Werners Arm . Vor ihnen glitten die beiden Schatten hin , so eng aneinandergeschmiegt , als umarmten sie sich . » Hier ist Peter « , sagte Karola . » Danke ! Das war gut . jetzt zur Lampe zurück . Kommen Sie bald , Pastor . Verlassen Sie uns nicht . « Sie reichte ihm die