ich laut auf Fasching und Fabel ! Das hattest du ja alles nur in sie hineingedichtet : die Schicksalsstunde der Verlobung , ihre Hoheit , ihre Größe , ihren Seelenadel , ihre Liebe , ihre Freundschaft . Imago lebt nicht als einzige in dir ; die menschliche , leibliche Theuda aber ist eine Verschiedene , eine Fremde , namens Ix ; und zwar ein unbedeutendes Vögelein , wie deren in jeder Stadt zu Hunderten piepsen . Ich hob die schamlose Karte wieder auf und roch daran . Kein Zweifel , ganz deutlich , sie roch nach Gewöhnlichkeit . Genau wie die andern : war entschlossen , überhaupt zu heiraten ( vermutlich nach einer unglücklichen Liebe - der Weg zum Altar führt ja bei den Frauen meistens über das Grab des Herzens - ) , von einem Schwarm verhaßter Bewerber bedrängt , sieht sie in mir , dem fremden Neuling , einen Erlöser , findet mich annehmbar - glaube schon - erhält mich nicht , um so schlimmer , so nimmt sie eben in Gottes Namen einen andern . So geht es gewöhnlich , so ging es auch mit ihr , der Gewöhnlichen . Fort mit ihr ! Jüngferlein Ix , dein Name lautet : nicht vorhanden ! Zum Beweis dafür , schau her , was ich mit dir mache . So mache ich mit dir ! Zerriß die Karte und warf die Fetzen in den Papierkorb . Und jetzt wollen wir mit deinem hübschen Lügenlärvlein also tun . Nahm das Bild hervor , um es gleichfalls zu zerstückeln . Zum Abschied aber mochte ich es vorher noch einmal anschauen . Also diese tiefsinnigen schwermütigen Augen trügen ; der ganze Adel dieses Schönheitsfrühlings ist gemeiner Jugendspeck ! Da fing das Bild bitterlich an zu weinen : » Nein , ich lüge nicht « - weinte es - » denn damals , als dieses Bild mich spiegelte , dürstete meine Seele wahrhaftig nach Hoheit ; diese Augen , die dich anblicken , schauten einst nach dir ; dein dachte mein Wunsch , dein sehnte meine Hoffnung . Eine andere , spätere , mit deren Taten ich keine Gemeinschaft habe , hat dich verraten . Jedoch nicht aus niedriger Gesinnung , sondern eitel aus Schwäche und Kleinheit . Und wer weiß , vielleicht kommt später einmal eine Stunde , da sie sich besinnt , sich erinnert , sich ihres Abfalls schämt und zu dir zurückkehrt , mein Angesicht entsühnend , damit es nicht mit gebrandmarkter Schönheit schmachvoll in die Welt schaue wie ein gefallener Engel . « Da erbarmte ich mich des Bildes und hob es andächtig auf , wie das Bild einer Verstorbenen . Der andern aber , der Neuen , der Treulosen , erkannte ich den lieben Namen Theuda ab und nannte sie fortan Pseuda , das heißt : die Falsche . Jenen Abend , als ich wie gewöhnlich spazieren ritt ( wohlverstanden , auf einem wirklichen , leibhaftigen Pferde ) , hörte ich jemand hinter mir reiten . Ich wußte , wer es war , denn ich hatte sie erwartet . » Imago « , mahnte ich , » was reitest du hinter mir ? und kommst nicht an meine Seite ? « Sie antwortete : » Weil ich jetzt deiner unwürdig bin , da ich die Gesichtszüge einer Treulosen trage . « Ich sprach : » Imago , meine Braut , du trägst nicht ihre Gesichtszüge , sondern jene trägt fälschlich die deinigen . Darum komm an meine Seite , dein Antlitz sei mir gesegnet ! « Da ritt sie an meine Seite , verbarg jedoch ihr Gesicht mit den Händen . Ich aber entfernte ihr sanft die Hände vom Gesicht . » Siehst du , wie du schön bist und groß und seelenvoll ! Darum schaue mich frei offen an , unbekümmert um dein unwürdig Urbild , so wie auch ich mich nicht darum bekümmere . « Jetzt schaute sie mich offen an , dankend mit den Augen , und wir begannen wieder zu singen wie vordem . Und ihre Stimme klang noch schöner als zuvor ; allein mit wehmütigem Ton , wie wenn ein Unschuldiger leidet ; so daß es einen zu Tränen hätte erbarmen mögen . Plötzlich jedoch , mitten im Singen , brach sie ab , mit einem gurgelnden Schrei , preßte die Lippen zusammen wie ein sterbender Engel und wankte im Sattel . » O wehe mir ! « klagte sie , » es hat mir jemand einen häßlichen Stoß versetzt , so daß ich krank bin und die Stimme nicht mehr schwinge . Darum laß nun ab von mir , Viktor , und suche dir eine frische Imago ; eine , die da gesund und kräftig ist und ein unbescholtenes Gesicht hat , damit sie dir jauchze und singe , dir zur Süßigkeit und zum verdienten Lohne . « Ich rief . » Imago , meine angelobte Braut , man läßt nicht von der Freundin , weil sie krank ist . Denn ich habe einen Bund mit dir vor dem Odem meiner Strengen Herrin geschlossen , also , daß mir dein Antlitz das Sinnbild alles Edlen und Hohen bedeutet . Darum höre , was ich dir verkünde : Dafür , daß du krank und traurig bist , dafür ist meine Liebe zu dir noch vielmal größer als ehedem , als du in Freuden und Seligkeit an meiner Seite jauchztest . « Sie sprach : » O wehe dir , Viktor , daß du nicht von mir lässest ! denn ich kann dir fortan nichts mehr bringen als Herzeleid . « Ich erwiderte : » So bring mir Herzeleid , Imago , meine edle Braut . Ich aber lasse nicht von dir . « Also erneuerte ich den Bund mit der kranken Imago ; und war alles wie vorher , nur daß ihre Stimme verstummt war und ihre Augen schmerzlich blickten . - Und also ist es geblieben bis auf den heutigen Tag . Und sie ist meine Braut , und ich lasse nicht