wußte er schon von dem Geschehenen , rief den kleinen Hans zu sich und fragte ihn . Der antwortete , daß alle sehr artig gewesen seien und besonders die kleine Komtesse , aber ihn habe plötzlich eine Wut gepackt , er wußte nicht woher , daß er habe den einen schlagen müssen . Mehr konnte er nicht sagen , und keine weitere Vorhaltung nutzte etwas . Endlich fragte ihn der Vater , ob er wisse , daß er sehr ungezogen gewesen sei und Hiebe verdient habe . Da sagte er ja , holte auch die neunschwänzige Katze herbei . Wie ihn der Vater schlug , bezwang er sich zuerst und muckste nicht , nachher aber weinte er doch , denn die Katze tat sehr weh . Am Abend setzte er sich in der Dunkelheit ans Fenster ; der Vater saß still in der Sofaecke . Da stand er leise auf , ging zu seinem Vater , stieg dem auf den Schoß und weinte an seiner Brust . Der Vater dachte , er müsse ihn trösten der Schläge wegen und sagte , er sei doch ungezogen gewesen , und einem Vater tue das selbst weh , wenn er seinen Jungen schlagen müsse , und das wisse er doch selbst , daß er die Schläge verdient habe . Da nickte Hans und sagte : » Das ist es nicht , das hat manchmal schon weher getan . « Wie ihn der Vater nun weiter fragte , faßte er sich zuletzt ein Herz und sprach : » Nicht wahr , du lügst doch nicht ? « Hierüber wurde der Vater ganz erstaunt , antwortete , daß er allerdings nicht lüge und fragte dann , wie Hans auf solche Gedanken komme . Hans schluchzte von neuem und erzählte endlich , was die beiden Jungen auf der Fahrt und nachher gesprochen hatten . Der Vater wurde recht nachdenklich und begütigte ihn , indem er ihm sagte , daß die jungen Grafen vorlaute Jungen seien , die überall zuhörten , auch wo es ihnen verboten sei , und nun in ihrer Dummheit allerhand falsche Meinungen ausheckten . Damit gab sich Hans am Ende zufrieden , hörte allmählich auf zu weinen und schlief zuletzt auf seines Vaters Schoße ein . - Der Großmutter war es den Winter hindurch schlecht gegangen ; sie klagte über ihre Beine , daß die sie nicht mehr recht tragen wollten und fürchtete sich vor Zug ; abends ging sie früher zu Bett wie sonst , und am andern Morgen erzählte sie , daß sie nicht habe schlafen können . Dafür geschah es , daß sie am Tage unversehens einschlief , wenn sie in ihrem Lehnstuhl am Ofen saß und strickte ; das Strickzeug sank ihr in den Schoß , und sie wachte auch durch lautes Geräusch nicht auf . Man mußte aber tun , als ob keiner etwas merkte hiervon , sonst wurde sie böse ; wenn sie die Augen wieder aufschlug , so sah sie sich um , ob jemand sie beobachtete , und dann nahm sie ihr Strickzeug vor das Gesicht . Gegen den Frühling kam der Tischler , der die Fenster in Ordnung bringen sollte , denn deren unterer Riegel war faul geworden , und das Wasser lief auf die Fensterbank . Mit dem sprach die Großmutter über Särge , fragte , was die verschiedenen Arten kosteten , und wunderte sich , daß alles so teuer geworden war , und erkundigte sich genau nach der Haltbarkeit . Es zeigte sich , daß bei Särgen sehr viel Betrug unterlief , denn die Handwerker hatten keine Furcht vor Gott und keine Scham und glaubten , bei einem Begräbnis müßten sie mehr verdienen wie bei andern Arbeiten . Als die Kraft der Sonne zunahm , stand sie oft am Fenster und sah , wie der Schnee in sich zusammensank , und dann kam Tauwind und Regenwetter , und in den Schlittenspuren auf der Landstraße schoß das Wasser bergab . Jetzt sagte die Großmutter oft : » Nun schlagen die Bäume bald aus « ; sie dachte aber bei sich , wenn die Bäume ausschlügen , so würde sie sterben ; auch sagte sie : » Die Schneeglöckchen erlebe ich noch . « Das sprach sie alles für sich hin , wenn sie allein in der Stube war oder nur der kleine Hans auf seinem Fußbänkchen still saß . Einmal faltete sie die Hände und sagte : » Des Menschen Leben währet siebzig Jahre , und wenn es hoch kommt , achtzig Jahre , und wenn es köstlich gewesen , so ist es Mühe und Arbeit gewesen . « Wie sie noch Kind war , hatten ihre Eltern sie in eine Sterbekasse eingekauft , und achtzig Jahre lang hatte sie ihre Pfennige gesteuert . Jetzt las sie viel in dem alten , abgegriffenen Quittungsbuch , in dem vorn die Satzungen der Kasse abgedruckt standen und hinten auf leeren Blättern so viele Jahre hindurch der Empfang des Beitrags bescheinigt wurde ; sie las und rechnete für sich alle Kosten und Ausgaben zusammen . Ein schöner Frühlingstag kam . Das Stubenfenster stand lange auf , und eine Frühlingsluft drang herein , eine frische und sonnenscheindurchtränkte . Draußen war es schon ganz trocken , und die kleinen Vögel machten allerhand Zwitschern , Pfeifen und Tirilieren ; die Großmutter saß lange am Fenster und hatte diesmal gar keine Furcht vor der Erkältung . Dann sprach sie mit der Mutter wegen des Grabes ihres toten Mannes , das um diese Jahreszeit besorgt werden mußte , und endlich sagte sie , daß sie sich jetzt zu schwach fühle , um noch aufzubleiben ; sie wolle sich legen ; aber auf ihrer Kammer sei es ihr zu einsam ; ihr Bett solle hier in der Stube aufgeschlagen werden , in der Ecke , wo ihr Lehnstuhl gestanden . Die Mutter verspürte wohl , was sie meinte , und daß sie wußte , sie werde von diesem Lager nicht wieder aufstehen ; so antwortete sie , daß heute abend , wenn