eine erfreut sich der klangvollen Vornamen Washington Montgomery . Ich war ganz gespannt , welcher Familienname für solchen Anfang hochtrabend genug sein würde , und denken Sie sich , er heisst Baggs . Washington Montgomery - Baggs ! Es ist ein Sprung wie von einem Palais am Central-Park in eine Mietskaserne der neunten Avenue ! Während die Gäste sich versammelten , zeigte mir Washington Montgomery einige der wundervollen Bilder , die in den Salons hängen , und die in seinen Augen hauptsächlich deshalb Wert haben , weil sie meistens aus historischen Sammlungen fürstlicher Häuser stammen , die unter dem Hammer endigten . Der zweite Vetter , dessen Name ich mich nicht entsinne , ist offenbar erst ganz kürzlich in das O ' Doylesche Millionenreich verpflanzt worden . Als Champagner serviert wurde , ward er ganz aufgeregt und rief laut über den Tisch : » Drink , drink , gentlemen , whilst it ' s fizzing ! « Der Speisetisch war übrigens ein wahres Entzücken ! Ich habe noch nie eine solche Fülle von Orchideen gesehen , ausser vielleicht in dem Botanischen Garten von Kalkutta . Ich hätte sie gern alle einzeln bewundert : die langen weissen Dolden , die vom Kronleuchter herabhingen , die grünlichen , braungeäderten , die wie kleine samtige Schuhe aussehen , in denen Feen nachts im Mondschein tanzen ; die grossen blasslila , die auf ihren hohen Stengeln so stolz und abwehrend erscheinen , bis dass man ihre verlangend geöffneten purpurnen Lippen gewahrt . Orchideen kommen mir immer vor wie manche schöne Frauen , in deren Nähe man gleich fühlt , dass sie wunderbare geheimnisvolle Dinge erlebt haben müssen . Ich wünschte , ich verstände die Orchideensprache ! Es werden darin gewiss die seltsamsten Geschichten erzählt . Bei diesem New Yorker Diner fehlte es übrigens auch nicht an Geschichten . Beim Öffnen der Servietten fiel jedem Gast ein Etui in die Hand , das irgendein Geschenk enthielt : Manschettenknöpfe , Portebonheurs , Nadeln , Schnallen . Alles im modernsten art nouveau-Geschmack ! Kolonel Patterson , der bisherige amerikanische Vertreter in Kairo , rief seinem alten Freund O ' Doyle über den Tisch zu : » Aber Charles , wozu hast du denn das gemacht ? Hier ist doch niemand , der bestochen werden soll ? « Darauf stürzte sich der Kolonel in eine Flut türkischer Bestechungsgeschichten , die mir aber ziemlich zahm erschienen , weil ich drei Jahre lang chinesische Bestechungsgeschichten gehört habe und der fernste Osten darin dem näheren Orient doch noch über ist . Der Prinzess , die nie die Gegenwart der herzoglich Hardupschen Diener vergisst , war diese Konversation offenbar unangenehm , sie suchte den Kolonel davon abzulenken und fragte ihn , welche bedeutenden Leute er in Kairo gekannt habe , worauf sie die Antwort erhielt : » Well , Mrs. Princess , da ist ein Mann , der Cromer heisst , who bosses the show , und ausser ihm war ich da ! « Und nun , liebster Freund , genug aus diesem Vanity Fair ! Möchte mein Brief Sie wohl antreffen , wo Sie auch sein mögen , und möchten Sie nicht gar zu lang dort bleiben , wo » dort « auch sein möge , da es doch auf alle Fälle von mir sehr weit fort ist ! 11 New York , November 1899 . Lieber Freund ! Heute besuchten mich der alte Mr. Bridgewater und seine Töchter . Er hat lange Jahre in Europa zugebracht und war amerikanischer Gesandter in Petersburg , woher mein Bruder und ich ihn kennen . Jetzt lebt er mit seinen Töchtern ganz in New York und in Tuxedo Park . Er steht hier an der Spitze grosser , wohltätiger Institutionen , schriftstellert und reist häufig nach Europa , mit jener amerikanischen Leichtigkeit , die eine Art Gottähnlichkeit an sich hat , da sie über Raum , Zeit und Geld erhaben zu sein scheint . Mr. Bridgewater erzählte mir von der grossen Veränderung , die sich in Amerika seit dem Kriege gegen Spanien in der öffentlichen Meinung und in den politischen Anschauungen vollzogen habe . Diese Veränderung drückt sich in einem enorm gesteigerten Selbstgefühl aus . Die ganze Nation ist vom Glauben , zu etwas Besonderem bestimmt zu sein , erfüllt , ein Glaube , durch den schon soviel Grosses auf der Welt erreicht worden ist . Sie fühlt sich als politische Erwählte des Herrn . Und es ist eine ganz amüsante Mischung der Gefühle , vor denen man als Zuschauer steht : ganz trocken prosaische Berechnungen von künftigen Handelsvorteilen , die errungen werden sollen , und daneben eine beinah religiöse Begeisterung für den Beruf , andern Licht und Freiheit zu bringen , aber nicht etwa nur den wilden Völkern - da haben wir ja alle dieselbe Pretension , Händler und politischreligiöse Apostel zu sein - , sondern gerade auch uns armen , umnachteten Europäern . Amerika fängt an , nach allen Seiten seine Fühlfäden auszustrecken - kann wahrscheinlich gar nicht anders , denn man empfängt hier den Eindruck einer angesammelten Kraftfülle , die ungeduldig auf den Moment wartet , sich zu betätigen , der dabei gar keine Wahl bleibt , sondern die durch die Logik der Dinge getrieben werden wird , sich weitere Grenzen zu suchen , sich in immer neuen Weltfragen geltend zu machen . Wie der einzelne Amerikaner sich schon seit jeher stets den Besten jedes anderen Landes gleichgefühlt hat , und sein persönlicher Unternehmungsgeist keine Schranken kannte , so hält sich Amerika jetzt als Nation auch für fähig und berechtigt , alles zu erringen , was es will . Und was Amerika will , ist die Welt . Die Welt will ja jeder , der auch nur die geringsten Chancen hat , sie je zu besitzen - und die Chancen Amerikas sind unheimlich gut ! Schon deshalb haben die Amerikaner soviel Aussichten , ihre Ziele zu erreichen , weil sie alles mit ihrem grossen Sinn fürs Praktische , ihrer angeborenen Organisationsgabe anfassen ; weil es eine Nation selbständiger Menschen ist ,