verwundert um , entdecken aber nichts . Draußen haben sie schon schmerzlich den gänzlichen Mangel an Bäumen , Früchten und Gemüsen bemerkt - und jetzt ist auch drinnen Alles nur unfruchtbarer Stein ! Marmor und Rubine , Gold und Silber , bunte Lampen und bunte Wände , entzückend gegliederte Kuppeln , ein bißchen Sammet und Seide , mächtige Granatsäulen , glitzernde Glasgrotten und ähnliche Sachen gibt ' s ja in unüberschaubarer Menge - doch von Hammelbraten , Schneckensalat und Feuerwein keine Spur ! » Engel , wo bleibt das Abendbrot ? « Also ruft demnach baldigst ziemlich einstimmig das ganze große Menschengeschlecht . Die Engel öffnen schweigend im Innern der Paläste und Dome kleine Seitenpforten , die bis dahin den Blicken der Menschen entzogen waren . Alle denken natürlich - jetzt gibt ' s zu essen , zu trinken und zu rauchen . Hei ! Wie sie sich freuen ! Indessen - diesmal ist die Enttäuschung noch viel größer . Das » alte « Leben grinst die Menschen an . Es steht eben » Alles « wieder auf . Doch ganz so schlimm wie damals , als die Sonne noch hell schien , ist das alte Elend nicht anzuschauen . Es ist anders umrahmt ! Im Palastgeschmack ! Die Säle und Zimmer , in denen die alte Beschäftigung wieder aufgenommen werden soll , sind mit so viel feinem Prunk umgeben , daß die » guten « Menschen doch mit großer Freude ins alte Fahrwasser hineinspringen , wenn ' s auch so unappetitlich ist wie schmutzige Wäsche . Ja ! Ja ! Das alte Leben ! Der eine muß wieder seine kranke Frau pflegen , die ohn ' Unterlaß stöhnt und klagt ; er beginnt den Tanz der Qual mit kalter Ruhe wieder von vorn , wie schon so oft - wirklich ein guter Mensch ! Ein andrer guter Mensch fängt wieder an , große Gesellschaften zu besuchen , und klagt dabei wieder über seine nie zu stillende Sehnsucht nach der ewigen Einsamkeit - genau wie einst . Ein Dritter ist wieder mit seinem Ruhme nicht zufrieden ; er will immer anders berühmt werden , was ihm natürlich nicht gelingt , da er selber nicht weiß , wie er ' s haben möchte . Ein Vierter bekämpft mit altem Mute seine riesige Sinnlichkeit und wird zum ächten Asketenhäuptling , läßt wieder seine eiserne Willenskraft bewundern , obgleich er sich in jeder stillen Stunde auslachen muß , da ja alle seine Kraft nur eine naturgemäße Folge von Ausschweifung und Ekel ist . Ein Fünfter hofft immer einen Sack mit Gold zu finden - und was findet er ? Einen Sack mit giftigen Witzen ! ! Ein Sechster muß stets vergeblich » Geld « besorgen - d.h. es gelingt ihm nie ! ! Und ein Siebenter muß zu Allem » Ja « und » Amen « sagen , was ihm von je so schwer fiel . Und die Millionen Andern arbeiten und regieren , befehlen und gehorchen - auch genau so wie einst . Die Maschinen rasseln wieder , und die Denkerköpfe rauchen wieder , die Kartoffelfelder tragen wieder ihre mehligen Früchte , die Säufer saufen ganz im alten Stile weiter , und die Verbrecher brechen wieder bei den Leuten , die was haben , ein . Alles ist wie einst ! - Es spielt sich bloß schön umrahmt in herrlichen Palästen und Domen ab , die so groß sind , daß man gar nicht durchsehen kann . Sonst ist kein Unterschied . Die guten Menschen sind natürlich mit Allem zufrieden - aber die bösen Menschen sind natürlich mit nichts zufrieden - ihnen genügt nicht die Alles belebende Sonne der Baukunst - sie wollen Abendbrot mit Austern und starkem Getränk - ununterbrochenes Vergnügen mit Tingeltangel und Schlittenfahrt . Die guten Engel wollen die bösen Menschen besänftigen und trösten , sagen freundlich : » Kinder , Ihr wißt gar nicht , was Euch frommt ! Leid und Freud sind in jedem Menschenleben ganz gleichmäßig verteilt . Diese ist ohne jenes gar nicht denkbar . Seid vernünftig ! Alle Wünsche sind nicht erfüllbar . Ist es nicht genug , daß wir Euch eine angenehme Umgebung geschaffen haben ? Ihr wollt bloß immer vergnügt sein - und das geht doch nicht . « » Warum nicht ? « schreien die Bösen . » Weil ' s Euch langweilen würde ! « antworten die Engel , und sie gähnen , während sie an ein ewiges Glück denken . Die Bösen aber lachen - so häßlich , daß die guten Engel ernstlich böse werden . » Man sollte Euch eigentlich , « fahren sie in schärferem Tone fort , » piesacken - mit feurigen Zangen . Die Dummheit muß mit Feuer und Schwert ausgerottet werden . Ihr werdet ' s niemals verstehen , daß anständig wohnen besser ist als anständig leben . Wie die Pflanzen der Erde hauptsächlich nur von Licht und Luft lebten , so sollt Ihr jetzt auch hauptsächlich von dem leben , was Euch umgibt - von dem Licht und von der Luft der göttlichen Baukunst , die die wahre Kunst ist . Ist es Euch tatsächlich nicht genug , in diesen himmlischen Strahlburgen leben zu können ? Wißt Ihr immer noch nicht , was es heißt : in einer Traumwelt daheim zu sein ? Das ist doch die prickelnde Auster der Armut ! Was sind dagegen alle Kaninchen des Reichtums ? Eine große Quarkerei - nicht mehr ! Euer Leben soll nur ein Akkord in der Sphärenmusik des Alls sein - Euer Schmerzenslaut ist also nicht zu entbehren - sonst wird ja die Sphärenmusik so weichlich wie Milchreis ! Ihr unglaublichen Nilpferde ! « Die Bösen schütteln sich vor Lachen und halten sich den Bauch . Die Engel bleiben aber ganz ernst , sie sagen noch traurig : » Ihr kommt ja sämtlich nicht zu kurz ! Die Qualen des Bettlers werden gleich mit Freuden belohnt , von denen die armen Könige nichts wissen . Und zu alledem kommt noch diese prunkvolle Traumwelt Eurer