- in Windhosen - selig dahin - wobei sie oft riesig rasch um sich selber gedreht werden . Dem Kaidôh stockt beinahe der Atem . Der Weltendurchflieger weiss gar nicht mehr , wo er ist . Unter sich sieht er eine grosse , dunkelgrüne Fläche , die er für eine Wiese hält . Es ist aber , wie Liwûna erklärt , keine Wiese - sondern ein grosses , herrliches Meer , in dem ungezählte Billionen von Smaragdsternen das Wasser bilden . Und aus dem sogenannten Meere ragen braune und türkisblaue Korallengebirge heraus . Das sind aber , wie Liwûna wieder erklärt , keine Gebirge - sondern Sternriesen , die wahrscheinlich baden . Das Donnern hört sich wie die Brandung des Smaragdmeeres an , und die Blitze zucken wie Phosphorwolken - so schnell folgen sich die einzelnen Blitze . Das Schiessen der Sturmmaschine will auch kein Ende nehmen . Aber die Lüfte werden doch allmählich ruhiger ; es geht ja so rasend schnell vorwärts . Die Beiden steigen höher und höher wie Luftballons im Orkane , so dass das grüne Meer unten nach einer guten Weile nur noch wie ein zarter Schleier schimmert . Und dann erblicken sie eine weite Pforte aus blauen Saphiren . Sie sehen vor sich nur die blaue Pforte , als ginge sie von einem Ende der Welt zum andern - sie bildet einen grossen Bogen ; die Saphire sind ebenfalls Sternwelten . Und sie fliegen durch die Pforte durch und in ein grosses Säulenreich hinein . Die Säulen sind so umfangreich , dass die Beiden lange fliegen müssen , um an einer Säule vorbeizukommen . Die Säulen sind alle aus einem festen Stück gearbeitet und sind nicht wieder bewegliche Sterne . Aber die Sterne fehlen auch hier nicht ganz ; an vielen Stellen befinden sich die Sterne auf der Rinde der Säulen - sitzen da so drauf wie Pilze auf altem Holz - wie Schimmel . Die Säulen sind gelb und leuchten , obgleich sie nicht glänzen und auch nicht durchsichtig sind . » Wir sind , « sagt Liwûna leise , » in den Vorhallen der Riesentempel . « » Haben die Riesen , « fragt Kaidôh , » auch Tempel ? Wozu haben sie die Tempel ? « Liwûna antwortet nicht , sie schweben schweigend neben dem blitzenden Sternschimmel weiter - langsam von einer gelben Säule zur andern . Es herrscht ein ziemlich dumpfes Dämmerlicht im grossen Säulenreich ; das Säulenlicht ist nicht sehr stark . Leise sagt die grosse Liwûna : » Du wolltest grössere Welten sehen . Waren dir nun die Welten , die ich dir zeigte , gross genug ? « Und Kaidôh erwidert feierlich : » Das waren sie . « » Aber , « fährt Liwûna fort , » deine Antwort klingt so , als wenn du mit einem neuen Aber weiter sprechen wolltest . Hast du das , was du suchtest , immer noch nicht gefunden ? « Kaidôh schweigt lange , und Liwûna unterbricht das Schweigen mit diesen Worten : » Lieber Kaidôh , du bist still , und dein Stillsein ist so beredt . Das Grosse allein macht es auch noch nicht - das willst du sagen . Ich verstehe dich , und ich freue mich , dass du immer noch suchst . « Kaidôh versteht ihre Freude nicht und fragt müde : » Was soll ich denn thun ? « Da sagt sie : » Du musst dir einen Schmerz bereiten : steige noch einmal hinab in die Abgründe deiner Vergangenheit . Denk an einen Kugelstern , der sich immer drehte und dir gar nicht gefallen wollte , da er nur einen einzigen Mond als Begleiter neben sich hatte . Du warst auf dem Stern anfangs ein Kind und noch nicht so gross wie jetzt - lange nicht so gross . Erinnerst du dich da vielleicht an einen roten Dornbusch , der vor einem alten Fenster blühte ? Die roten Blüten dufteten dir oft wie Marzipan . Weisst du das noch ? « Kaidôh denkt nach und schüttelt den Kopf ; zwar thut ers nicht , doch ist ihm so , als thäte ers . Liwûna fährt fort : » Du hast so vieles vergessen . Man möchte beinahe glauben : Leben sei Vergessen . Aber ich weiss , du erinnerst dich trotzdem an den roten Dornbusch ; hinter dem Fenster , in das er hineinblühte , stand eine alte Kommode aus Eichenholz mit zwei grossen , schwarzen Knöpfen zum Aufziehen der mittleren Schublade - weisst du noch ? Perlmutter sass an den Knöpfen . Und neben der Kommode knietest du öfters . « Die Sanftredende hält inne , und Kaidôh stösst rauh hervor : » Jetzt soll ich mich in diesen riesigen Säulenhallen an alte Kommoden mit grossen , schwarzen Knöpfen erinnern ! Nun ja ! Ich erinnere mich ganz deutlich ! « » Warum bist du so grimmig ? « versetzt die Liwûna , » neben der Kommode warst du doch nie so grimmig . Du fühltest dich dort einem Heilande nahe , und es wurde zu Zeiten alles in dir still . Den Heiland hast du bald vergessen . Aber an die stillen Stunden vor dem roten Dornbusch hast du noch oft gedacht . Und du hast dich oft nach ähnlichen stillen Stunden gesehnt . Und die hast du nicht gefunden . Kaidôh ! Höre doch ! Weisst du nun , was du suchst ? « Kaidôh horcht hinein in die Tempelstille und hört das Echo seines Atems . Und dann hört er sich leise sagen : » Stille Stunden such ich ! Aber ich habe doch keinen Heiland mehr . « Hastig erwidert die Liwûna : » Du musst eben einen neuen Heiland haben . Du wolltest immer grössere Welten sehen , und auch die grössten waren dir am Ende nicht gross genug . Dein neuer Heiland muss also grösser sein als alles Denkbare , nicht war ? Und wer kann grösser als alles sein ? « » Nur der Geist