, wenn sie meiner Hilfe bedarf ? « » Gewiß ! Das ist grad der große Vorteil , den unsere Frauen und Töchter während der Reise genießen , daß sie von jedem Mitreisenden unterstützt und beschützt werden ! « » Du , Sihdi , das finde ich reizend , sehr reizend ! Du weißt , wie gern ich meine Nebenmenschen beschütze . Es ist das schon bei Männern schön ; wie schön muß es da erst bei Frauen sein ! Denke dir , wenn ich als Dank ein freundliches Lächeln dafür bekäme ! « » Das wäre dir gewiß ! « » Wirklich ? Sie würde lächeln ? « » Aber ja ! Wenn du ihr einen freundlichen Dienst erweisest , lächelt sie dich auch freundlich an . « » Sihdi , ich bitte dich , von diesem freundlichen Lächeln des Dankes mußt du gegen Hanneh schweigen , sonst bekommt sie einen ganz falschen Begriff von eurer Eisenbahn , und das sollte mir leid thun ! « » Leid ? Dir ? Ich denke , du magst nichts von der Eisenbahn wissen ? « » Ganz richtig ! Eigentlich mag ich sie nicht leiden , ja ; aber wenn die Frauen nur bei braven , dienstbereiten Männern sitzen , welche mit einem Lächeln der freundlichen Anerkennung belohnt werden , so sehe ich keinen vernünftigen Grund , warum es grad mir verboten sein soll , auf der Eisenbahn zu fahren . Ich sage dir , wenn so eine Eisenbahn von hier nach Mekka ginge , ich würde wahrscheinlich nicht auf dem Kamele sitzen bleiben . « » Sondern fahren ? « » Ja . Was kann mir das Lächeln eines Kameles nützen , selbst wenn es nämlich lächeln könnte ! Dürfte ich denn einer solchen Frau auch von unseren Reisen , von unseren weiten und gefährlichen Ritten und von den Thaten des Mutes und der Tapferkeit erzählen , welche wir vollbracht haben ? « » Ja . Sie würde dir sogar dankbar dafür sein , denn durch diese Erzählungen würdest du die Langeweile von ihr fernhalten . « » Nicht nur das , sondern ich würde sogar ganz bedeutend zu ihrer Bereicherung in den Kenntnissen der Dschigrafia und Tarih29 beitragen , wofür ich wahrscheinlich auch ein freundliches Lächeln zu sehen bekäme ! Du , Effendi , das mit euern Eisenbahnen ist ganz anders , ganz anders , als ich dachte ! Warum hast du mir das von dem Lächeln nicht sogleich gesagt ? Du pflegst aber immer grad die Hauptsache zu vergessen ; das ist es , was ich an dir auszusetzen habe . Und wenn ich dadurch zu einer irrigen Ansicht verleitet werde , so wirfst du die Schuld nicht auf dich , sondern auf mich , der ich doch gar nichts dafür kann ! Jetzt sehe ich ein , daß eure Einrichtungen doch nicht so verwerflich sind , wie ich bisher gedacht habe , und - - - Da , schau empor , Sihdi ! Siehst du die beiden Nusura30 ? « » Ja , « antwortete ich . » Ich habe sie schon eine ganze Weile beobachtet . « » Sie schweben jetzt grad über uns ; sie scheinen uns also zu beobachten . « » Ja , das thun sie . Sie wollen sehen , ob sie von uns irgend eine Beute erwarten dürfen . Wenn sie über uns bleiben und uns begleiten , können wir überzeugt sein , daß wir uns ganz allein in dieser Gegend befinden . Uebrigens hast du dich in diesen Vögeln geirrt ; es sind keine Nusura . Unter Nisr versteht man den weißköpfigen Geier ; aber der mit seinem Weibchen da über uns schwebt , ist ein Bartgeier , el Büdsch genannt . Man sieht ihn häufiger in Aegypten und den Moghrebländern ; hier aber ist er sehr selten . Ich sah diese beiden vorhin aus Südwesten kommen . Sieh , da entfernen sie sich wieder , und zwar in dieser Richtung . Das ist mir interessant , höchst interessant ! « » Warum , Effendi ? « » Weil sie glauben , dort leichter Fraß zu finden als hier bei uns . « » Woher weißt du das ? « » Ich schließe es aus ihrem Verhalten . Diese Vögel sehen außerordentlich weit . Sie haben uns aus großer Entfernung gesehen und sind gekommen , uns zu betrachten . Da sie sich jetzt wieder entfernen , dürfen wir annehmen , daß es dort , woher sie kamen und wohin sie nun wieder fliegen , mehr Beute zu erwarten giebt als bei uns . Unsere Tiere sind gesund und kräftig ; darum bewegen wir uns rasch und energisch ; das wissen diese Vögel wohl zu beurteilen . Ich würde jede Wette darauf eingehen , daß es dort im Südwesten von uns leidende Wesen giebt , Menschen oder Tiere , wohl auch beides zugleich , deren Haltung und Bewegungen den Geiern Ursache zur Hoffnung auf baldigen , reichlichen Fraß geben . « Wir verfolgten die Vögel mit unseren Augen . Als Halef sie nicht mehr erkennen konnte , sah ich sie noch als kleine Punkte , welche sich nicht mehr weiter entfernten , sondern über einer bestimmten Stelle schwebten , die sicher sehr weit von uns entfernt war , obgleich die Geier nicht mehr als zwei Minuten gebraucht hatten , dorthin zu kommen . » Siehst du sie noch ? « fragte Halef . » Ja , « antwortete ich . » Sie stehen über einer bestimmten Stelle und gehen nicht von ihr fort . Es muß dort irgend ein gebrechliches Geschöpf oder auch mehrere geben « . » Vielleicht gar Leichen ! « » Möglich ; dann befinden sich aber lebende Personen dabei , vor denen die Geier sich fürchten , denn sonst würden sie schon längst niedergestoßen sein . « » Du sprichst von einem gebrechlichen Geschöpfe . Wäre es da nicht unsere Pflicht , Hilfe zu bringen ? « » Allerdings . « » Vielleicht aber handelt es sich