eine köstliche Sommergartenblume ! ihr hoheitsvolles Bild eingegraben in sein Gedächtnis , daß es dastand in leuchtender Schöne , wie von eines Raphael , eines Tizian Hand gemalt , tagsüber , wo er ging und stand , im Dunkel der Nacht selbst , wenn er das schlummerlose tief in die Kissen drückte , damit Klara , die nebenan mit den Kindern schlief , sein verzweifeltes Stöhnen nicht hörte ! Die gute Klara , die nicht ahnte , was Furchtbares das unselige Weib in seinem Herzen angerichtet hatte ! Und daß , wenn er sich von dem Graus lösen konnte - und er war jetzt sicher , er zu können - er es ihr und ihr allein verdankte ! Denn an dem Empfang , den die hochmütige Aristokratin seiner Gattin zu bereiten gewagt hatte , war er zur Besinnung gekommen . Ah ! dies verächtliche Zucken der Nasenflügel ! Dies hohnvolle Lächeln ! Diese demütigende Herablassung , mit der sie der Ärmsten dann schließlich doch die Hand gereicht - oder waren es nur ein paar Finger ? - Wenn er ihr das vergaß - und daß er selbst in dem Moment für sie Luft gewesen - verflucht wollte er sein in diesem Leben und in jenem , wenn es eines gab ! Nun ja , er hätte die Vorstellung unterlassen können . Wenn er es nicht gethan , die sich Sträubende fast zu dem Schritt gezwungen hatte , so war es doch aus einem Gefühl heraus gewesen , dessen er sich nicht zu schämen brauchte . Er wollte durch diese Gesellschaft nicht als ein Komödiant gegangen sein , der , mit einer Frau hinter sich , die Rolle des flotten Junggesellen spielt . Und ihr , der er gesagt hatte , daß er ärmster Bergleute Sohn sei , weshalb ihr die Dorfschulmeistertochter unterschlagen , mit der er da oben auf den Bergen gespielt und Vogelnester gesucht und sich verlobt , als er auf die Universität ging ; und der er Treue bewahrt die langen , langen Jahre unendlicher Arbeit durch Hunger und Kummer , bis er sie endlich als sein eheliches Weib heimführen konnte . Hatte er es denn je zu bereuen gehabt ? Nein , und tausendmal nein ! Wie einfach und unscheinbar sie sein mochte , - das war für ihn Axiom : es gab keine bravere Frau , keine sorgsamere Mutter ; keine , die ihn inniger liebte , es so treu und ehrlich mit ihm meinte , wenn auch manchmal ihre Formen zu wünschen ließen und ihre Rede hätte gewählter sein können . Was brauchte sie , der es stets ernst war mit dem , was sie sagte , Worten nachzujagen ? Traf sie darum nicht doch immer den Nagel auf den Kopf ? Hatte sie es nicht wieder diesmal gethan , als sie für sich die Einladung zu dem Ball nicht annehmen wollte und sagte : wenn Du es den Leuten schuldig zu sein glaubst und Du Dir etwas von dem Verkehr in dem Hause versprichst , - obgleich ich nicht recht sehen kann , was , und mit großen Herren ein für allemal schlecht Kirchen pflücken ist - nun , so gehe in Gottes Namen hin ; aber mich laß zu Haus ! Ich passe nicht dahin . Wenn Du eine Frau wolltest , mit der Du Staat machen konntest , hättest Du eine andere heiraten müssen . Ich gehöre ins Haus und in die Kinderstube . Unter all den feinen und geputzten Leuten werde ich eine traurige Rolle spielen und Dir nur im Wege stehen , wenn Du auch meinst , Du könntest mich so mit durchschleppen , und man würde mich Dir Deinethalben abnehmen . Ja , das hatte er gemeint , wenn er sich auch weislich gehütet hatte , es zu sagen . Er hatte gemeint : man wird es Dir in den Kreisen zur Ehre anrechnen , daß Du , der Du zu ganz andern Ansprüchen berechtigt bist , treu zu der kleinen , unscheinbaren Frau hältst . Es ist wahr : während der Stunde bei Tisch hatte er sie in dem Taumel seines Entzückens vergessen , bis die Rede auf seine Abstammung kam , er vielmehr die Rede darauf brachte , um nun von seinem bescheidenen Lehrerhaushalt zu sprechen und dem Vivitur parvo bene des Horaz und seiner guten , kleinen Frau . Und gerade da mußte die Tafel aufgehoben werden ! Gerade in dem Moment , als das aristokratische Eisen zu glühen begann , es nur vielleicht noch eines geschickten Schlages bedurft hätte , daß der Funke heraussprang : ich muß Ihre Frau kennen lernen ! Die Frau eines Mannes , wie Sie , kann nicht anders als eine Elite-Natur sein , die ich zu meiner Freundin machen , die ich lieben werde ! O , des Thoren , der er gewesen war ! des jämmerlichen Thoren , der sich eine volle Stunde lang am Narrenseil hatte führen lassen , um - dahin geschickt zu werden , wohin die Narren gehören ! Gut ! es war ihm eine Lehre gewesen , die er nicht wieder vergessen würde . Von Stund an wollte er nur seinem Berufe leben . Und wenn er auch das Träumen nicht würde lassen können - wer kann dem Seidenwurm verbieten zu spinnen ! - er wollte fürder nie wieder in diese Schwäche verfallen ; sich immer bewußt bleiben , daß die Wirklichkeit Wirklichkeit ist und die Träume Träume sind ! Und nur ein unklarer Kopf beide durcheinander mischt ! Er war kein unklarer Kopf - er nicht ! - Es war inmitten eines solcher Selbstgespräche , die Albrecht in diesen Tagen endlos hielt , daß Auguste , der Familie Mädchen für alles , ihm ein Briefchen brachte , dessen Aufschrift von unbekannter , offenbar weiblicher Hand sein Herz schlagen machte . Bereute sie die kalte Grausamkeit , mit der sie ihn verabschiedet hatte ? wollte sie Abbitte leisten ? Sollte er ihr verzeihen ? Mit bebenden Händen erbrach er das Billet , hastig nach der