Herbst- und Ebereschentage da waren , als eine höhere Form von Schwarzsauer auf den Tisch zu kommen pflegten . Engelke präsentierte Burgunder dazu , der schon lange lag , noch aus alten besseren Tagen her , und als jeder davon genommen , erhob sich Dubslav , um erst kurz seine lieben Gäste zu begrüßen , dann aber die Damen leben zu lassen . Er müsse bei diesem Plural bleiben , trotzdem die Damenwelt nur in einer Einheit vertreten sei ; doch er gedenke dabei neben seiner lieben Freundin und Tischnachbarin ( er küßte dieser huldigend die Hand ) zugleich auch der » Gemahlin « seines Freundes Katzler , die leider - wenn auch vom Familienstandpunkt aus in hocherfreulichster Veranlassung - am Erscheinen in ihrer Mitte verhindert sei : » Meine Herren , Frau Oberförster Katzler « - er machte hier eine kleine Pause , wie wenn er eine höhere Titulatur ganz ernsthaft in Erwägung gezogen hätte - , » Frau Oberförster Katzler und Frau von Gundermann , sie leben hoch ! « Rex , Czako , Katzler erhoben sich , um mit Frau von Gundermann anzustoßen , als aber jeder von ihnen auf seinen Platz zurückgekehrt war , nahmen sie die durch den Toast unterbrochenen Privatgespräche wieder auf , wobei Dubslav als guter Wirt sich darauf beschränkte , kurze Bemerkungen nach links und rechts hin einzustreuen . Dies war indessen nicht immer leicht , am wenigsten leicht bei dem Geplauder , das der Hauptmann und Frau von Gundermann führten und das so pausenlos verlief , daß ein Einhaken sich kaum ermöglichte . Czako war ein guter Sprecher , aber er verschwand neben seiner Partnerin . Ihres Vaters Laufbahn , der es ( ursprünglich Schreibund Zeichenlehrer ) in einer langen , schon mit Anno dreizehn beginnenden Dienstzeit bis zum Hauptmann in der » Plankammer « gebracht hatte , gab ihr in ihren Augen eine gewisse militärische Zugehörigkeit , und als sie , nach mehrmaligem Auslugen , endlich den ihr wohlbekannten Namenszug des Regiments Alexander auf Czakos Achselklappe erkannt hatte , sagte sie : » Gott ... , Alexander . Nein , ich sage . Mir war aber doch auch gleich so . Münzstraße . Wir wohnten ja Linienstraße , Ecke der Weinmeister - das heißt , als ich meinen Mann kennenlernte . Vorher draußen , Schönhauser Allee . Wenn man so wen aus seiner Gegend wiedersieht ! Ich bin ganz glücklich , Herr Hauptmann . Ach , es ist zu traurig hier . Und wenn wir nicht den Herrn von Stechlin hätten , so hätten wir so gut wie gar nichts . Mit Katzlers « , aber dies flüsterte sie nur leise , » mit Katzlers ist es nichts ; die sind zu hoch raus . Da muß man sich denn klein machen . Und so toll ist es am Ende doch auch noch nicht . Jetzt passen sie ja noch leidlich . Aber abwarten . « » Sehr wahr , sehr wahr « , sagte Czako , der , ohne was Sicheres zu verstehen , nur ein während des Dubslavschen Toastes schon gehabtes Gefühl bestätigt sah , daß es mit den Katzlers was Besonderes auf sich haben müsse . Frau von Gundermann aber , den ihr unbequemen Flüsterton aufgebend , fuhr mit wieder lauter werdender Stimme fort : » Wir haben den Herrn von Stechlin , und das ist ein Glück , und es ist auch bloß eine gute halbe Meile . Die meisten andern wohnen viel zu weit , und wenn sie auch näher wohnten , sie wollen alle nicht recht ; die Leute hier , mit denen wir eigentlich Umgang haben müßten , sind so diffizil und legen alles auf die Goldwaage . Das heißt , vieles legen sie nicht auf die Goldwaage , dazu reicht es bei den meisten nicht aus ; nur immer die Ahnen . Und sechzehn ist das wenigste . Ja , wer hat gleich sechzehn ? Gundermann ist erst geadelt , und wenn er nicht Glück gehabt hätte , so wär es gar nichts . Er hat nämlich klein angefangen , bloß mit einer Mühle ; jetzt haben wir nun freilich sieben , immer den Rhin entlang , lauter Schneidemühlen , Bohlen und Bretter , einzöllig , zweizöllig und noch mehr . Und die Berliner Dielen , die sind fast alle von uns . « » Aber , meine gnädigste Frau , das muß Ihnen doch ein Hochgefühl geben . Alle Berliner Dielen ! Und dieser Rhinfluß , von dem Sie sprechen , der vielleicht eine ganze Seenkette verbindet und woran mutmaßlich eine reizende Villa liegt ! Und darin hören Sie Tag und Nacht , wie nebenan in der Mühle die Säge geht , und die dicht herumstehenden Bäume bewegen sich leise . Mitunter natürlich ist auch Sturm . Und Sie haben eine Pony-Equipage für Ihre Kinder . Ich darf doch annehmen , daß Sie Kinder haben ? Wenn man so abgeschieden lebt und so beständig aufeinander angewiesen ist ... « » Es ist , wie Sie sagen , Herr Hauptmann ; ich habe Kinder , aber schon erwachsen , beinah alle , denn ich habe mich jung verheiratet . Ja , Herr von Czako , man ist auch einmal jung gewesen . Und es ist ein Glück , daß ich die Kinder habe . Sonst ist kein Mensch da , mit dem man ein gebildetes Gespräch führen kann . Mein Mann hat seine Politik und möchte sich wählen lassen , aber es wird nichts , und wenn ich die Journale bringe , nicht mal die Bilder sieht er sich an . Und die Geschichten , sagt er , seien bloß dummes Zeug und bloß Wasser auf die Mühlen der Sozialdemokratie . Seine Mühlen , was ich übrigens recht und billig finde , sind ihm lieber . « » Aber Sie müssen doch viele Menschen um sich herum haben , schon in Ihrer Wirtschaft . « » Ja , die hab ich , und die Mamsells , die man so kriegt , ja