verstiehst denn du vun a Geschäften ! « Die Bäuerin schien mehr betrübt als beleidigt über diese Worte des Gatten . Sie zog sich schweigend in ihre Ecke zurück . Gustav überlegte eine Weile , welchen Rat er seinem Vater geben solle . Einen Augenblick dachte er daran , dem Vater abermals vorzuschlagen , daß er seinen Wald an die Herrschaft verkaufen möchte . Aber , dann fiel ihm ein , wie dieser Vorschlag den Alten vorhin erbost hatte . Er kannte seinen Vater , den hatte noch niemals jemand von seiner Ansicht abgebracht . » Ich weiß keenen andern Rat , Vater , « sagte er schließlich . » Ihr müßt in die Stadt . Hier weit und breit is doch keen Mensch mit Gelde , außer Kaschelernsten . In der Stadt , dächt ' ch , müßte doch Geld zu bekommen sein . « » Das ho ' ch och schun gedacht ! « meinte der Büttnerbauer mit nachdenklicher Miene . Es trat ein langes Schweigen ein . Man hörte nur das leichte Knarren der Stricke in den Haken und das Knistern des Korbes , in welchem Therese den Säugling hin und her schaukelte . - Jetzt traten die beiden Mädchen ins Zimmer . Toni war im vollen Staate . Ihre üppigen Formen waren in ein Kleid von greller , blauer Farbe gezwängt , das vorn etwas zu kurz geraten war , und so die plumpen , schwarzen Schuhe sehen ließ . An ihrem Halse blitzte eine Brosche von buntem Glase . Ihr blondes Haar hatte sie stark pomadisiert , so daß es streifenweise ganz braun aussah . Offenbar war sie sehr stolz über den Erfolg ihrer Toilettenkünste . Steif und gezwungen , als sei sie von Holz , bewegte sie sich . Denn die Zugschuhe , der Halskragen und das Korsett waren ihr ungewohnte Dinge . Sie ging einher wie eine Puppe . Gustav , der in der Stadt seinen Geschmack gebildet hatte , belächelte die Schwester . Heute abend sei Tanz im Kretscham , berichtete Toni dem Bruder . Sie hoffte , daß er sie dahin begleiten würde , darum hatte sie sich auch so besonders herausgeputzt , um vor seinem verwöhnten Auge zu bestehen . - Der alte Bauer , der allen Putz und unnützen Tand nicht leiden mochte , brummte etwas von » Pfingstuchse « ! Aber , die Bäuerin nahm die Tochter in Schutz . Am Sonntage wolle solch ein Mädel auch einmal einen Spaß haben , wenn sie sich Wochentags abgerackert habe im Stalle , Hause und auf dem Felde . Das Abendbrot wurde zeitiger anberaumt , damit die Kinder nichts von dem Vergnügen versäumen sollten . Gustav begleitete die Schwester zum Kretscham . Unterwegs erzählte ihm Toni , daß Ottilie , die Tochter Kaschelernsts , des Kretschamwirtes , in den letzten Tagen wiederholt und zuletzt heute früh in der Kirche gefragt habe , ob Gustav nicht zum Tanze in den Kretscham kommen werde . Der Unteroffizier konnte sich eines Lachens nicht enthalten , sobald er nur die Cousine erwähnen hörte . Ottilie Kaschel war um einige Jahre älter als er , aber , als die Tochter Kaschelernsts , wohl die beste Partie von Halbenau . Gustav hatte sich in früheren Zeit gelegentlich sein Späßchen mit ihr erlaubt ; er wußte ganz gut , daß sie ihn gern mochte , aber der Gedanke an ihre Erscheinung machte ihn lachen . Sie hatten ein Pferd bei der Schwadron , einen alten Schimmel : die » Harmonika « , dürr , überbaut , mit Senkrücken ; an den erinnerte ihn seine Cousine Ottilie . Gustav ließ die Schwester allein in den Kretscham treten . Er sagte , er werde nachkommen . Oben im Saale glänzten schon die Fenster , das Schmettern der Blechmusik , untermischt mit dem dumpfen Stampfen und Schleifen der Tänzer , drang auf die Straße hinaus . Gustav lockte das nicht ; ihn erwarteten heute abend ganz andere Freuden . Auf Seitenpfaden , zwischen Gärten und Häusern hin , schlich er sich durch die Nacht . Um nicht angesprochen zu werden , stieg er , als ihm ein Trupp junger Leute entgegenkam , über einen Zaun . Bei Katschners Pauline brannte ein Lämpchen . Sie wartete auf ihn . Sie hatten nichts verabredet heute früh , und doch wußten beide , was der Abend bringen würde . Er klopfte vorsichtig an ihr Fenster . Da wurde auch schon der Vorhang zurückgeschoben . Eine weiße Gestalt erschien für einen Augenblick hinter den Scheiben . Ein kleines Schiebefensterchen öffnete sich . » De Tiere is uff , Gustav ! Mach keenen Lärm , de Mutter is derheme . « Der Unteroffizier zog sich die Stiefeln aus und reichte sie wortlos dem Mädchen zum Fenster hinein . Dann schlich er sich , mit den Bewegungen einer Katze , durch die niedere Tür in das Häuschen . Gleich darauf verlöschte das Licht in Paulinens Zimmer . III. Einige Tage später fuhr der Büttnerbauer im korbgeflochtenen Kälberwägelchen durchs Dorf . Er saß ganz vorn im Wagen , so daß er den Pferdeschwanz beinahe mit den Füßen berührte , auf einem Gebund Heu , hinter ihm lagen eine Anzahl gefüllter Säcke . Er hatte sich rasiert , was er sonst nur am Sonnabend abend tat , er trug ein reines Hemd , den schwarzen Rock und einen flachen Filzhut - sichere Wahrzeichen , daß es nach der Stadt ging . Als er am Kretscham von Halbenau vorbeikam , stand dort sein Schwager Ernst Kaschel in der Tür , Zipfelmütze auf dem Kopfe , die Hände unter der Schürze , in der echten Gastwirtspositur . Der Bauer stellte sich , als sähe er den Gatten seiner verstorbenen Schwester nicht , blickte vielmehr steif geradeaus auf die Landstraße , während er sich dem Kretscham näherte , und gab dem Rappen die Peitschenschmitze zu fühlen , damit er sich in Trab setzen solle . Der Büttnerbauer war seinem Schwager Kaschel niemals grün gewesen . Das gespannte Verhältnis zwischen den Verwandten