a Grashupfer ! Aber z ' erst , da bin ich a bißl erschrocken . « » Hättst kein Kummer net haben brauchen . Wann ' s gfehlt hätt , wär schon ich bei der Hand gwesen . « Sie nickte ihm freundlich zu . » Vergeltsgott ! Aber es hat ' s net braucht . Der hat net amal ' s Schneidergewicht . Den muß man mit Schmalz einreiben , daß er fett wird . Wo is er denn ? « Sie guckte über die Schulter ; als sie den Pfad noch immer leer sah , meinte sie besorgt : » Er wird doch nit ungut gfallen sein ? « » Gott bewahr ! Grad rappelt er sich in d ' Höh ! « Hinter der geknickten Bretterplanke erschien der grasgrüne Spitzhut mit der trauernden Hahnenfeder . » No also ! « Mit diesem Wort schien die Sache für sie erledigt . An dem Gezweig eine Stütze suchend , stieg sie auf die Kante des Zaunes , faßte die Hand , die ihr der Jäger reichte , und sprang zu Boden . » Bhüt dich Gott , Jager ! « grüßte sie lächelnd . » Bhüt dich Gott auch ! « Sie schritt davon , und Franzl sah ihr betroffen nach . Nun plötzlich , an ihrem Lächeln , war ihm etwas aufgefallen ; er mußte sie schon einmal gesehen haben . Nach wenigen Schritten blieb sie stehen und sah sich um . Die Augen der beiden trafen sich , und eines schien dem andern sagen zu wollen : » Mir scheint , ich müßt dich kennen ! « Aber sie schwiegen , und das Mädel ging ; hinter den Haselnußstauden verschwand es ; nur ein paarmal leuchtete zwischen dem Grün noch die weiße Schürze . Franzl schob von hinten den Hut in die Stirn ; das tat er immer , wenn er zu denken hatte . Dann stieg er über den Zaun und folgte dem eingeplankten Pfad . Hinter den Brettern sah er den traurigen Ritter stehen , der ratlos einen handbreiten Riß in seiner neuen Lederhose musterte . Lachend streckte Franzl die Hand über die Planke und klopfte ihn auf die Schulter . » Ja , Mannderl , bei uns kosten die Busserln Hosenfleck ! In der Stadt sind s ' billiger . « Nach kurzem Weg erreichte der Jäger sein Heimwesen , ein freundliches Haus mit frisch geweißter Mauer und grünen Fensterläden , Hofraum und Garten mit Sorgfalt gepflegt , der ganze Besitz von einem hohen Staketenzaun umschlossen . Als Franzl das Pförtchen öffnete , erhob sich von einem der Gartenbeete ein alte Frau mit stillen Augen und weißem Faltengesicht , das von dem grauen , tief in die Schläfe gekämmten Haar wie von einer verblaßten Haube umrahmt war . » Grüß dich Gott , Bub ! « » Grüß Gott , Mutter ! Wie geht ' s allweil ? « » Es tut ' s. Und dir ? Is dir ' s allweil gut gangen am Berg ? « » Am Berg ? Da droben geht ' s eim allweil gut ! « lachte Franzl . Seine Mutter schien ein feines Ohr zu haben . Dieses Lachen klang nicht wie sonst . Und die Liebe in Menschen , die Unglück erfuhren , ist immer furchtsam . Forschend hingen die Augen der Försterin an ihrem Sohn . » Franzl ? Hat der Herr Graf wieder gscholten ? Oder fangt der Schipper seine scheinheiligen Gschichten wieder an ? « » Gott bewahr ! Nix , gar nix ! Mußt dir denn allweil Sorgen machen , wo keine sind ? « Er faßte die Hand der Mutter und streichelte die welken Finger . » Geh , du Sorgenhaferl , du alts ! « Die Horneggerin , wenn einmal eine Sorge in ihr wach geworden , war so leicht nicht wieder zu beruhigen . » Warum kommst denn heim ? Mitten unter der Woch ? « » Treiber muß ich bstellen , der Herr Graf will riegeln . Und was ich fragen will , Mutter - is bei uns net grad a Madl vobeigangen ? « » Ja . Warum fragst ? Hast es nimmer kennt ? Bist doch mit ihr in d ' Schul gangen ! Die Bruckner-Mali ! « » Die Maaali ? « Der Name hing ihm an der Zunge wie ein zehnsilbiges Wort . Daß er aber auch die Mali nicht gleich erkannt hatte ! Als Kinder waren sie unzertrennlich gewesen , bis im Försterhaus das blutige Unglück Einkehr hielt , vor vierzehn Jahren . Da war der Bub durch Wochen nicht von der Seite der Mutter gewichen ; und als er eines Abends die kleine Freundin wieder suchte , war sie verschwunden . Eine ältere Schwester , die in eine weit entfernte Ortschaft geheiratet , hatte das Mädel zu sich genommen . Und jetzt war die Mali wieder heimgekehrt ? Sie hatte sich sauber ausgewachsen ! Und weshalb sie gekommen war , das meinte Franzl zu erraten . Dem Bruckner , ihrem Bruder , war das Weib gestorben , er hatte drei Kinder , Not und Krankheit in der Stube . Da waren ihm zwei gesunde Arme zur Hilfe mehr als nötig . Und daß die Mali zwei feste Arme besaß , davon hatte Franzl sich vor einem Viertelstündchen zur Genüge überzeugt - er und noch ein anderer ! » Die Mali ! Jetzt is dös gar die Mali gwesen ! « Mit vergnügtem Schmunzeln schüttelte Franzl den Kopf und folgte der Mutter ins Haus . Der Abend sank , und aus den Wiesen begann ein dünner Nebel zu dampfen , der sich gleich einem weißen Schleier über die Haselnußstauden aller Pfade legte . - Noch vor Einbruch der Dämmerung hatten auch Kitty und Tante Gundi das Parktor von Schloß Hubertus erreicht . Auf dem ganzen Wege hatten sie kein Wort miteinander gewechselt . Als aber Gundi Kleesberg die Hand nach der Torklinke streckte , verstellte ihr Kitty den Weg . » Tante Gundi