Freundin und Gönnerin , nach demselben Ansatz hab ich mir auch den Fortschritt und den Konservatismus berechnet und bin dahintergekommen , daß mir der Konservatismus , ich will nicht sagen mehr abwirft , das wäre vielleicht falsch , aber besser zu mir paßt , mir besser kleidet . Besonders seitdem ich Kommerzienrat bin , ein Titel von fragmentarischem Charakter , der doch natürlich seiner Vervollständigung entgegensieht . « » Ah , ich verstehe . « » Nun sehen Sie , l ' appétit vient en mangeant , und wer A sagt , will auch B sagen . Außerdem aber , ich erkenne die Lebensaufgabe des Weisen vor allen Dingen in Herstellung des sogenannten Harmonischen , und dies Harmonische , wie die Dinge nun mal liegen , oder vielleicht kann ich auch sagen , wie die Zeichen nun mal sprechen , schließt in meinem Spezialfalle die fortschrittliche Bürgerkrone so gut wie aus . « » Sagen Sie das im Ernste ? « » Ja , meine Gnädigste . Fabriken im allgemeinen neigen der Bürgerkrone zu , Fabriken im besonderen aber - und dahin gehört ausgesprochenermaßen die meine - konstatieren den Ausnahmefall . Ihr Blick fordert Beweise . Nun denn , ich will es versuchen . Ich frage Sie , können Sie sich einen Handelsgärtner denken , der , sagen wir auf der Lichtenberger oder Rummelsburger Gemarkung , Kornblumen im großen zieht , Kornblumen , dies Symbol königlich preußischer Gesinnung , und der zugleich Petroleur und Dynamitarde ist ? Sie schütteln den Kopf und bestätigen dadurch mein Nein . Und nun frage ich Sie weiter , was sind alle Kornblumen der Welt gegen eine Berliner-Blau-Fabrik ? Im Berliner Blau haben Sie das symbolisch Preußische sozusagen in höchster Potenz , und je sicherer und unanfechtbarer das ist , desto unerläßlicher ist auch mein Verbleiben auf dem Boden des Konservatismus . Der Ausbau des Kommerzienrätlichen bedeutet in meinem Spezialfalle das natürlich Gegebene ... jedenfalls mehr als die Bürgerkrone . « Die Ziegenhals schien überwunden und lachte , während Krola , der mit halbem Ohr zugehört hatte , zustimmend nickte . So ging das Gespräch in der Mitte der Tafel , aber noch heiterer verlief es am unteren Ende derselben , wo sich die junge Frau Treibel und Corinna gegenübersaßen , die junge Frau zwischen Marcell Wedderkopp und dem Referendar Enghaus , Corinna zwischen Mister Nelson und Leopold Treibel , dem jüngeren Sohne des Hauses . An der Schmalseite des Tisches , mit dem Rücken gegen das breite Gartenfenster , war das Gesellschaftsfräulein , Fräulein Honig , placiert worden , deren herbe Züge sich wie ein Protest gegen ihren Namen ausnahmen . Je mehr sie zu lächeln suchte , je sichtbarer wurde der sie verzehrende Neid , der sich nach rechts hin gegen die hübsche Hamburgerin , nach links hin , in fast noch ausgesprochenerer Weise , gegen Corinna richtete , diese halbe Kollegin , die sich trotzdem mit einer Sicherheit benahm , als ob sie die Majorin von Ziegenhals oder doch mindestens das Fräulein von Bomst gewesen wäre . Die junge Frau Treibel sah sehr gut aus , blond , klar , ruhig . Beide Nachbarn machten ihr den Hof , Marcell freilich nur mit erkünsteltem Eifer , weil er eigentlich Corinna beobachtete , die sich aus dem einen oder andern Grunde die Eroberung des jungen Engländers vorgesetzt zu haben schien . Bei diesem Vorgehen voll Koketterie sprach sie übrigens so lebhaft , so laut , als ob ihr daran läge , daß jedes Wort auch von ihrer Umgebung und ganz besonders von ihrem Vetter Marcell gehört werde . » Sie führen einen so schönen Namen « , wandte sie sich an Mister Nelson , » so schön und berühmt , daß ich wohl fragen möchte , ob Ihnen nie das Verlangen gekommen ist ... ? « » O yes , yes ... « » ... Sich der Fernambuk- und Campecheholzbranche , darin Sie , soviel ich weiß , auch tätig sind , für immer zu entschlagen ? Ich fühle deutlich , daß ich , wenn ich Nelson hieße , keine ruhige Stunde mehr haben würde , bis ich meine Battle at the Nile ebenfalls geschlagen hätte . Sie kennen natürlich die Einzelheiten der Schlacht ... « » Oh , to be sure . « » Nun , da wär ich denn endlich - denn hierlandes weiß niemand etwas Rechtes davon - an der richtigen Quelle . Sagen Sie , Mister Nelson , wie war das eigentlich mit der Idee , der Anordnung zur Schlacht ? Ich habe die Beschreibung vor einiger Zeit im Walter Scott gelesen und war seitdem immer im Zweifel darüber , was eigentlich den Ausschlag gegeben habe , ob mehr eine geniale Disposition oder ein heroischer Mut ... « » I should rather think , a heroical courage ... British oaks and British hearts ... « » Ich freue mich , diese Frage durch Sie beglichen zu sehen , und in einer Weise , die meinen Sympathien entspricht . Denn ich bin für das Heroische , weil es so selten ist . Aber ich möchte doch auch annehmen , daß das geniale Kommando ... « » Certainly , Miss Corinna . No doubt ... England expects that every man will do his duty ... « » Ja , das waren herrliche Worte , von denen ich übrigens bis heute geglaubt hatte , daß sie bei Trafalgar gesprochen seien . Aber warum nicht auch bei Abukir ? Etwas Gutes kann immer zweimal gesagt werden . Und dann ... eigentlich ist eine Schlacht wie die andere , besonders Seeschlachten - ein Knall , eine Feuersäule , und alles geht in die Luft . Es muß übrigens großartig sein und entzückend für alle die , die zusehen können ; ein wundervoller Anblick . « » O splendid ... « » Ja , Leopold « , fuhr Corinna fort , indem sie sich plötzlich an ihren andern Tischnachbar wandte , » da sitzen Sie nun und lächeln . Und warum lächeln Sie ? Weil