, und er suchte nicht wie sonst ihr zu entfliehen ... Eine holdselige Gestalt stieg vor ihm auf : die Liebe seiner Jugend , seine schwer errungene Frau ... Für eine der Töchter des Hauses , welchem sie entstammte , war Graf Wolfsberg kein ebenbürtiger Freier ; sie gingen fürstliche Verbindungen ein oder blieben unvermählt . Und dennoch hatte er sie heimgeführt , dem Vorurteil zum Trotze , weil er ihr heißes Herz zu gewinnen verstanden , weil sie , zur Entsagung gezwungen , gestorben wäre und weil ihre Eltern , die schwachen , törichten , sie nicht sterben lassen wollten ... Hätten sie es doch getan - welch einen süßen und schönen Tod hätte sie damals gehabt ! Sie hätte aus dem Dasein scheiden können , unenttäuscht , im frommen Glauben an den Geliebten . Aber das wurde ihr nicht vergönnt . Sie sollte das Ärgste kennenlernen , bevor sie scheiden durfte , den Zweifel an ihm , an seiner Ehrlichkeit , Wahrhaftigkeit und Treue , an allem , was den Wert des Mannes begründet . Eine gräßliche Empfindung , die sie für Verachtung hielt und die Eifersucht war , bemächtigte sich ihrer . Sie heuchelte nun selbst , spielte die Ahnungslose und forschte und beobachtete ihn und ihren Gast , seine Mitschuldige und sein Opfer , die kleine Schlange Alma , die eben erst aus der Kinderstube in ihre - freilich trostlose -Ehe getreten war , forschte und beobachtete und hatte nur noch einen Wunsch , einen Gedanken , ein Ziel , die Schuldigen zu entlarven , ihnen die Worte ins Gesicht zu schleudern : Feiglinge und Verräter ! Da erniedrigte sie sich zur Lauscherin an den Türen , da horchte , da erhorchte sie , was ihr den Verstand raubte - - Ihre rast- und trostlosen Wanderungen begannen , ihre leichten Schritte glitten durch das stille Haus und weckten mit ihrem kaum hörbaren Schall einen nagenden , nie ruhenden Vorwurf . Er kam nach Jahren und Jahren dem Sinnenden noch zum Bewußtsein , und wenn auch nicht eben Reue , so erweckte er doch nicht mehr die Empörung von einst . Im Zimmer nebenan ließen Stimmen sich vernehmen . Maria wechselte einige Worte mit dem Kammerdiener , der sich ' s nicht hatte versagen können , heute mit ganz besonderer Dienstbeflissenheit die Türen vor ihr aufzureißen . Sie trat ein und ging langsam auf ihren Vater zu : » Du hast mich rufen lassen , es war überflüssig , ich wäre ohnehin gekommen , ich habe dir noch viel zu sagen . « Er lächelte : » Ganz mein Fall dir gegenüber . - Setz dich . « Maria rückte einen Sessel in die Nähe des Schreibtisches und nahm Platz . Der Graf streifte sie mit einem Blicke ; dann sah er hartnäckig an ihr vorbei ins Leere . - Das Ebenbild ihrer Mutter , dachte er , aber ihr Schicksal wird ein anderes sein . In dieser schönen Hülle wohnt eine stärkere Seele , ein kräftigerer Geist . Sie ist mein Kind ... mein liebes Kind , das ich jetzt hingebe ... Eine plötzliche Wehmut erfaßte ihn , eine Art Mitleid mit sich selbst , das er verspottete . Begann er vielleicht schon alt zu werden und sentimental ? ... Er nahm sich zusammen , er richtete sich gerade auf : » Morgen also - « » Morgen also , Vater « - ein Beben lief durch ihre ganze Gestalt , sie beugte sich , und seines abwehrenden Winkes nicht achtend , fiel sie vor ihm auf die Knie nieder und schlang die Arme um seinen Hals . » Einmal laß mich dir danken « , sprach sie mit erstickter Stimme , » einmal nur dir sagen : Ich danke dir für alles . « Ein trockenes Schluchzen entrang sich seiner Brust . Er preßte sie an sich , daß ihr der Atem verging , er drückte seine Lippen auf ihre Haare , auf ihre Stirn und zog sie immer und immer wieder an sein Herz . Endlich erhoben sich beide und gingen lange nebeneinander in ernstem Gespräche auf und ab . Mitternacht war vorbei , als der Graf seine Tochter mit einem kurzen : » Gute Nacht , Maria « , fortschickte . Sie stand schon auf der Schwelle , da rief er sie zurück . Es drängte ihn , ihr ein letztes Geschenk , eine Erinnerung an diese Stunde mitzugeben . Suchend sah er im Zimmer umher ; sein Blick blieb auf einer kostbaren , goldtauschierten Kassette haften , die auf einem Schranke stand : » Nimm das , es ist längst dein Eigentum , es gehörte deiner armen Mutter . « 5 Bei der Vermählung am nächsten Tage war alles mustergültig , das Arrangement des Ganzen , die Haltung des Brautpaares , die Toilette der Braut , die Auffahrt vor der Kirche , die Trauung , das Diner und die Equipage Dornachs , in der die jungen Eheleute am Abend nach dem Nordbahnhofe fuhren . Sie hatten einen langsamen Zug gewählt , um nicht allzu früh am Morgen im Schlosse einzutreffen , wo ein feierlicher Empfang ihrer wartete . Maria drückte sich in eine Ecke des Waggons . Ein Schauer der Angst hatte sie durchrieselt , als die Tür zugeschlagen worden . Da war sie nun allein mit dem Manne , der sie liebte und Herrenrechte auf sie besaß . Gestern noch fühlte sie sich stärker als er ; wie hatte sich das so plötzlich geändert - nun zitterte sie vor ihm . Er bemerkte es wohl , und sein Herz schwoll vor Stolz und Glück . - Fürchte dich nicht , hätte er ihr zurufen mögen , du bist mir so heilig , wie du mir teuer bist ... Nicht dein Vater , nicht der Priester konnten dich mir schenken , das kannst nur du allein , und um dieses höchste Gut will ich ringen und werben . Aber er dachte : Nein , nicht Worte machen , beweisen ! Und dann