werden . » Das ist also unser berühmter Proletarier des Geistes - sagtest Du nicht , liebe Lydia , daß Du Dich für den Ul-k - - pardon , Herr Doktor ! - interessirtest ? Ich erzählte Dir doch neulich davon ... nicht wahr - der Herr Doctor sieht gar nicht so proletarierhaft aus , gar nicht so ... ? - « Frau Lydia Lange und Adam Mensch sahen sich scharf in die Augen . Dann rümpfte die Dame ein Wenig das feine Näschen und meinte leichthin : » Es kommt so oft vor , daß man in Wirklichkeit doch das ist , was man sich - einbildet - « » Aber Lydia - « wehrte Herr Quöck mit poussirlicher Erschrockenheit ab . Adam war einen kleinen Augenblick verblüfft . Auf eine derartige ... hm ! immerhin paradoxe Conversation war er kaum gefaßt gewesen . Dann verzog er den Mund zu einem nachsichtig-ironischen Lächeln und parirte ab : » Sie haben so Unrecht nicht , gnädige Frau . Aber ich möchte mir eine Lanze , sogar eine warme Lanze , wie man zu sagen pflegt , für die andere Seite Ihrer Behauptungsmedaille - wie geschmacklos ! dachte er bei sich , als ihm diese nette Metapher entfahren war - zu brechen erlauben . - Es giebt nämlich in der That auch Fälle , wo ... wo ... nun sagen wir : wo man sich das nicht einbildet , was man im Grunde - auch ... nicht ist - « Herr Quöck that sehr verwundert über diese Art von Unterhaltung . Die Beiden schienen ja sogleich beim ersten Sichbegegnen sehr energisch Notiz von einander nehmen zu wollen . Er blickte erst zu Adam hinüber , dann wandte er sich , eine stumme Frage in den Augen , zu seiner Cousine hin . Diese mußte auch ein wenig erstaunt sein . Wagte ... wollte ... dieser - nun ja ! der Herr hieß ja curios genug thatsächlich » Mensch « - - also wagte ... wollte ' dieser - Mensch ihr eine ... Impertinenz sagen ? Das wäre doch unerhört gewesen - » Sie meinen damit , Herr Doctor - ? « kam es darum sehr indignirt von ihren Lippen . » Nun ... ich meine damit , gnädige Frau , um mich Ihrer Urtheilsart an-zu-schließen - - noch einmal , wenn Sie gütigst gestatten , anzuschließen - - ich meine damit , daß es Individuen giebt , die zu viel ... und zumeist zu viel innerlich erlebt haben , als daß sie nicht so weit ... also so weit unklar über sich sein sollten , um das zu behaupten , wofür sie keine direkten Beweise besitzen ... « redete sich Herr Doctor Adam Mensch sehr dunkel aus und zwar , indem er sehr langsam , sehr gedehnt sprach ... Frau Lydia Lange war wie verwandelt . Sie lachte hell auf , zupfte unruhig an ihrer Uhrkette und rief lustig : » Das ist mir zu hoch oder zu tief Herr Doctor ! Das verstehe ich nicht - « » Ich eigentlich auch nicht , gnädige Frau - « versicherte Adam treuherzig . Er mußte nicht minder lachen . Traugott Quöck sah ziemlich verdutzt aus . Da öffnete sich die Thüre zum Nebenzimmer und Frau Möbius trat über die Schwelle . Adam begrüßte die Dame und erkundigte sich sehr theilnehmend nach ihrem Befinden . Die » alte Schachtel « war enorm gerührt . » Es ist Alles so weit fertig , Traugott - « bemerkte sie nun zu ihrem Neffen - » wir könnten anfangen - « » Schön , liebe Tante ! Aber Du vergißt ganz - wir haben ja noch Fräulein Irmer und Herrn Referendar Oettinger geladen - - so müssen wir denn wohl noch einen Augenblick warten - ich denke : die Beiden kommen noch . Oder haben sie in letzter Stunde absagen lassen - ? « » Nein ! - aber es ist schon so spät - und der Braten - « » Die Geschichte wird ja immer famöser , « plauderte sich Adam zu und wollte sich einreden , daß er nicht im Mindesten verwundert wäre . Also kannte Herr Quöck auch Hedwig - das heißt - : jedenfalls ihren Vater - ? Aber seit wann denn eigentlich - ? Na ! dös war nun halt ' mal so ! da ließ sich Nix gegen machen - also ' mal zu , Kutscher , bis zur Pechhütte ! Die Klingel schlug an . Die Thür ging auf und ein ... Herr trat in den Salon . Herr Referendar Oettinger wurde den Anwesenden , soweit er ihnen unbekannt war , vorgestellt . Adam musterte den Ankömmling mit scharfen Blicken . Er bemerkte , wie dessen Augen sich sehr intim mit dem Erfassen von Frau Lydias menschlicher Ausgedrücktheit beschäftigten . Die streifte ihn mit einem kurzen Blicke , wandte sich sodann wieder Adam zu und kehrte nochmals zum Gesicht Herrn Oettingers zurück . Adam konnte sich eines verkappten Lächelns nicht enthalten . Aha ! Sie vergleicht ! constatirte er stillvergnügt . Wie doch die Weiber sofort an das Aeußere , an die zufällige Erscheinung anknüpfen ! Plötzlich verspürte er den Blick Lydias anhaltend auf sich . Er reagirte naiv-brüsk auf diese augenscheinliche Zurechtweisung . Die Beiden verstanden sich . Und Adam mußte sich mit einer heiteren Befriedigung einräumen , daß Frau Lange seine Gedanken durchschaut hatte . Herr Referendar Oettinger besaß im Ganzen sehr nichtssagende , sehr nichtsthuende Züge . Ein mattrothes , ziemlich volles , prahlerisch gesundes Gesicht . Das Haar mit zudringlicher , beleidigender Sauberkeit in der Mitte gescheitelt . Ein süßliches Gesellschaftslächeln um den unschönen , langweilig breiten Mund . In Kleidung und Haltung natürlich tadellos , natürlich » patent . « Ein discreter Moschusduft quoll von ihm aus durch den Raum . » Fräulein Irmer bleibt aber wirklich etwas lange - « urtheilte Herr Quöck , der ziemlich hungrig sein mochte . » Warten wir doch noch ' ne Sekunde ! Wir werden doch nicht