nicht zum Neid . Oben auf der Höhe von Düsternbrook liegt die Seebadeanstalt Bellevue ; der Blick beherrscht von hier aus die Bucht , die Fortifikationen und weit draußen das Meer . Hier saßen die Frauen , und wie Fanny es gewünscht hatte , stahl sich durch die Krone der Linde , unter welcher sie speisten , ein Sonnenstrahl in ihr bernsteinfarbiges Glas , darin Moselwein perlte . Fanny hatte in den Pausen zwischen den Schüsseln Arnolds Brief gelesen und reichte ihn jetzt der jungen Frau zurück . » Das ist ein Mann , « sagte sie aufatmend , » ja , Du kannst glücklich sein . « Voll Widerspruchsgeist bemerkte Adrienne mit einem herben Zug im Gesicht : » Von Liebe steht nicht viel darin . « Fanny ließ die Gabel sinken , die sie eben zum Munde führen wollte , und sah ihr Gegenüber ebenso erstaunt als traurig an . » O , « sagte sie schmerzlich , » das verstehst Du nicht herauszulesen ? Du fühlst nicht , wie Du und die Sorge um Dich ihn ganz beschäftigen ? Armer Arnold ! « Bei diesem Bedauern regte sich in Adriennens Brust ein Gefühl von heftigem Zorn gegen ihren Gatten . Und Fanny , die das auf dem zarten Gesicht kommen und gehen sah wie Wolkenschatten über ein sonniges Blachfeld , Fanny bereute ihre Aeußerung . Sie war zu klug , um nicht zu wissen , daß sie nicht offen auf Arnolds Seite stehen dürfe , wenn sie das ungesunde Gemüt dieser Frau sich erschließen und heilen wollte . » Nun wollen wir aber sehen , was Dein Schwager schreibt ! « sagte sie ablenkend ; » Du siehst , ich bin neugierig wie ein Kind . Darf ich auch lesen ? « » Nur zu ! « sprach Adrienne gleichgiltig ; » Du wirst die Beschreibung einiger Festlichkeiten finden , die auf jenem Gut in ununterbrochener Reihenfolge vor sich zu gehen scheinen , und dann wird Dir der Name Elly zehnmal begegnen - so heißt die Tochter des Hauses - und schließlich wird eine Ermahnung darin stehen , heiter zu sein und Arnold oft zu schreiben . « » Was soll so ein junger Mensch denn auch anderes schreiben , « lachte Fanny gutmütig ; » die soziale Frage kann er nicht mit Dir lösen . Also da ist eine Elly , deren Namen wir auf jeder Seite finden ? Schau , schau ! « » Er ist immer verliebt , « bemerkte Adrienne , eine Mandel zerbrechend . » Liebe Schwägerin , « las Fanny halblaut , » seit meinem letzten Brief - unglaublich eigentlich , daß es erst acht Tage sind - hat sich sehr viel ereignet . Das Wichtigste sei gleich gesagt : Fräulein Elly hat sich verlobt mit einem unausstehlichen Krautjunker , welcher Ellys Papa das Gut abkauft . Natürlich hört damit meine Stellung als Volontär auf , die mir auch ohne den Gutsverkauf sehr verleidet ist . Fräulein Elly sieht nicht sehr glücklich aus . Arme Kleine ! Joachim Herebrecht ist aber ein armer Schlucker , er konnte dir nicht helfen . Nun , liebe Adrienne , gilt es , eine neue Stellung suchen , und zwar endlich eine , wo ich verdiene . Getrost könnte ich auf Grund meiner Kenntnisse die Bewirtschaftung eines großen Gutes selbständig übernehmen ; es fragt sich nur , ob ich einen unserer Standesherren bereit finde , mir eine solche Stellung anzuvertrauen . Mache Dir aber keine Sorgen , schreibe auch Arnold nichts . Ich kann hier bleiben , bis ich etwas anderes habe . Du hast mir lange nicht geschrieben ; laß mich wissen , wie es Dir und dem Kleinen geht und ob Du kürzlich Nachrichten von Arnold hattest . Mit den innigsten Grüßen , Dein Joachim . Frage doch ' mal bei Fanny Förster an , vielleicht weiß die eine Vakanz , wo ich einrücken könnte . « Fanny lachte . » Weshalb lachst Du ? « fragte Adrienne ; » ich finde es nicht sehr heiter , daß Joachim ohne Stelle ist . Arnold hätte ihn nicht Landwirt werden lassen dürfen ; es ist so aussichtslos . « » Ich lache , « sagte Fanny belustigt , » weil ich mir aus diesem herzlich unbedeutenden Brief doch den ganzen guten , liebenswürdigen und vielleicht ein bisserl leichtsinnigen Jungen zusammenkonstruire . Dieser Zwischenruf arme Kleine ! ist köstlich . Und dann lache ich , weil ihm im Postskriptum Fanny Förster einfällt und weil diese eminent praktische Frau natürlich Rat weiß . « » Wie , Du wüßtest eine Stelle ? « » Ich schaffe ihm eine . Meine beiden Güter Mittelbach und Driesa habe ich bislang von Mittelbach aus selbst verwaltet , mit Hilfe meines alten Freundes , des Baron Lanzenau . Mancherlei Umstände , von denen Du schon in Mittelbach Kenntnis erhalten wirst , machen es wünschenswert , daß Lanzenau nach Driesa übersiedelt und sich so wenig wie möglich um Mittelbach kümmert . Weshalb soll ich mir nicht die Bequemlichkeit gönnen , einen Verwalter zu nehmen ? Ich werde an Joachim schreiben . Er kennt mich zwar nicht , aber da Arnold eine gute Meinung von mir hat , hoffe ich , Kredit bei Joachim zu besitzen . Zugleich hast Du ihn , Deinen nächsten Verwandten , dann um Dich , « setzte Fanny voll Eifer auseinander . » Jedes Geschäftsverhältnis zwischen Familienmitgliedern trägt den Keim von Unfrieden in sich , « sagte Adrienne zweifelnd . » O , « sprach Fanny , den Kopf schüttelnd , » ich bin ganz rücksichtslos , immer und überall , denn das ist am bequemsten für andere und mich . « » Daß Du für Joachim erst eine Stellung schaffst , gibt der Sache den Stempel einer Wohlthat , « grollte Adrienne . » Keineswegs , « versicherte Fanny , der alsbald nach dem schnellen Entschluß schon hunderterlei Vorteile der neuen Ordnung einfielen . » Meine Wirtschafterin geht ohnedies , ich nehme keine neue , und