drittes Wort , ohne daß sich wer drum kümmert , wo denn die Stattlichkeit eigentlich herkommt . « So plaudernd und neckend blieb sie stehn und bückte sich , um auf einem langen und schmalen Erdbeerbeete , das sich in Front von Zaun und Hecke hinzog , nach einer Früherdbeere zu suchen . Endlich hatte sie , was sie wollte , nahm das Stengelchen eines wahren Prachtexemplares zwischen die Lippen und trat vor ihn hin und sah ihn an . Er war auch nicht säumig , pflückte die Beere von ihrem Munde fort und umarmte sie und küßte sie . » Meine süße Lene , das hast du recht gemacht . Aber höre nur , wie Sultan blafft ; er will bei dir sein : soll ich ihn losmachen ? « » Nein , wenn er hier ist , hab ich dich nur noch halb . Und sprichst du dann gar noch von der stattlichen Frau Dörr , so hab ich dich so gut wie gar nicht mehr . « » Gut « , lachte Botho , » Sultan mag bleiben , wo er ist . Ich bin es zufrieden . Aber von Frau Dörr muß ich noch weiter sprechen . Ist sie wirklich so gut ? « » Ja , das ist sie , trotzdem sie sonderbare Dinge sagt , Dinge , die wie Zweideutigkeiten klingen und es auch sein mögen . Aber sie weiß nichts davon , und in ihrem Tun und Wandel ist nicht das geringste , was an ihre Vergangenheit erinnern könnte . « » Hat sie denn eine ? « » Ja . Wenigstens stand sie jahrelang in einem Verhältnis und ging mit ihm , wie sie sich auszudrücken pflegt . Und darüber ist wohl kein Zweifel , daß über dies Verhältnis und natürlich auch über die gute Frau Dörr selbst viel , sehr viel geredet worden ist . Und sie wird auch Anstoß über Anstoß gegeben haben . Nur sie selber hat sich in ihrer Einfalt nie Gedanken darüber gemacht und noch weniger Vorwürfe . Sie spricht davon wie von einem unbequemen Dienst , den sie getreulich und ehrlich erfüllt hat , bloß aus Pflichtgefühl . Du lachst , und es klingt auch sonderbar genug . Aber es läßt sich nicht anders sagen . Und nun lassen wir die Frau Dörr und setzen uns lieber und sehen in die Mondsichel . « Wirklich , der Mond stand drüben über dem Elefantenhause , das in dem niederströmenden Silberlichte noch phantastischer aussah als gewöhnlich . Lene wies darauf hin , zog die Mantelkapuze fester zusammen und barg sich an seine Brust . So vergingen ihr Minuten , schweigend und glücklich , und erst als sie sich wie von einem Traume , der sich doch nicht festhalten ließ , wieder aufrichtete , sagte sie : » Woran hast du gedacht ? Aber du mußt mir die Wahrheit sagen . « » Woran ich dachte , Lene ? Ja , fast schäm ich mich , es zu sagen . Ich hatte sentimentale Gedanken und dachte nach Haus hin an unsren Küchengarten in Schloß Zehden , der genauso daliegt wie dieser Dörrsche , dieselben Salatbeete mit Kirschbäumen dazwischen , und ich möchte wetten , auch ebenso viele Meisenkästen . Und auch die Spargelbeete liefen so hin . Und dazwischen ging ich mit meiner Mutter , und wenn sie guter Laune war , gab sie mir das Messer und erlaubte , daß ich ihr half . Aber weh mir , wenn ich ungeschickt war und die Spargelstange zu lang oder zu kurz abstach . Meine Mutter hatte eine rasche Hand . « » Glaub ' s. Und mir ist immer , als ob ich Furcht vor ihr haben müßte . « » Furcht ? Wie das ? Warum , Lene ? « Lene lachte herzlich , und doch war eine Spur von Gezwungenheit darin . » Du mußt nicht gleich denken , daß ich vorhabe , mich bei der Gnädigen melden zu lassen , und darfst es nicht anders nehmen , als ob ich gesagt hätte , ich fürchte mich vor der Kaiserin . Würdest du deshalb denken , daß ich zu Hofe wollte ? Nein , ängstige dich nicht ; ich verklage dich nicht . « » Nein , das tust du nicht . Dazu bist du viel zu stolz und eigentlich eine kleine Demokratin und ringst dir jedes freundliche Wort nur so von der Seele . Hab ich recht ? Aber wie ' s auch sei , mache dir auf gut Glück hin ein Bild von meiner Mutter . Wie sieht sie aus ? « » Genauso wie du : groß und schlank und blauäugig und blond . « » Arme Lene « ( und das Lachen war diesmal auf seiner Seite ) , » da hast du fehlgeschossen . Meine Mutter ist eine kleine Frau mit lebhaften schwarzen Augen und einer großen Nase . « » Glaub es nicht . Das ist nicht möglich . « » Und ist doch so . Du mußt nämlich bedenken , daß ich auch einen Vater habe . Aber das fällt euch nie ein . Ihr denkt immer , ihr seid die Hauptsache . Und nun sage mir noch etwas über den Charakter meiner Mutter . Aber rate besser . « » Ich denke mir sie sehr besorgt um das Glück ihrer Kinder . « » Getroffen ... « » ... Und daß all ihre Kinder reiche , das heißt sehr reiche Partien machen . Und ich weiß auch , wen sie für dich in Bereitschaft hält . « » Eine Unglückliche , die du ... « » Wie du mich verkennst . Glaube mir , daß ich dich habe , diese Stunde habe , das ist mein Glück . Was daraus wird , das kümmert mich nicht . Eines Tages bist du weggeflogen ... « Er schüttelte den Kopf . » Schüttle nicht den Kopf ; es ist so , wie ich sage . Du liebst mich und bist mir