eine kleine Unsterblichkeit auf ihren Buckelchen haben , natürlich nur im Verhältnis ; denn sie sind nicht größer als ein mittlerer Finger . So um tausend Jahre herum sollen sie alt werden . Wenn sie nun merken , daß ihr Geschlecht ausstirbt in einer Gegend , so kommen die letzten hundert Leutchen in den besten Feierkleidern zusammen und halten ihren ewigen Abschiedsschmaus unter einem Regenbogen oder vielmehr im Erdgeschoß desselben , das ein wahrer Zaubersaal ist . Seht nur , ihr könnte von außen merken , wie das inwendig in allen Farben glitzern muß ! Auch noch aus einem andern Grunde sollen sie einen solchen Abschied feiern ; nämlich wenn das große Volk im Lande anfängt auszuarten und dumm und schlecht zu werden und die gescheiten Leutlein unten ein betrübtes Ende voraussehen , dann beschließen sie auszuwandern und dem Ende aus dem Wege zu gehen . Auch dann kommen sie in vielen Regenbogen zusammen und sind noch ein Stündchen vergnügt . Sei dem wie ihm wolle , so weiß ich nicht , welchen Anlaß wir hier vor uns haben . Es wird sich wohl um ein Aussterben handeln , und da sind es , wie gesagt , höchstens hundert Männlein und ihre Frauen , die dort sind . Den ganzen Tag haben sie in ihren Felsstuben , im Waldesdickicht und an den verborgenen Bachquellen gebacken und gebraten und gebraut und alles Gute vorausgeschickt , und nun sind sie einspaziert , jeder sein goldenes Schüsselchen in einem seidenen Säcklein mit einem Quästlein auf dem Rücken tragend , für uns nicht größer als ein alter Batzen , für Zwerglein aber ein gehöriger Teller . Lange Tische sind mit dem feinsten Tuche bedeckt , das über einige Dachschindeln gespannt ist . Da ziehen sie in feierlichem Zuge herum . Voran marschieren zehn geharnischte Ritter in rotgesottenen Krebsnasen als Brustpanzer und die übrigen Schalenringe als Arm- und Beinschienen umgelegt ; als Helme haben sie zierlich gewundene Schneckenhäusel auf den Köpfen . Sie tragen die alten Silber- und Goldkannen und andere Kleinode des Geschlechtes . Wie die Erdleutchen nun um die Tische herumgehen , zieht jeder seine Schüssel aus dem Säcklein , legt sie an seinen Platz und setzt sich dahinter , und jeder schüttelt seinem Nachbar ernsthaft die Hand . Freilich folgt nun ein desto fröhlicheres Essen , daß die goldenen Teller , die feinen Messer und Gabeln nur so klingen . Zuerst kommt der delikateste Reisbrei mit Rosinchen , belegt mit kleinen Bratwürstchen , die aus Feldlerchen und zartem Ferkelfleische gemischt und gehackt sind . Herrlich sind diese Würstchen geröstet . Je drei oder vier Mann haben zusammen eine Bowle vor sich , nämlich einen prächtigen reifen Pfirsich , aus welchem der Kern genommen , das dadurch entstandene Loch aber mit Muskatwein gefüllt ist . Ihr könnt euch denken , wie sie mit ihren Löffelchen da hineinbohren ! « So fuhr sie mit eifriger Mühe fort , nicht nach den Geboten der Wahrscheinlichkeit , sondern nach ihrer Kenntnis der kindlichen Gelüste das Bankett der Wichtelmännchen auszumalen , bis sie nichts mehr wußte und darum den Schluß herbeiführte , zumal der Regenbogen verblichen war und der letzte Abendschein der Dämmerung wich . » Haben sie nun genug gegessen und getrunken und von ihren jungen Tagen , mittleren Jahren und alten Erfahrungen gesprochen , so stehen sie unversehens alle miteinander auf , schütteln sich abermals , und zwar durcheinandergehend , die Hände und sprechen etwas kleinlaut : Wünsche wohl gespeist zu haben ! Plötzlich aber suchen sie das Loch , wo sie hereingekommen sind , und fangen an , hinauszudrängeln , sich auf die Fersen zu treten und in den Rücken zu knuffen , bis alle verschwunden sind und die Tische im Saal mit allem , was darauf steht , verlassen sind . Ein einziges lediges Weiblein , das allerjüngste von etwa zweihundert Jahren , was bei unsereinem einer Person von ungefähr zwanzig Jahren gleichkäme , ist noch dageblieben . Es hat die Pflicht , das ganze Geschirr zu reinigen , trocken zu reiben und in eine eiserne Truhe zu verschließen , die sie an der Stelle , wo der Regenbogen stand , in den Boden vergräbt . Hierbei helfen ihr die zehn Ritter , die mittlerweile draußen noch zurückgeblieben sind und ihre Pfirsichbowlen ausgeschlafen haben . Und wie Bauern , wenn sie Marksteine setzen , vorher rote Ziegelscherben als sogenannte Zeugen in die Grube legen , so werfen sie die Krebsschalen mit hinein und gehen dann auch fort , sich schlafen zu legen . Was tut aber nun das letzte Weiblein ? Es nimmt das Säcklein , worein sein eigenes Goldschüsselchen gewesen , auf den Rücken , einen Stecken zur Hand und wandert seelenallein in die Ferne , um einem andern Volk dieser Art das Gedächtnis des ausgestorbenen zu überbringen . Es soll schon vorgekommen sein , daß eine solche Person sich in der Fremde noch glücklich verheiraten konnte bei einem jüngeren Geschlechte . « Hier schwieg Frau Marie Salander , doch etwas betroffen über die Flunkerei , die sie den Kindern vorgemacht , während diese sich noch ein Weilchen still verhielten und dem Märchen nachschauten , das wie der Regenbogen verduftete . Kaum sahen sie noch das letzte Fräulein mit Stab und Schüsselchen in Gras und Ackerfurchen dahinziehen . Da richtete sich die Mutter auf ; von einem Einfall ergriffen , schritt sie rasch auf ihr Kommodenschränklein los , öffnete die Türlein , zog die Lädchen und aus einem derselben eine kleine Schachtel hervor , welche etwas Goldschmuck enthielt . Als Brautgeschenk ihres Mannes war der bescheidene Hort unantastbar und nicht das , was sie suchte . Aber unter anderm Kleinzeug lag auch ein Papierwickelchen dabei , das sie packte und aufmachte . Ein glänzendes , goldenes Regenbogenschüsselchen trat zutage , nämlich eine uralte Hohlmünze , Brakteat genannt . Solche Münzaltertümer wurden ehedem gern in wohlbestehenden Familien aufbewahrt und als besondere Gunst nur etwa zu Patengeschenken verwendet . Auch Marie Salander hatte das Stück , das sie in Händen hielt , bei der