blasses Gesicht wurde rot , und Gordon sah deutlich , daß es sie peinlich berührte , den Schwächezustand ihres Körpers mit solchem Lokaldetail behandelt zu sehen . Sie begriff St. Arnaud nicht , er war sonst so diskret . Aber sich bezwingend , sagte sie : » Nur nicht getragen werden , Pierre ; das ist für Sterbende . Gott sei Dank , ich habe mich erholt und empfinde , mit jeder Stunde mehr , den wohltätigen Einfluß dieser Luft ... Ich glaube Sie beruhigen zu können « , setzte sie lächelnd gegen Gordon gewandt hinzu . So brach man denn auf und erreichte zunächst die Roßtrappe , die berühmte Felsenpartie , wo ganze Gruppen von Personen , aber auch einzelne , vor einer Erfrischungsbude standen und unter Lachen und Plaudern das Echo weckten - die meisten ein Seidel , andere , die dem Selbstbräu mißtrauten , einen Cognac in der Hand . Unter diesen waren auch unsere Berliner , die sich , als sich ihnen erst St. Arnaud mit der Malerin und dann Gordon mit der gnädigen Frau von der Seite her genähert hatten , anscheinend respektvoll zurückzogen , aber nur um gleich danach ihrem Herzen in desto ungenierterer Weise Luft zu machen . » Sieh die Große « , sagte der ältere . » Pompöse Figur . « » Ja ; bißchen zu sehr Caroline Plättbrett . « » Tut mir nichts . « » Mir aber . Übrigens darum keine Feindschaft nich . Chacun à son goût . Und nun sage mir , wen lassen wir leben , den Stöpsel oder die Stricknadel ? « » Ich denke Berlin . « » Das is recht . « Und erfreut über das Aufsehen , das sie durch ihre vorgeschrittene Heiterkeit machten , stießen sie mit den Cognacgläschen zusammen . Siebentes Kapitel Gordon bot Cécile den Arm und führte sie so geschickt bergab , daß die gefürchtete » Schurre « nicht nur ohne Beschwerde , sondern sogar unter Scherz und Lachen passiert wurde , wobei die schöne Frau mehr als einmal durch einen Anflug kleinen Übermuts überraschte . » St. Arnaud , müssen Sie wissen , macht sich gelegentlich interessant mit meinen Nerven , was er besser mir selber überließe . Das ist Frauensache . Gleichviel indes , ich werd ihn in Erstaunen setzen . « Und wirklich , ehe noch das Hotel erreicht war , war auch schon eine von St. Arnaud gutgeheißene Verabredung getroffen , die Malerin am folgenden Tage nach Quedlinburg begleiten zu wollen . Cécile selbst hatte den Vorschlag dazu gemacht . Ja , die nervenkranke Frau , die von ihrer Krankheit , und vor allem von einer Spezialisierung derselben , deren St. Arnaud sich schuldig gemacht hatte , nicht hören wollte , hatte sich tapfer gehalten ; nichtsdestoweniger rächte sich , als sie wieder auf ihrem Zimmer war , das Maß von Überanstrengung , und ihren Hut beiseite werfend , streckte sie sich auf eine Chaiselongue , nicht schlaf- , aber ruhebedürftig . Als sie sich wieder erhob , fragte St. Arnaud » ob man das Souper auf dem großen Balkon nehmen wolle ? « Cécile war aber dagegen und sprach den Wunsch aus , daß man allein bleibe . Der Kellner brachte denn auch eine Viertelstunde später das Teezeug und schob den Tisch an das offene Fenster , vor dem , weit drüben und zu Häupten der Berge , die Mondsichel leuchtete . Hier saßen sie schweigend eine Weile . Dann sagte Cécile : » Was war das mit dem Spottnamen , dessen das Fräulein heute nachmittag erwähnte ? « » Du hast nie von Rosa Bonheur gehört ? « » Nein . « St. Arnaud lächelte vor sich hin . » Ist es etwas , das man wissen muß ? « » Je nachdem . Meinem persönlichen Geschmacke nach brauchen Damen überhaupt nichts zu wissen . Und jedenfalls lieber zuwenig als zuviel . Aber die Welt ist nun mal , wie sie ist , auch in diesem Stück , und verlangt , daß man dies und jenes wenigstens dem Namen nach kenne . « » Du weißt ... « » Ich weiß alles . Und wenn ich dich so vor mir sehe , so gehörst du zu denen , die sich ' s schenken können ... Bitte , noch eine halbe Tasse ... Dich zu sehen ist eine Freude . Ja , lache nur ; ich hab es gern , wenn du lachst ... Also lassen wir das dumme Wissen . Und doch wär es gut , du könntest dich etwas mehr kümmern um diese Dinge , vor allem mehr sehen , mehr lesen . « » Ich lese viel . « » Aber nicht das Rechte . Da hab ich neulich einen Blick auf deinen Bücherschrank geworfen und war halb erschrocken über das , was ich da vorfand . Erst ein gelber französischer Roman . Nun , das möchte gehen . Aber daneben lag : Ehrenström , ein Lebensbild , oder die separatistische Bewegung in der Uckermark . Was soll das ? Es ist zum Lachen und bare Traktätchenliteratur . Die bringt dich nicht weiter . Ob deine Seele Fortschritte dabei macht , weiß ich nicht ; nehmen wir an ja , so fraglich es mir ist . Aber was hast du gesellschaftlich von Ehrenström ? Ehrenström mag ein ausgezeichneter Mann gewesen sein , ich glaub es sogar aufrichtig und gönn ihm seinen Platz in Abrahams Schoß , aber für die Kreise , darin wir leben oder doch wenigstens leben sollten , für die Kreise bedeutet Ehrenström nichts , Rosa Bonheur aber sehr viel . « Sie nickte zustimmend und abgespannt , wie fast immer , wenn irgend etwas , das nicht direkt mit ihrer Person oder ihren Neigungen zusammenhing , eingehender besprochen wurde . Sie wechselte deshalb rasch den Gesprächsgegenstand und sagte : » Gewiß , gewiß , es wird so sein . Fräulein Rosa scheint übrigens ein gutes Kind und dabei heiter . Vielleicht ein wenig mit Absicht .