kam der Herr Doktor eines Morgens und sah nicht so fröhlich aus , wie er sonst immer ausgesehen hatte . Er sagte , es sei sein letzter Tag , er müsse nach Frankfurt zurückkehren ; das mache ihm große Mühe , denn er habe die Alp lieb gewonnen . Dem Alm-Öhi tat die Nachricht sehr leid , denn auch er hatte sich überaus gern mit dem Herrn Doktor unterhalten , und das Heidi hatte sich so daran gewöhnt , alle Tage seinen guten und liebevollen Freund zu sehen , daß es gar nicht begreifen konnte , wie das nun mit einemmale ein Ende nehmen sollte . Es schaute fragend und ganz verwundert zu ihm auf . Aber es war wirklich so . Der Herr Doktor nahm Abschied vom Großvater und fragte dann , ob das Heidi ihn noch ein wenig begleiten werde . Es ging an seiner Hand den Berg hinunter , aber es konnte immer noch nicht recht fassen , daß er ganz fortgehe . Nach einer Weile stand der Herr Doktor still und sagte , nun sei das Heidi weit genug gekommen , es müsse zurückkehren . Er fuhr ein paarmal zärtlich mit seiner Hand über das krause Haar des Kindes hin und sagte : » Nun muß ich fort , Heidi ! Wenn ich dich nur mit mir nach Frankfurt nehmen und bei mir behalten könnte ! « Dem Heidi stand auf einmal ganz Frankfurt vor den Augen , die vielen , vielen Häuser und steinernen Straßen und auch Fräulein Rottenmeier und die Tinette , und es antwortete ein wenig zaghaft : » Ich wollte doch lieber , daß Sie wieder zu uns kämen . « » Nun ja , so wird ' s besser sein . So leb wohl , Heidi « , sagte freundlich der Herr Doktor und hielt ihm die Hand hin . Das Kind legte die seinige hinein und schaute zu dem Scheidenden auf . Die guten Augen , die zu ihm niederblickten , füllten sich mit Wasser . Jetzt wandte sich der Herr Doktor rasch und eilte den Berg hinunter . Das Heidi blieb stehen und rührte sich nicht . Die liebevollen Augen und das Wasser , das es darinnen gesehen hatte , arbeiteten stark in seinem Herzen . Auf einmal brach es in ein lautes Weinen aus und mit aller Macht stürzte es dem Forteilenden nach und rief , von Schluchzen unterbrochen , aus allen Kräften : » Herr Doktor ! Herr Doktor ! « Er kehrte um und stand still . Jetzt hatte ihn das Kind erreicht . Die Tränen strömten ihm die Wangen herunter , während es herausschluchzte : » Ich will gewiß auf der Stelle mit nach Frankfurt kommen und will bei Ihnen bleiben , so lang Sie wollen , ich muß es nur noch geschwind dem Großvater sagen . « Der Herr Doktor streichelte beruhigend das erregte Kind . » Nein , mein liebes Heidi « , sagte er mit dem freundlichsten Tone , » nicht jetzt auf der Stelle ; du mußt noch unter den Tannen bleiben , du könntest mir wieder krank werden . Aber komm , ich will dich etwas fragen : Wenn ich einmal krank und allein bin , willst du dann zu mir kommen und bei mir bleiben ? Kann ich denken , daß sich dann noch jemand um mich kümmern und mich lieb haben will ? « » Ja , ja , dann will ich sicher kommen , noch am gleichen Tag , und Sie sind mir auch fast so lieb wie der Großvater « , versicherte das Heidi noch unter fortwährendem Schluchzen . Jetzt drückte ihm der Herr Doktor noch einmal die Hand , dann setzte er rasch seinen Weg fort . Das Heidi aber blieb auf derselben Stelle stehen und winkte fort und fort mit seiner Hand , so lange es nur noch ein Pünktchen von dem forteilenden Herrn entdecken konnte . Als dieser zum letztenmal sich umwandte und nach dem winkenden Heidi und der sonnigen Alp zurückschaute , sagte er leise vor sich hin : » Dort oben ist ' s gut sein , da können Leib und Seele gesunden und man wird wieder seines Lebens froh . « Der Winter im Dörfli Um die Almhütte lag der Schnee so hoch , daß es anzusehen war , als ständen die Fenster auf dem flachen Boden , denn weiter unten war von der ganzen Hütte gar nichts zu sehen , auch die Haustür war völlig verschwunden . Wäre der Alm-Öhi noch oben gewesen , so hätte er dasselbe tun müssen , was der Peter täglich ausführen mußte , weil es gewöhnlich über Nacht wieder geschneit hatte . Jeden Morgen mußte er jetzt aus dem Fenster der Stube hinausspringen , und war es nicht sehr kalt , so daß über Nacht alles zusammengefroren war , so versank er dann so tief in dem weichen Schnee , daß er mit Händen und Füßen und mit dem Kopf auf alle Seiten stoßen und werfen und ausschlagen mußte , bis er sich wieder herausgearbeitet hatte . Dann bot ihm die Mutter den großen Besen aus dem Fenster und mit diesem stieß und scharrte der Peter nun den Schnee vor sich weg , bis er zur Tür kam . Dort hatte er dann eine große Arbeit , denn da mußte aller Schnee abgegraben werden , sonst fiel entweder , wenn er noch weich war und die Tür aufging , die ganze , große Masse in die Küche hinein , oder er fror zu , und nun war man ganz vermauert drinnen , denn durch diesen Eisfelsen konnte man nicht dringen und durch das kleine Fenster konnte nur der Peter hinausschlüpfen . Für diesen brachte dann die Zeit des Gefrierens viele Bequemlichkeiten mit sich . Wenn er ins Dörfli hinunter mußte , öffnete er nur das Fenster , kroch durch und kam draußen zu ebener Erde auf dem festen Schneefeld an . Dann schob ihm die Mutter den kleinen Schlitten durch das Fenster nach ,