, Mutter . Ich wollte , daß mit ihm so gut umzugehen wäre wie mit dir , dann - « Er stockte . Das , was er hinzufügen wollte , durfte ja niemand wissen , aber er gab seiner Mutter einen herzhaften Kuß und schlich sich dann zu Bett , um heimlich zu weinen . Er wußte selbst nicht weshalb , die Tränen kamen fast von selbst , und das Vergnügen des andern Tages schien ihm nun nicht mehr halb so verlockend wie früher . Am andern Morgen gingen er und Georg in aller Frühe fort , um erst auf der nächsten Station , dem benachbarten Testorf , den Eisenbahnzug zu besteigen . Da war denn freilich im hellen Sonnenlicht und während der Fahrt nach Altona aller Kummer des vergangenen Abends vergessen . Robert hatte nie eine Reise gemacht , nie in einem Eisenbahnwagen gesessen und überhaupt vom Leben noch nichts gesehen als nur das kleine Pinneberg ; er war daher vor Freude ganz außer sich . Seine Fragen nahmen kein Ende , besonders als man sich der Stadt näherte . Er wollte alles sehen , alles wissen . » Du , Georg , wo ist denn hier die Elbe ? Wo sind die Schiffe ? « fragte er . Der Seiler zog ihn so schnell wie möglich in die nächste Straße hinein . » Erst will ich mir einmal Stiefel kaufen « , antwortete er . » Und höre , Junge , du darfst hier nicht so laut sprechen , alle Menschen sehen nach dir . « Robert stolperte jeden Augenblick über seine eigenen Füße . Er konnte sich an all dem Ungewohnten , Großartigen gar nicht sattsehen . Jeder Wagen , jedes Schaufenster erregte seine Neugier in höchstem Maße . Als Georg die neuen Stiefel gekauft hatte , ging es hinab zur Hafengegend . Der Seiler spielte immer den Kassenmeister . » Du , es waren im ganzen neun Taler « , sagte er mit einem prüfenden Blick auf Roberts glühendes Gesicht , » kannst du dich dessen erinnern ? « Der Junge schüttelte den Kopf . » Das ist ja gleichgültig , Georg « , antwortete er , » wenn nur genug übrig bleibt , daß wir nicht zu hungern brauchen . Ach - da sehe ich die Elbe ! « Georg nickte . » Wir haben Glück , mein Junge . Gestern ist das Kanonenboot Blitz bei Neumühlen vor Anker gegangen - dahin wollen wir zuerst . « Robert jubelte laut . Er hatte die größte Lust , in den belebten Straßen der Hafengegend einen echt dörflichen Trab anzuschlagen , um nur desto schneller das Wasser zu erreichen . Der Seiler hielt ihn lachend am Arm . » Wir müssen uns erst einen Mann von der Besatzung aufpicken « , sagte er . » So ohne weiteres an Bord kommen , das geht nicht . « Robert stand vor Schreck plötzlich still . » Aber wenn wir keinen finden , Georg ! « » Ach , dummes Zeug ! Wer keinen Dienst hat , nimmt Urlaub und sieht sich die Stadt an « , sagte er . » Habe es ja selbst überall so gemacht . « Die beiden wanderten weiter , und wirklich sollte sich Georgs Vermutung schon sehr bald bestätigen . Vor der offenen Tür eines Wirtshauses mit dem Schild » Zur Seemannsheimat « saßen zwei Matrosen in Marineuniform mit blanken Knöpfen auf ihren blauen Jacken und in den Nacken geschobenen Mützen , deren flatternde Seidenbänder die goldenen Buchstaben » Königliche Marine « trugen . Die viereckigen , weißumsäumten Kragen gefielen Robert ganz außerordentlich . » Du « , flüsterte er , » du , - was sind das für welche ? « Der Seiler sah hinüber . » Aha , da wäre ja , was wir suchen « , rief er . » Komm , laß uns Anker werfen ; durstig bin ich auch schon . « Er zog Robert mit sich in die offene Tür des Wirtshauses hinein und bestellte zwei Gläser Bier . Es war dem Jungen wie ein Traum , besonders als ihn der Kellner mit » Herr « anredete . Er in einem Wirtshaus , das schien unerhört . Die Bekanntschaft mit den beiden Matrosen war bald gemacht , und einer erklärte sich bereit , die beiden Freunde an Bord zu führen . » Unser Leutnant ist auf Urlaub « , fügte er hinzu , » aber der Obersteuermann erlaubt schon , daß ich euch das Ding zeige . Die feine Welt von Hamburg kommt ja doch später in Schwärmen an Bord , also warum solltet ihr es nicht tun ? « Er schob den Priem von einer Backe in die andere und musterte Robert halb lachend . » Du bist ja verflucht fein getakelt « , sagte er , » ordentlich in Kneifzange , Schraube und mit Leesegeln auf beiden Seiten ! « Robert errötete wie ein Mädchen . Obwohl er nur ahnen konnte , daß der Matrose mit diesen Kunstausdrücken seinen schwarzen Anzug und das weiße Hemd meinte , fühlte er doch den Spott und antwortete , daß er auch Seemannszeug tragen werde , wenn erst für ihn ein Schiff gefunden sei . Der Matrose lachte . » Hast ' s Maul an der rechten Stelle « , sagte er gutmütig . » Na , komm nur mit , ich will dir den Blitz zeigen . « Die drei wanderten also zum Fischmarkt hinab , und hier nahm der Matrose eine Jolle , die bald zwischen Milchewern , Schuten mit Früchten und Gemüse , Kohlenschiffen und Booten aller Art den Weg nach Neumühlen hinaus einschlug . Robert war ganz Auge und Ohr . Sobald einer der vielen Elbdampfer , wie sie diese Gegend ständig passieren , an der Jolle vorüberkam , jubelte er laut vor Vergnügen , sehr zur Freude des Matrosen , der über seine einfältigen Ausrufe nicht genug lachen konnte . Die Jolle tanzte im Wellengang der Dampfschiffe , die Oktobersonne sandte auf all das