Gewalt , die ihm über die Gewaltige gegeben war . Sein unsicheres Wesen wurde von ihrem starken , sein schwankender Wille von ihrem festen mächtig angezogen . Im Bewußtsein ihrer unbegrenzten Liebe ruhte er wie in einer goldenen Wolke , er fühlte sich durch ihre Hingebung gehoben und verklärt . Schützend umhüllte sie ihn , ohne ihn je gedemütigt zu haben , denn immer war sie bereit , sich ihm zu unterwerfen , und alle Lust und alles Weh kam ihr von ihm . Ein Wort , und die Unbezwingliche lag zu seinen Füßen , die größere Seele beugte sich vor seiner Kleinheit , denn kraft ihrer Liebe war er ihr Herr . Bozena hatte den Arm sinken lassen , der Jäger schlang den seinen um ihren Hals und preßte seine Lippen auf die ihren . Ihr Zorn zerschmolz unter seinen Küssen . Heiße Tränen traten ihr ins Auge , und sie sprach wehmütig : » Ich werde niemals deine Frau ! Du wirst dich niemals zu mir bekennen . Schweig ! « fiel sie ihm ins Wort , da er widersprechen wollte . » Dazu hast du nie den Mut ! ... Ich bin nur eine arme Magd , und du willst höher hinaus - wir sind nicht füreinander ... « » Ich will dich « , beteuerte Bernhard mit Ungestüm , » keine andere , weil sich keine mit dir vergleichen kann . Meinst du , ich bin blind und seh das nicht ? ... Hab Geduld ! ... Wirf mir nichts vor ... Wir kommen doch zusammen , aber jetzt will ich nichts wissen , nichts hören , nichts fragen als nur : Hast mich lieb ? « Bozena legte die gerungenen Hände in ihren Schoß und seufzte schmerzlich auf : » Fragst nicht auch , ob Gott im Himmel lebt ? ... O Jesus , ob ich ihn liebhabe ? Ich wollt , ich könnte sagen nein , oder ich wollt , ich könnte sagen warum ! « Trotzig richtete sie sich auf und sprach , als trachte sie sich selbst zu beruhigen über die Natur ihrer Liebe : » In dein hübsches Gesicht hab ich mich nicht vergafft ! « Der Jäger lachte und küßte sie , und Bozena erduldete seine Liebkosungen , aber sie erwiderte sie nicht . » So bist du heute « , grollte sie , » und morgen ist alles wieder wie früher , und morgen trittst du mir wieder aufs Herz . Oh , könnt ich frei sein ! ... könnt ich mich losmachen von dir ! « Er erschrak über die Verzweiflung , die aus ihrer Stimme klang ; zum ersten Male tauchte die Möglichkeit , sie zu verlieren , vor ihm auf und erfüllte ihn mit tiefster Besorgnis , mit bitterstem Weh . » Dich losmachen von mir ? « fragte er vorwurfsvoll , » das möchtest du ? « » Wohl möcht ich ' s ! « antwortete sie , » aber was hilft mir das ? ... Bin ich nicht wie verfangen im Dorngestrüpp , es zerfleischt mich - und läßt mich nicht los ... Bernhard ! Bernhard ! « Sie beugte sich vor , mit beiden Händen griff sie in sein Haar , zog seinen Kopf an ihre Brust und schaute in die Augen , die sich bittend und voll heißer Zärtlichkeit zu ihr erhoben . » Bist mir denn treu ? « schrie sie plötzlich auf . Das rief wieder die alte Bozena ! das war wieder die echte alte Leidenschaft ! - Sie zitterte um ihn , er hatte sie wieder ! Der funkelnde Blick des Jägers ruhte fest in dem ihren , und seine Seele frohlockte . Übermütig strich er mit Daumen und Zeigefinger den Schnurrbart in die Höhe und sprach schmollend wie ein berechnender , kluger , vollendeter Don Juan : » Bist du denn mein ? « » Schäm dich ! « erwiderte sie und barg ihr Gesicht in ihre Schürze und schluchzte laut . Er aber flehte , tröstete , beteuerte . Kein Liebesschwur , den er nicht tat , kein Schmeichelwort , das er nicht sagte . Und Bozena lauschte seiner süßen Rede , von neuem überwunden , von neuem überzeugt . Er wolle ein Ende machen ! das gelobte er , und sollt es ihn die Stelle kosten und seines Grafen Gnade ! Von der Bozena läßt er nicht , er kennt ihren Wert , ihr gehört er an in Glück und Not , im Leben und im Tode . Nur sie vermag - - da fährt er zusammen , hält inne ... hinter den Büschen des Zauns hat sich ' s geregt . Der Teufel ! haben seine Worte einen Zeugen gehabt ? War ein Lauscher da ? Bernhard springt empor und auf die Stelle los , von der aus das Geräusch gekommen . Er ruft laut : » Wer da ? « - keine Antwort , und ringsum niemand zu erblicken . Sie sind allein . Etwas verlegen über die Bestürzung , die er unwillkürlich hatte erblicken lassen , kehrt der Jäger zurück . In einen andern Menschen verwandelt , gleichgültig und kalt stand er vor seiner Geliebten und sagte : » Es ist spät - ich muß fort . « Sie biß die Zähne übereinander und maß ihn mit verachtungsvollen Blicken . » O du ! « rief sie , » wenn einer dort gestanden hätt , und wär ' s der Stallbub gewesen aus eurem Hause ... Und hätte der gespaßt : Unser Jäger geht mit der Magd des Weinhändlers - vor dem Stallbuben hättest du mich verleugnet ! Jetzt hättest du ' s getan ! ... Und wenn dich heut abends beim Tische der Hausoffiziere jemand nach mir fragt , wirst du antworten : Ich kenne sie nicht ! Gelt ? « schrie Bozena mit vernichtendem Hohne und richtete sich hoch auf vor ihm , der mit finsterem Gesichte zur Erde starrte und - schwieg . » Ich Narr ! Ich Narr