schrecklich , daß ich doch hoffe , der liebe Gott werde mir das nicht auch noch aufladen zu so vielem anderen . « » Gewiß nicht , liebe Mutter ! Er will dir nur wieder einmal eine rechte Freude machen und hat es drum gefügt , daß endlich dein Lieblingswunsch in Erfüllung geht . Heimkommen aber werde ich nun freilich seltener , wenn ich auch immer nahe bleibe . Ich komme am Dienstag als Knecht auf den Stighof . « Jos begann nun zu erzählen , aber gar nicht so regelmäßig wie sonst . Der guten Mutter sollte die Freude nicht noch dadurch getrübt werden , daß sie erfuhr , wie weh er und der Krämer sich in den letzten Tagen bei jeder Gelegenheit getan . Es war wohl das erstemal , daß er der Mutter etwas ihr Wichtiges verschweigen wollte . Es war ihm aber doch nicht recht wohl dabei , und mit eigener Hast kam er bald auf andere Dorfneuigkeiten , und besonders breit wurde sein Bericht , als er von dem in der Krone vorgelesenen Brief , zu erzählen begann . » Das ist für den Josef Anton noch viel zu früh , wenn der Hansjörg schon wieder heimkommen sollte . Er ist ja noch kaum drei Jahre fort . « Diese Rede war der Schnepfauerin nur so entronnen . Sonst pflegte sie ihren Bruder wie andere nur den Krämer zu heißen , und dem Jos war es von Kindheit an streng verboten , ihn Vetter zu nennen . Dieses Verbot wurde ihm auch nie schwer . Dafür hatte der Krämer durch sein Betragen von je her gesorgt . Nur wenn der Schneider einmal einen rechten Zorn auf ihn hatte , nannte er ihn Vetter Josef Anton - der Krämer meinte , um ihn mit der Erinnerung an die ihm so lästige Verwandtschaft zu ärgern . Vielleicht aber geschah das nur , weil Jos von dem Bruder seiner Mutter jede Unbill doppelt schmerzlich empfand . Heute horchte er erstaunt auf . In so eigener Weise hätte die Mutter nicht geredet , wenn zwischen dem Hansjörg und dem Krämer alles ganz eben gewesen wäre . » Aber « , sagte Jos sinnend , » Hansjörg ist doch mit dem Krämer immer gut ausgekommen . Ich war schon damals dort , ich wüßte mich jedoch nicht zu erinnern , daß er selbst mit der Zusel jemals ein böses Wort gewechselt hätte . « » Ja « , lächelte die Mutter wehmütig , » die zwei sind nur zu gut einig gewesen , sonst hätte wohl Hansjörg nie zu den Kaiserlichen gehen müssen . « » Richtig « , fuhr Jos auf , » das gleicht wieder ganz dem starren , knochigen , felsenköpfigen , grauäugigen alten Sünder . Dem hab ' ich ' s aber heute gesagt , er sehe mit seinen Spitzbubenaugen alle Menschen bloß für Tiere an . Solang er an ihnen herummelken könne , seien sie ihm recht , der beste wie der schlechteste , hernach aber ziehe er allen , und selbst den nächsten Verwandten , die Haut über die Ohren . « » Hast du das sagen dürfen ? « » Warum nicht « , fragte Jos zurück und erzählte nun in seinem Eifer auch das , was er der Mutter zu verschweigen beabsichtigte . Endlich kam diese wieder zu Worte . Doch hörte man es dem Ton ihrer Stimme sowohl als dem Ernst ihrer Worte an , wie ihr die Freude darüber , daß das Jösle nun zu Stighansen kommen sollte , durch dessen letzte Mitteilung bedeutend verdorben ward . » So wie du da « , sprach sie , » dürfen unserlei Leute sich nie erbrechen . Die Reichen wollen nichts geschenkt , und das Böse zahlen sie gewöhnlich am reichlichsten wieder zurück . Gewiß , Bürschlein , dein so aufbrausendes Wesen schadet dir mehr als deine Armut . Du magst oft recht haben , aber zum Strafen ist Gott da , wenn er will , und zum Predigen der Pfarrer . So abhängigen Leutlein wie uns schadet es weniger , wenn man alles ißt , was man hat , als wenn man alles sagt , was man wüßte . « » Ach , Mutter , du glaubst nicht , wie weh mir dieses Zusprechen immer tut « , rief Jos und begann , ihre bisher festgehaltene Hand fallen lassend , hastig in der Stube auf und ab zu schreiten . » Kriechen kann ich nicht , und die Wahrheit müßte heraus , wenn ich von so einem Feinde derselben viel abhängiger wäre , als ich wirklich es bin . « Die Mutter sah den Erregten traurig an . Oh , er kannte die Welt , die böse , böse Welt noch nicht . Er war viel zu leichtsinnig , überließ sich zu sehr dem Augenblicke , wie früher auch sie . Auch sie war durch Leichtsinn so unglücklich geworden und hatte aus der zwar armen , aber doch so warmen Heimat fliehen müssen wie eine Verbrecherin . Sie war das Kind ordentlicher Leute . Ihr Haus und ihr Anwesen in Schnepfau hatte sie und ihre Geschwister ernährt . Ihre Mutter war eine arbeitsame Frau , die der Vater als Mädchen im Vorderwalde kennen lernte . Ihre drei Kinder hatten viel von ihrer Lebhaftigkeit und Unternehmungslust . Elisabeth , das jüngste , erlebte die ersten bösen Tage , als ihr Vater , ein gutmütiger , nicht gerade besonders pfiffiger Bauer , bedeutend erkrankte . Schon am dritten Tage sagte man vom Sterben und davon , daß es höchste Zeit sei , mit allem Zeitlichen die letzte Rechnung zu machen . Der gute Mann meinte , unredlich erworbenes Gut besitze er nicht , Schätze hab ' er auch keine vergraben , und was durch seinen Fleiß zusammengekommen , sei wohl am schnellsten geteilt und am redlichsten , wenn er alles ohne Testament seinen Kindern zufallen lasse . Es stehe denen dann frei , ob sie noch länger gemeinsam wirtschaften oder gleich alles in