linken Flügel des Schlosses , und wir haben von unsern Fenstern aus eine recht schöne Aussicht auf den Platz . Bei Sonnenschein und Regen sehen wir die Wachtparade aufziehen und schwärmen für die türkischen Becken , den Schellenbaum , die große Pauke und den jüngsten Leutnant . Die Posten wandeln auf und ab , unsere zeisiggrünen Portiers und krebsroten Lakaien bringen den Glanz unseres Daseins dem gaffenden Marktvolk zum Bewußtsein ; eine Familienkarte zur Besichtigung des Schlosses kostet zwei Taler , eine Einzelkarte nur einen Taler , wie ich von meinem Freunde , dem Kastellan , weiß ; Seine Exzellenz der Herr Hofmarschall und der Herr Marquis von Carabas in allen Abstufungen fahren vor und ab , wir fahren spazieren und kommen zurück , und die Wache trommelt , und eine Abwechslung ist ' s nur , wenn der wachthabende Offizier sich verspätet und mit verkehrt aufgesetztem Tschako hervorstürzt . Eine Abwechslung ist ' s auch , wenn die Atmosphäre infolge einer Spannung mit dem rechten Flügel des Palais um einige Grade schwüler wird . Es gibt so manche gefährliche und leicht verwischte Grenzlinien , und dazu repräsentieren wir auf der Linken gar noch den Rationalismus und erbauen uns an Zschokkes Stunden der Andacht gleich der Kusine zu Windsor . Drüben auf der Rechten und im Mittelbau gehören sie zu den ausgewählteren Gefäßen und sind uns auf dem Wege zur Gnade wenigstens um zehn Postmeilen voraus . Kennen Sie Zschokkes Stunden der Andacht , Herr Hagebucher ? Nicht ? Nur eine dumpfe Erinnerung ? Ich habe mehr davon ; ich habe sie vorzulesen , ich kenne verschiedene Stücke auswendig ; darf ich Ihnen eines oder das andere rezitieren ? Nein ? ! Es wäre aber eine große Gefälligkeit von mir ! O Herr Hagebucher , auch Abu Telfan hat Reize , nach welchen ein Bruchteil der Menschheit sich sehnen kann . Ein sehr hübsches eisernes Gitter mit vergoldeten Spitzen trennt , wie Sie vielleicht noch wissen , unsern Schloßplatz von der Hauptstraße der Stadt . Da es verboten ist , mit Paketen oder Körben am Arme , einer Zigarre im Munde , einem Kinde oder einem Hunde den geheiligten Bezirk zu durchwandeln , so bleibt die gewöhnliche Welt hübsch draußen . Wir betrachten und beobachten sie nur durch unser Gitter und achten uns viel zu hoch , um uns nicht bescheiden zu können , und können letzteres um so mehr , als uns die Vorsehung für alles , was wir entbehren müssen oder zuviel haben , so unaussprechlich reichlich entschädigt hat . Unsere Galatage heben uns hoch über das Gallaland hinaus , mit unsern hohen Geburtstagen kann keine Herrlichkeit an der Gold- und Pfefferküste konkurrieren , und die noch höheren Besuche aus allen himmlischen Reichen wären imstande , das innerste Afrika vor Neid nach außen zu kehren , wenn es nur die geringste Ahnung von ihrer Importance hätte . O Gott , und haben wir nicht die Adjutanten , die Kammerherren und die verschiedenen Leibärzte der verschiedenen Herrschaften ? O Gott , o Gott , und man sieht es Frühling werden , Sommer und Winter , und man wird immer älter - immer älter und immer sublimer und zarter , und das ganze Universum wird immer mehr zu einem ehrfurchtsvollen Geflüster . Und die Menage , die Naturalverpflegung , wie mein kleiner Vetter Bumsdorf es nennt , bleibt immer tadellos ; ein Ballkleid oder ein neues Armband fällt auch von Zeit zu Zeit für uns ab , und die Etikette sorgt mit unleidlichem Nachdruck dafür , daß wir auf unsern Redouten nicht als Immobilien die Wände zieren . Und immer wird ' s wieder Frühjahr und immer wieder Sommer und immer wieder Winter ; aber kein Herr van der Mook will an unserm Horizonte aufgehen , um uns von diesem sanften , mit Sammet ausgeschlagenen Elend zu befreien ! Was glauben Sie , Herr Afrikaner , was aus mir werden würde ohne meine schwachen Nerven und den guten Onkel Bumsdorf auf Bumsdorf ? « Ehe Herr Leonhard Hagebucher dieser plötzlichen Frage gerecht werden konnte , kam atemlos sein Schwesterchen , welches sich mit den beiden andern Mädchen dem Dorfe zu hinter den Hecken verloren hatte , zurückgelaufen . » Leonhard , Leonhard , du mußt schnell heimkommen , die Tante Schnödler ist da ! « Der Afrikaner sprach einige , vielleicht nicht sehr freundliche Worte in der Sprache von Dar-Fur ; doch er befand sich noch zu kurze Zeit wieder in der Heimat , um nicht allen ihren Rufen Folge zu leisten . Auch Fräulein Nikola von Einstein sprang lachend in die Höhe . » So geht es mir doch immer - jedesmal , wenn ich im besten Zuge bin , mein Herz auszuschütten ! Nun wissen Sie doch noch nicht das allergeringste von mir , mein Herr , und es steht dahin , ob Sie in aller Ewigkeit mehr erfahren werden . Die gute Stunde ist vorübergegangen , und die Tante Schnödler ist angekommen , und der große Familienrat über Herrn Leonhard Hagebucher beginnt - gehen wir heim und unterwerfen wir uns den Dingen , Verhältnissen und Verhängnissen , da wir doch nicht um unsern Willen gefragt werden . « Leonhard wollte ihr die Hand bieten , um sie den etwas steilen Abhang hinunterzuführen : sie aber wies seine Hülfe lachend von sich . » Nein , nein ! Bei besserer Überlegung werde ich doch lieber bleiben , wo ich bin , und meinen Kranz vollenden . Ich ziehe den Wald allen Familienräten vor ; denn ich habe auch unter den letzteren gelitten und weiß davon zu singen und zu sagen . « Fünftes Kapitel Das helle Lachen des Hoffräuleins verklang hinter der Waldecke , und mit gesenktem Kopfe schritt Leonhard Hagebucher auf dem Pfade , welcher die Wiese entlang dem nahen Dorfe zu führte , weitbeinig fort . Das Schwesterchen hatte sich an seinen Arm gehängt und trippelte atemlos an seiner Seite und blickte von Zeit zu Zeit stumm , aber liebevoll-ängstlich zu dem ernsten fast finstern Gesichte