allem Glanze des Reichtums umgeben . Massiv silberne Handhaben schimmerten am Totenschreine , und das Haupt des Heimgegangenen ruhte auf einem weißen Atlaskissen . - Schrecklicher Kontrast ! Neben dem eingefallenen Totengesichte dufteten frisch abgeschnittene Blumen , junges , unschuldiges Leben , bestimmt , vor der Zeit zu sterben , zur Ehre des Toten ! Viele Leute kamen und gingen , flüsternd und geräuschlos . Der da lag , war ein reicher , angesehener und sehr freigebiger Mann gewesen , aber nun war er ja tot . Fast aller Augen huschten scheu und rasch über die bleichen , zerstörten Züge und konnten sich nicht satt sehen an dem Prunke , dem letzten Aufflackern irdischer Herrlichkeit . Felicitas kauerte in einer dunklen Ecke , hinter den Kübeln mehrerer Oleander und Orangenbäume . Zwei Tage hatte sie den Onkel nicht sehen dürfen , das Sterbezimmer war fest verschlossen gewesen , und nun kniete sie da auf den kalten Steinfliesen und starrte hinüber auf dies völlig fremde Haupt , dem der Tod selbst das Gepräge unbegrenzter Gutmütigkeit weggewischt hatte ... Was hatte das Kind vom Sterben gewußt ! Sie war in seinen letzten Augenblicken bei ihm gewesen und hatte doch nicht verstanden , daß mit dem Blutstrome , der über seine Lippen geflossen , plötzlich alles enden müsse . Er hatte die Augen mit einem unbeschreiblichen Ausdrucke auf sie geheftet , als sie aus dem Zimmer geschickt worden . Draußen in der Straße war sie tief besorgt und zornig vor den weit offenen Fenstern des Krankenzimmers auf und ab gelaufen - sie wußte ja , er hütete sich ängstlich vor jedem Zuglüftchen , und nun waren sie so rücksichtslos da drinnen . Sie hatte sich gewundert , daß abends kein Feuer im Kamin gemacht werde , und auf ihre endliche Bitte , dem Onkel die Lampe und den Thee hineintragen zu dürfen , hatte Friederike ärgerlich gerufen : » Ja , Kind , ist ' s denn nicht richtig bei dir , oder verstehst du kein Deutsch ? Er ist ja tot , tot ! « Nun sah sie ihn wieder , bis zur Unkenntlichkeit entstellt , und jetzt fing das Kind an , zu begreifen , was Tod sei . Sobald ein frischer Strom Neugieriger die Hausflur füllte , kam Friederike aus der Küche , hielt den Schürzenzipfel vor die Augen und pries die Tugenden des Mannes , den sie zu ärgern gesucht hatte , wo sie konnte . » Da seh ' einer das Mädchen an ! « unterbrach sie sich zornig , als sie Felicitas ' blasses Gesichtchen mit den heißen , trockenen Augen zwischen den Orangenbäumen entdeckte . » Ob sie auch nur eine einzige Thräne vergießt ! ... Undankbares Ding ! Sie muß doch auch keinen Funken von Liebe in sich haben ! « » Du hast ihn nie lieb gehabt und weinst , Friederike ! « entgegnete die Kleine schlagend , aber mit völlig tonloser Stimme , und zog sich tiefer in ihre Ecke zurück . Die Hausflur leerte sich allmählich . Statt der Schaulustigen aus den niederen Ständen , die sich jetzt draußen auf dem Markte postierten , um den Leichenzug mit anzusehen , erschienen vornehme , schwarzbefrackte Herren ; sie gingen , nach kurzem Aufenthalte am Sarge , in das Wohnzimmer , um der Witwe ihr Beileid auszusprechen . In der großen , hochgewölbten Flur herrschte augenblickliche Stille , sie hätte eine feierliche genannt werden können , wäre sie nicht hier und da durch das Stimmengesurr drin im Zimmer unterbrochen worden . Da fuhr die kleine Felicitas jäh aus ihrem tiefen Sinnen auf und starrte erschrocken nach der Glasthür , die in den Hofraum führte . Dort hinter den Scheiben erschien ein merkwürdiges Gesicht - er lag doch hier mit den tief eingesunkenen Augen und den unbekannten Zügen um den festgeschlossenen Mund , und dort blickte er forschend in die menschenleere Flur , wiedererstanden mit dem gütevollen Ausdruck des Gesichts , wenn auch der Kopf in fremdartiger Weise umhüllt erschien ... War es doch fast gespenstig , als das Thürschloß sich leise bewegte , und gleich darauf die Thür geräuschlos aufging ... Die seltsame Erscheinung trat auf die Schwelle . Ja , es waren Hellwigs Züge in frappanter Aehnlichkeit , aber sie gehörten einem weiblichen Wesen , einer kleinen alten Dame , die in wunderlicher , dem Reiche der Mode längst entrückter Tracht langsam auf den Sarg zuschritt . Ein sogenanntes Zwickelkleid von schwerem schwarzen Seidenstoffe , vollkommen faltenlos , spannte sich förmlich über sehr eckige , magere Formen ; es war kurz und ließ ein Paar wunderkleiner Füßchen sehen , die jedoch ziemlich unsicher auftraten . Ueber der Stirn kräuselte sich eine Fülle schöngeordneter , schneeweißer Locken , und darüber lag ein klar durchsichtiges , schwarzes Spitzentuch , das unter dem Kinne gebunden war . Die alte Dame bemerkte das Kind nicht , das unbeweglich und atemlos zu ihre aufsah , und trat an den Sarg heran . Sie fuhr bei Erblicken des Totenantlitzes sichtlich entsetzt zurück , und ihre linke Hand ließ wie unbewußt ein Bouquet köstlicher Blumen auf die Brust der Leiche fallen . Einen Augenblick verbarg sie ihre Augen im Taschentuche , dann aber legte sie die Rechte , tief erschüttert , in feierlich beschwörender Weise auf die kalte Stirn des Toten . » Weißt du nun , wie alles zusammenhing , Fritz ? « flüsterte sie . » Ja , du weißt es - du weißt es , wie ja auch längst dein Vater und deine Mutter es wissen ! ... Ich habe dir verziehen , Fritz - du wußtest ja nicht , daß du unrecht thatest ! ... Schlaf wohl - schlaf wohl ! « Sie nahm die wachsbleiche Hand des Verstorbenen noch einmal zärtlich zwischen ihre beiden Hände ; dann trat sie vom Sarge zurück und wollte sich ebenso geräuschlos entfernen , wie sie gekommen war . In diesem Augenblicke öffnete sich die Thür des Wohnzimmers , und Frau Hellwig trat heraus . Ihr Gesicht erschien unter der