noch gar kein deutsches Reich gegeben hat , da in dem Lande der Franken , das sehr groß war , die tapfern Hausmeier der alten Könige geherrscht haben , ist ein Mann aus dem Stamme der Fürsten Ursini in Rom , der auch Witiko wie ich geheißen hat , wegen Verfolgung eingedrungener Feinde mit seinem Weibe , mit seinen Kindern , mit seinen Anverwandten und mit einem kriegerischen Gefolge in das Land gegen Mitternacht gegangen , und bis an die Donau gekommen . Von dort wollte er in das Land Böhmen einbrechen . Aber Woyen , der Herzog Böhmens , der erstgeborne Sohn des Herzogs Mnata , der noch heidnisch war , und die Christen haßte , zog ihm mit einem Heere entgegen , und tötete in einer Niederlage , die Witiko erlitt , fast alle seine Leute . Da trug Witiko dem Herzoge Woyen ein Bündnis an , er wollte sich ihm unterwerfen , und die Marken Böhmens gegen die Fremden verteidigen , wenn ihm der Herzog in den waldigen Bergen , in welche er eingedrungen war , eine Wohnung geben wolle . Der Herzog gab sie ihm , und nun wohnte er an einem Berge in dem Walde . Sie breiteten sich aus , wurden mächtig , und gründeten das Christentum , daß sich vierzehn Lechen vom Mittage Böhmens lange vor der Zeit , da Boriwoy der erste christliche Herzog Böhmens war , in Regensburg taufen ließen . Dann nahm das Geschlecht wieder ab , wurde unbekannt , und ich bin der letzte davon . Witiko hatte auf dem Berge an seiner Wohnung Waldrosen gepflanzt , wie auf einem Berge neben seiner Wohnung in Rom Waldrosen gestanden sind . Alle Vorgänger des alten Witiko , welche in die Zeiten hinauf reichten , da noch gar kein Christ auf der ganzen Welt war , hatten Waldrosen gepflanzt , weil noch keine anderen waren , und alle Nachfolger haben Waldrosen gepflanzt . « » Es wird doch eine Eingebung gewesen sein , daß ich die Rosen genommen habe « , sagte Bertha . » Nimmst du oft Rosen ? « fragte Witiko . » Ich nehme sie zuweilen « , sagte Bertha . » Und daß es in dieser Jahreszeit noch Rosen gibt , ist schon ein Wunder « , sagte Witiko . » Ich habe diese auch nur heute im Waldschatten gefunden , und in meinen Ring gesteckt « , entgegnete Bertha . » Siehst du « , sagte Witiko . » So mögen sie Euch ein Zeichen sein « , erwiderte Bertha , » und möget Ihr recht viel Glück haben . Ich werde Euch zu meinem Vater führen , daß er Euch einen Mann zu den drei Sesseln mitgibt , der Euch den kürzesten Pfad weist . « » So führe mich zu deinem Vater , Bertha « , sagte Witiko . » Wollt Ihr ? « fragte sie . » Ich will « , antwortete er . » So kommt « , sagte sie . Bei diesen Worten erhob sie sich , der Reiter setzte seine Lederhaube auf den Kopf , und stand gleichfalls auf . Sie gingen nun an dem Waldsaume bis zu der Stelle , an welcher die Mädchen herausgekommen waren . Dort traten sie unter die Stämme , und in kleiner Tiefe des Waldes stand das andere Mädchen , das mit Bertha gesungen hatte . Als Bertha und Witiko sich ihr näherten , nahm sie die Flucht , und lief vor ihnen her . Witiko sah nun , daß ihre Zöpfe , die auf das dunkle Kleid hinab gingen , eine lichte fast weißgelbe Farbe hatten , während die Berthas braun wären . Sie lief aber so , daß sie bald nicht mehr gesehen werden konnte . Witiko und Bertha gingen unter den hohen Tannen des Waldes und zwischen bemoosten Steinen dahin . Sie gingen aufwärts . Nach einer Weile hörten sie ein Wasser rauschen , welches in der Gegend zu ihrer linken Hand fließen mußte . Bertha wendete sich nun links , und ging zu dem Wasser , das man fast durch die Stämme aber tief unten in einer Schlucht sehen konnte . Bertha ging an dem Wasser in der früheren Richtung wieder fort , aber immer oben am Rande der Senkung . Sie gingen immer aufwärts . Nach einer Zeit wurde der Wald dünner , und sie traten endlich in das Freie . Da lag eine Wiese vor ihnen , hinter der Wiese waren Felder , und dann stand ein großes weißes Haus . Hinter dem Hause stieg der Wald empor , und war ein breites mächtiges Band . Seinen Sesselfels konnte man wegen der Nähe nicht sehen , gegen Morgen aber waren andere starke Steinrippen im Bande . Die Wiese war von Gestrippe und Steinen gereinigt . Bertha lenkte nun auf einen Pfad ein , der in der Wiese auf das Haus zuging . Der Pfad war geordnet und so breit , daß selbst ein Wagen auf ihm hätte fahren können . Als sie auf dem Pfade so weit fortgegangen waren , daß sie noch einige hundert Schritte zu dem Hause gehabt hätten , kamen sie zu der Betstelle des roten Hüttchens . Es stand an dem Wege , mit seiner Öffnung gegen Morgen dem Pfade zugekehrt . Unten war es geschlossen , oben hatte es eine Öffnung , in welcher das Bild der heiligen Mutter stand , es war in Gold in roten blauen und anderen Farben . Vier Ebereschenbäume hinter dem Hüttchen waren hoch empor gewachsen . Bertha kniete an einem Bänklein nieder , und tat ein Gebet . Witiko kniete neben sie , und betete auch . Dann standen sie auf , und gingen weiter . Das Rauschen des Wassers tönte aus der Schlucht herauf , und auch nicht weit vor dem Hüttchen kam ein Wasser aus dem Grase der Wiese , und schoß flüchtig nach abwärts . » Ihr habt hier klare fröhliche Quellen « , sagte Witiko . » Es sind noch mehrere , rechts