, wenn ich eine Dame gewesen wäre ! - Aber mich konnte der gnädige Herr ja doch nicht heirathen ! Sie schwieg , als müsse dieser letzte Grund den Geistlichen selbst ohne Weiteres überzeugen , und erstaunt über die besondere Richtung , welche diese Natur genommen hatte , fragte dieser : So hat Ihr Gewissen Ihnen nie gesagt , daß Sie auf falschem Wege gingen ? Niemals ! antwortete sie bestimmt . Ich habe gethan , was ich nicht anders konnte . Er hat mir immer versichert , daß er nicht heirathen würde , daß ich immer bei ihm bleiben solle und daß er nicht von mir lassen werde . Wenn es dann manchmal auch geheißen hat , daß er eine Frau nehmen würde , und ich mir darüber Sorgen und Gedanken gemacht habe , so ist das immer eine unnöthige Sorge gewesen . Und ich bin ja auch immer glücklich und wie im Himmel gewesen , bis - bis nun in diesem Sommer . Sie konnte das Wort von der Verlobung des Barons nicht über ihre Lippen bringen . Und der Pfarrer , der Pfarrer von Neudorf , bei dem Sie ja eingepfarrt sind , hat er Sie nie zur Rede gestellt , Sie nie gewarnt ? Hochwürden , weßhalb wollen Sie das wissen ? fragte sie mißtrauisch . Weil ich finde , daß Ihnen ein ehrlicher , wahrhaftiger Freund gefehlt hat ! erwiederte er mit immer steigendem Antheile an dem jungen Weibe . Sie meinen also , der Herr Pastor hätte als solch ein Freund an mir handeln sollen ? Es würde das wenigstens seine Pflicht und eine Wohlthat für Sie gewesen sein . Nun , rief sie mit einem Anflug von Spott , dann hat er seine Pflicht nicht gut verstanden ! Und eine Wohlthat für mich hätte es sein sollen ? Das heißt doch nicht wohlthun , wenn man einem das Herz im Leibe bricht und einem sagt , daß man diesseits und jenseits verdammt und verloren sei , weil man gethan hat , was man nicht anders konnte , was man ... Sie stockte , wollte weiter sprechen , besann sich wieder und sagte endlich : Was hätte er denn auch mit mir machen sollen ? Er hätte Sie wenigstens darauf aufmerksam machen sollen , daß nichts Bestand hat , was wider Gottes Gebot und wider die Sitte der Menschen ist , antwortete der Caplan ihr sanft und ernsthaft . Sie würden es dann , deß bin ich gewiß , weit weniger schwer gefunden haben , sich jetzt in das Nothwendige zu schicken , und würden nicht so rathlos und verzweifelt sein , als ich Sie leider finde . Sie blieb ruhig sitzen , seufzte leise und sah ihn nachdenklich an . Er fragte sie , was sie beschäftige . Ich denke darüber nach , daß es besser wäre , Sie wären gar nicht hergekommen ! entgegnete sie ihm . Und doch kam ich in der besten Absicht ! bedeutete er sie . Sie sagte , davon sei sie überzeugt , aber statt sich dadurch gekräftigt zu fühlen , rief sie plötzlich mit der ihr eigenthümlichen unterdrückten Heftigkeit : Sehen Sie mich nicht so an , Hochwürden , ich halte das nicht aus ! Sind Sie der menschlichen Theilnahme , der wohlgemeinten Sorge denn so sehr entwöhnt ? fragte er mit großer Weiche des Tones und der ganzen Milde seines Herzens . Ja , sehr entwöhnt ! wiederholte sie klanglos ; und mit hervorquellenden Thränen rief sie : Ach , Hochwürden , machen Sie mir das Herz nicht weich , dann kann ich mir gar nicht mehr helfen , und weiß jetzt erst recht nicht , was aus mir werden soll ! Sie wollte aufstehen , er nahm sie bei der Hand und nöthigte sie dadurch , sich niederzusetzen ; widerstrebend gab sie nach . Weine nur , Pauline ! sprach der Caplan , dem sie mehr und mehr beklagenswerth erschien und der sie in dem Gedanken an ihre Vereinsamung zum ersten Male wieder wie in den Tagen ihrer Kindheit Du und mit ihrem Namen anredete . Weine Dich aus ! Es mag lange her sein , daß Du nicht von Herzen um Dich selbst geweint hast ! - Sie regte sich nicht , nur ihre Thränen brachen neu hervor . - Das Weinen wird Dir das Herz erleichtern , und Du mußt viel gelitten haben , ehe Du Dich so gegen die Stimme Gottes , die Jeder in seinem Gewissen in sich trägt , verhärtet hast ! fuhr der Caplan fort . Sie weinte bitterlich . Mit Einem Male jedoch trocknete sie ihre Thränen , und sich auflehnend gegen die Wirkung , welche sein Zuspruch auf sie übte , rief sie : Wenn Gott es zulassen kann , daß ich so ohne Grund und ohne meine Schuld verstoßen werde , so giebt es keinen gerechten , keinen barmherzigen Gott mehr in der Welt ! - Aber kaum hatte sie diese wilden Worte ausgesprochen , so schlug sie die Hände vor dem Gesichte zusammen und der Klageruf : Es wird mich noch von Sinnen bringen ! rang sich aus ihrem gequälten und verzweifelnden Herzen hervor . Armes Weib ! sagte der Caplan , ergriffen von ihrem Schmerze , und sich ihm plötzlich zu Füßen werfend , flehte sie : Helfen Sie mir ! Ach , helfen Sie mir , Hochwürden ! Auf Sie hört er , zu Ihnen hat er Vertrauen ; er hat das hundert und aber hundert Mal gesagt ! Sie können das Alles durchsetzen bei dem Herrn Baron ! Wenn Sie nur wollten ! Sie könnten mir helfen ! Er ließ sie absichtlich auf ihren Knieen vor sich liegen , denn dem herzbeladenen Menschen thut es wohl , sich vor demjenigen zu beugen und zu demjenigen empor zu sehen , von dem er Beistand erwartet , und mit tiefem Erbarmen fragte er sie , was sie wünsche und was sie denn verlange . Hier bleiben will ich ! sagte sie mit einem