meine Gesellschaft gewonnen , gab ich einige Vorstellungen in Konstantinopel auf dem Platze vor dem Palast des Sultans , der sich ganz ungemein für unsere Kunst interessirte und uns die Erlaubniß gegeben hatte , das Seil an der obersten Zinne des Palastes , auf dem flachen Dache selbst , zu befestigen . Nun müssen Sie wissen , daß in dem obersten Stockwerk dieses Palastes die Frauen des Sultans wohnen , weshalb man denselben auch Harem nennt . Ich hatte immer gewaltiges Verlangen danach gehabt , einmal in einen solchen Harem , der sonst für Alle streng verschlossen ist , zu gelangen ; und nun erst recht , nachdem mir Cotterby gesagt hatte , daß , wenn er an dem obersten Stock vorbeikäme , ihn immer die schönsten schwarzen Augen durch die Ritzen der Bretter , mit denen die Fenster des Harems vernagelt sind , anblitzten . - Was thue ich also ? Ich sage zu Cotterby : Cotterby , sage ich , Sie können ja Alles , was Sie wollen . Wie wär ' s , wenn Sie mich morgen in die Karre nähmen und oben auf dem Dache absetzten ? Ich muß einmal sehen , wie ' s da oben aussieht . Sie können mich morgen ja wieder auf demselben Wege zurückbringen . Wollen Sie ? - Warum nicht ? sagt Cotterby , wenn ich Ihnen damit einen Gefallen thun kann . - Am nächsten Tage stecke ich mich in die Karre ; Cotterby karrt mich auf das Dach , stülpt die Karre um , und , da bin ich denn oben auf dem Dach , ganz allein , denn Cotterby war , um kein Aufsehen zu erregen , sogleich wieder umgekehrt . - Nun mögen Sie mir glauben oder nicht , meine Herren ; aber ich versichere Sie , daß mir in dieser Situation doch etwas wunderlich zu Muthe war . Wie leicht konnte aus den Dachluken der schwarze Kopf eines Wächters auftauchen - und dann wäre es um mein Leben geschehen gewesen . Indessen ich saß nun einmal in der Falle . Als ich noch so überlege , was ich nun beginnen soll , höre ich mit einem Male Säbelrasseln und Sporenklirren auf der Treppe , die zu dem Dache führt . Es war der Sultan selbst , der Herrn Cotterby von oben herab bewundern wollte . Ich , in meiner Herzensangst , laufe nach dem nächsten Schornstein , der aus dem Dach herausragt , krieche hinein und plumps ! - zum Besinnen war keine Zeit - so eine zwanzig Fuß heruntergerutscht und wohin glauben die Herren ? direct in den Kamin von der Schlafstube der Favoritin des Sultans . - Hier muß ich indessen die geehrten Herren um Verzeihung bitten , wenn ich , um die Ehre einer Dame nicht zu compromittiren , nur andeutungsweise so viel sage , daß die nächsten vierundzwanzig Stunden zu den schönsten gehören , die ich in meinem Leben gehabt habe , daß ich am folgenden Tage von Herrn Cotterby , der etwas der Art geahnt haben mußte und eine noch größere Karre wie gewöhnlich mitgebracht hatte , auf die angegebene Weise abgeholt wurde , - daß wir noch in derselben Nacht Konstantinopel verließen und seit dieser Nacht meine Gesellschaft um eine vorzügliche Künstlerin reicher und der Palast des Sultans um seine schönste Blume ärmer war . Herr Schmenckel sah sich triumphirend um . Er konnte mit dem Eindrucke , den seine Geschichte auf die in athemloser Spannung Horchenden hervorbrachte , zufrieden sein . - In diesem Augenblick kam die Dame , welche an der Kasse zu sitzen pflegte und überhaupt die inneren Angelegenheiten der Gesellschaft verwaltete , eilig in die Trinkstube gerannt und flüsterte Herrn Director Schmenckel etwas in ' s Ohr , wovon die Gesellschaft nur die Worte : braunes Weib - fortgelaufen - verstehen konnte . Des Directors Gesicht verfinsterte sich zusehendes . Er murmelte etwas von Teufel und Dreinschlagen und verließ den Tisch , ohne auch nur sein Seidel auszutrinken . Die Nachricht aber , welche dem Director eben geworden , bestand in nichts Geringerem , als darin , daß die Zigeunerin sammt ihrem Kinde in ihrer Kammer , im ganzen Hause nicht zu finden sei . Mamsell Adele hatte diese Entdeckung gemacht , als sie die Beiden aus ihrer Kammer zum gemeinschaftlichen Mahle der Frauen der Gesellschaft , welches in einer anderen Kammer servirt war , holen wollte . Für Herrn Schmenckel war diese Nachricht ein Blitz aus heiterm Himmel . Die Flucht der Zigeunerin und ihres Kindes war ihm , was einem Menageriebesitzer der Tod seiner besten Löwin sammt ihren Jungen ist . Er verlor in den Beiden ein Kapital , das er für so gut wie nichts erworben und welches doch die reichsten Zinsen zu bringen versprach - den Schmuck , die Zierde , den Glanz , die Poesie seiner Gesellschaft . Selbst Herr John Cotterby aus Aegypten wäre leichter zu ersetzen gewesen als ein Genius mit so schönen Augen , mit so freundlich-ernstem Lächeln , das den filzigsten Spießbürger in einen leichtsinnigen Verschwender umwandelte . Herr Schmenckel gerieth in einen ganz unglaublichen Zorn , dessen erster Ausbruch sich natürlich gegen die Ueberbringerin der Hiobspost wendete , um so mehr , als Herr Schmenckel das eifersüchtige Temperament dieser Dame aus langjährigem , vertrautem Umgang hinreichend kannte . Er beschuldigte sie in beleidigenden Ausdrücken , die Zigeunerin durch ihre Intriguen zur Flucht gezwungen zu haben . - Mamsell Adele antwortete in einem Tone , der ihre innere Erregung nur zu deutlich verrieth . Herr Schmenckel konnte , wenn er getrunken hatte , Widerspruch nur schwer vertragen , und Mamsell Adele fühlte kaum die schwere Hand des Meisters auf ihrer Wange , als sie so laut und schrill zu zetern begann , daß die Trinker drinnen von ihren Biergläsern in die Höhe fuhren und nach der Thür eilten , in der Meinung , es sei auf dem Flur ein Unglück geschehen . Der Anblick so vieler ungebetener und unerwünschter Zeugen brachte den um die Ehre seiner